Glasmuseum Rheinbach zeigt große Josef-Welzel-Retrospektive
Ehrung eines großen Glaskünstlers
Rheinbach. Die getragene Musik von Martina Kölle auf der Gitarre und von Ingmar Meissner auf der Violine spiegelte die Stimmung bei der Eröffnung der Retrospektive für das Werk des großen Glaskünstlers Josef Welzels wieder. Der Künstler konnte nicht mehr im Mittelpunkt dieser großartigen Ausstellung im Glasmuseum stehen, die er noch zusammen mit der Museumsleiterin Ruth Fabritius vorbereitet hatte, er war erst am 12. August in seinem 87. Lebensjahr verstorben. Der Erste Stellvertretende Bürgermeister Claus Wehage bat daher in seinem Grußwort um eine stille Minute des Gedenkens. Er konnte aber die Familie von Josef Welzel begrüßen, voran die Ehefrau, Helga Welzel, die als Glasmalerin an vielen Werken ihres Mannes mitgearbeitet hat. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie vielgestaltig das Werk dieses Künstlers ist. Ob Vasen, Schalen oder Objekte, seine Handschrift ist unverkennbar. „Josef Welzel war einer der international renommiertesten experimentellen Archäologen seiner Generation, darüber hinaus ein vielseitiger Künstler und Designer, nicht nur mit dem Werkstoff Glas“, würdigt die Museumsleiterin den Schöpfer der ausgestellten Werke. Die Ausstellung am Himmeroder Wall ist eine Hommage an das Lebenswerk Josef Welzels, erstmals zeigt ein Museum die ganze Breite seines Schaffens.
Von Schlesien an Rhein und Westerwald
Wie viele prägende Gestalten der Glaskunst im Nachkriegsdeutschland stammt der Künstler aus den heutigen polnischen und tschechischen Gebieten. 1927 in Biebersdorf in Schlesien geboren, begann er 1941 eine erfolgreiche Lehre als Glasschleifer. Wehrdienst, Kriegsgefangenschaft und Landarbeit sowie die Flucht aus der alten Heimat prägten die Jahre 1944 bis 1948. Aber schon im Jahr 1948 arbeitete er wieder als Glasschleifer in Niedermarsberg und in Euskirchen. Von dort war es nicht weit bis zur neu gegründeten Glasfachschule in Rheinbach, wo er 1951 die staatliche Abschlussprüfung im Fachbereich Gravur ablegte. Seine beruflichen Lebensstationen lesen sich wie ein Gang durch einen Teil der europäischen Glasgeschichte. Glasschleifer bei Villeroy & Boch in Waldgassen und bei Ceraly in Paris, Meisterklasse an der Staatlichen Höheren Fachschule in Schwäbisch Gmünd mit Meisterprüfung, Gaststudent an der Werkkunstschule Schwäbisch Gmünd, Arbeiten als Meister in der dortigen bekannten Josephinenhütte und schließlich als Fachlehrer für Glasgestaltung an der Glasfachschule im hessischen Hadamar. „Dort prägte er ganze Generationen von Schülern - nicht nur als Graveur und Schleifer, sondern auch als Formgestalter“, so Ruth Fabritius, „und durch seine vielseitige Ausbildung entwickelte er sich zum Bildhauer, zum neugierigen Forscher der antiken Glaskunst und zum technisch unerreichten Graveur mit weltweiter Anerkennung.“
Aber auch im industriellen Bereich hat der Künstler Erfahrungen gesammelt. So fertigte er von 1968 bis 1973 Entwürfe für Pressglasverfahren für die Wiesenthalhütte in Schwäbisch-Gmünd.
Erforschung und Rekonstruktion antiker Luxusgläser
Schon 1957 modellierte Josef Welzel seine ersten Plastiken, und viele der folgenden Werke erinnern an Arbeiten von Hans Arp und Henry Moore, die den Zeitstil der sechziger und siebziger Jahre prägten. Ein weites Forschungs- und Arbeitsfeld Welzels war der Rekonstruktion antiker Luxusgläser aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus gewidmet. Über drei Jahrzehnte forschte und arbeitete der Künstler an dieser jahrhundertelang verloren gegangenen speziellen Technik des „durchbrochenen“ Glases. So sind in der Ausstellung auch Rekonstruktionen bekannter antiker Amphoren, Vasen und Becher zu sehen, so auch die der „Diatrete-Vase“ aus Köln-Braunsfeld, die seit dem Fund 1960 im Römisch-Germanischen Museum in Köln zu sehen ist.
In zahlreichen Museen, vom Deutschen Museum in München über die Landesmuseen in Mainz und Trier sowie natürlich in zahlreichen Glasmuseen, sind die Werke Welzels präsent. Schon 1973 wurde der Künstler für seine moderne Industrieform auf der Messe in Hannover ausgezeichnet, 2009 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Oktober im Glasmuseum Rheinbach, Himmeroder Wall 6, zu sehen: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
Formgeschmolzenes grünes Glas „Zecher“.
