Dorfakademie Hambuch e.V.
Eifeler Dorfgeschichten aus den 1960er Jahren
Ensemble begeistert bei der fünften Auflage des Nachttheaters
Hambuch. Es war nach pandemiebedingter Pause heuer die fünfte Auflage der beliebten Nachttheaterreihe, deren versierte Gastgeber einmal mehr die Offiziellen der örtlichen Dorfakademie waren. Für 17 dörfliche Szenen an einem 30. April in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre in Hambuch, bot die Akademie-Regie, unter der Gesamtleitung von Rainer Ningel, mehr als 120 Laienschauspieler auf. Die kamen neben den Hambucher Darstellern von den Theaterfreunden aus Kaisersesch, Düngenheim, Zettingen, Kaifenheim Möntenich und Mayen und konnten auf ganzer Linie überzeugen. Das zeitgemäße Outfit der Schauspieler, sowie der Einsatz von Kleinoden und Oldtimern aus den 60ern, sorgten überdies für eine hohe Authentizität. Es ist die aktuelle Zeit des Wirtschaftswachstums und man kann sich wieder so einiges leisten. Die zufriedenen Alten wollen ihre Ruhe, während sich die Jugend rebellisch und unzufrieden zeigt. Sie will mit alten Regeln brechen und sich dem grellbunten „Summer of Love“ anschließen: Vier unflätig grölende Männer mittleren Alters kehren von einer Kirchenchortour zurück und wurden unterwegs in Koblenz zu obligatorischen Promilleopfern. In der Kneipe von Engels Karl will man sich den Rest geben, erlebt zuvor allerdings noch die angehende Liaison von Reinhold und Marga.
Letztgenannte hat in 4711 gebadet und Angst vom Küssen schwanger zu werden. „Liebe ohne Sex ist wie Turnen ohne Geräte“ erklärt Freund Reinhold, den sich Margas Papa bei einem Ausraster derbe zur Brust nimmt. Escher Jugendliche fallen per Ford Capri in Homesch ein und laden zum Abfeiern in einen Partyschuppen, wo man sich unter Bier- und Liköreinfluss dem berühmten Flaschendrehen mit Klamottenverlust hingibt. Im Dorf werden derweil Eier für deren Verzehr unter dem Maibaum gesammelt. Hin und wieder sind auch einige faule dabei. Während der anstehenden Hexennacht wird so mancher Schabernack getrieben, bei dem auch eine Haustür mit Pflastersteinen blockiert wird. Den Dorftratsch zelebrieren Martha und Klärchen beim Wäscheaufhängen und lassen dabei kein gutes Haar an der Nachbarschaft. „Dat Mädche von der Mussel is en schön Zammel, awer et hat wat an de Föös“, weiß man über die neue Braut im Ort zu berichten - und der Sohn vom Nachbar ist wohl vom Briefträger. Beim Bauer Jakob steht die Stierprämierung ins Haus und die Gattin hat den Eintrag ins „Deckbuch“ des Tieres vergessen. Derweil will Tochter Klara mit Freund Cornelius zum Tanzen, was den Hausherr wütend macht, denn der Junge ist Mayener. Vom Gummitwist in der Pause geht es zurück in die Klasse, wo die neue Lehrerin gegen die Erziehungsmethoden des Rektors und des Schuldrachens Frl. Klein grätscht. Die stehen ebenso wie der Pastor auf Kopfnüsse und Ohrfeigen, selbst bei der Unterrichtung des Katechismus. Beim Altentag mit echtem Kaffeeklatsch geraten sich die Senioren in die Haare und der Kinderchor wartet mit einem Ständchen auf. Parallel dazu erfreuen die Darsteller beim „Theater im Theater“ mit dem „Zimmermann im Paradies“. Bei Bauer Bast im „Winkel“ gibt es Probleme bei einer Hausgeburt der Schwiegertochter, weshalb man sich zum Gebet ins Heiligenhäuschen zurückzieht. Dat Mättesje ist auf der Rückfahrt vom Holzsammeln mit dem Kopf ins Speichenrad des Leiterwagens geraten, was bei Mama Agnes eine Panikattacke auslöst. Papa Ernst schiebt das lautstark auf die von der Mutter vererbte „Dappigkeit“. Im Grüngürtel hat sich die Dorfjugend heimlich zum Konzert Peace, Life & Rock`n Roll mit „California Dreamin`“ getroffen, was deren Eltern selbst mit reichlich Körpereinsatz beenden wollen. Derweil haben die Jugendlichen aus dem benachbarten Gamlen den unbeaufsichtigten Hambucher Maibaum abgesägt, was in eine muntere Klopperei ausufert. Davon lösen sich die Theatergänger alsbald und finden durch Pastors Garten zurück zum Ausgangsort, der Probstei. TE
Auf der Rückfahrt vom Holzsammeln ist dat Mättesje mit dem Kopf im Speichenrad des Leiterwagens gelandet.
„California Dreamin`“ zelebrieren die Hambucher Jugendlichen beim Konzert „Peace, Life & Rock`n Roll“.
