Allgemeine Berichte | 31.03.2023, 14:30 Uhr

Autorenlesung mit Hannes Kölle im Caritas-Mehrgenerationenhaus in Mayen

Ein Basler Missionar in der Kolonie Goldküste

Am 26. April

Der Autor Hannes Kölle, Jahrgang 1951, begibt sich mit der Biografie seines Großvaters auf eine Spurensuche.  Foto: Eberhard Müller
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Mayen. Zur Autorenlesung „Christian Kölle: Ein Basler Missionar in der Kolonie Goldküste“ am Mittwoch, 26. April um 19 Uhr im Café CaTI des Caritas-Mehrgenerationenhauses St. Matthias in Mayen, St.-Veit-Straße 14, lädt das Mehrgenerationenhaus in Kooperation mit dem Migrationsdienst der Caritas herzlich ein.

Der Blick geht zurück in die von Nationalismus, Militarismus und Gehorsam gegenüber der Staatsmacht geprägten wilhelminische Zeit, die als eine Epoche des Kolonialismus auch eine Zeit der Mission war. In den Jahren 1889 – 1914 machte sich der junge Christian Kölle auf den Weg, um an der Goldküste, dem heutigen Ghana, in der „Heidenmission“ zu wirken. Der Autor Hannes Kölle hat seinen Großvater und diese Zeit sichtbar gemacht und beschreibt in seinem Buch, wie europäische, rassistische Vorurteile die traditionelle Kultur und Religion dieser Menschen entwerteten. Hannes Kölle: „Mein Großvater war geprägt von der Einstellung, dass die unzivilisierten Eingeborenen in der Finsternis ihrer Religion lebten.“ Und er sah sich beauftragt, ihnen europäische Zivilisation und die christliche Religion zu bringen. Kritisch wird heute auch von afrikanischer Seite gesehen, dass damals eine sich gegenseitig unterstützende, tauschbasierte Gemeinschaftskultur durch eine auf Gewinn und Geld basierte europäische Wirtschaftsweise ersetzt wurde und Armut in die afrikanischen Länder brachte. Die bis dahin nur für den Eigenbedarf produzierenden Menschen wurden zu Lohnarbeitern gemacht. Für einen Hungerlohn mussten sie Rohstoffe ans Tageslicht befördern oder in Plantagen arbeiten. Drastisch auch die damals in europäischen und damit auch in afrikanischen Schulen durchgeführten drakonischen, öffentlichen Prügelstrafen, Teil einer preußischen Erziehung zur Bildung disziplinierter Arbeiter und folgsamer Untertanen. „In den Missionsschulen gab es eine streng pietistische Erziehung mit Kontrolle und strenger Schulordnung“, so Hannes Kölle, der in Einbeziehung aller historischer Gegebenheiten zu einem differenzierten Urteil kommt: „Ich denke, Großvaters Arbeit hatte zwei Seiten. Er war lange Zeit Schulleiter einer Knabenschule. Missionare schafften es auch, in den Ländern vorhandene Landessprachen zu verschriftlichen und haben eine gewisse Kultur und Bildung ermöglicht.“ Auch für die Missionare und ihre Kinder war es hart, wenn die Kinder z.B. im Alter von 2 bis 5 Jahren von den Eltern getrennt und im Basler Missionskinderhaus zurückgelassen wurden.

Es war der europäische Zeitgeist, dessen Kolonialismus dem afrikanischen Kontinent Rassismus, Leid und viele Tote brachte. Welchen Nutzen aber hat dieses Wissen für uns heute? „Mein Anliegen ist es, den Blick darauf zu lenken, dass es auch heute noch neokoloniale Ausbeutung afrikanischer Ressourcen gibt und Deutschland und Europa eine historische Verantwortung gegenüber Afrika haben“, sagt Hannes Kölle, der das Gefälle vom Norden nach Süden durch eine Beziehung und Kooperation auf Augenhöhe zwischen Norden und Süden ersetzen möchte. Ihm geht es darum, „im Bewusstsein umzudenken und Gleichberechtigung und Akzeptanz zu fördern.“, womit afrikanische Länder auch mehr Möglichkeiten erhielten, selbst Wohlstand zu generieren: „In Ghana wäre es z.B. gut, wenn sie den Kakao dort selbst verarbeiten würden. Das bringt das Geld.“ In diesem Sinne führt der bittere Blick zurück zu einem Blick nach vorn in eine hoffentlich bessere Zukunft.

Der Eintritt ist frei.

Hannes Kölle wird einen Büchertisch mit eigenen Büchern und Büchern zum Hintergrund bereitstellen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Pressemitteilung

Caritasverband

Rhein-Mosel-Ahr e.V.

Der Autor Hannes Kölle, Jahrgang 1951, begibt sich mit der Biografie seines Großvaters auf eine Spurensuche. Foto: Eberhard Müller

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