Schmied Gert Dung erzählte aus dem Villiper Dorfleben als Schmied
Ein Beruf im Wandel der Zeit
Heimatverein hatte ins Pfarrheim eingeladen
Wachtberg-Villip. Den Hufschmied kennen die meisten noch. Was ein Aufhalter war, ist im Durchschnitt der Bevölkerung eher nicht mehr geläufig. Wie sich früher der Beruf des Schmieds gestaltete, wo er überall gebraucht wurde und wie sich der Beruf verändert hat, erzählte der Villiper Schmied Gert Dung vor rund 25 Zuhörern im Erzählcafé in Villip. Der Heimatverein hatte hierzu zum beliebten Erzählcafé ins Pfarrheim eingeladen.
„Was heute alles der Schlosser auf dem Bau und anderswo macht und wo heute die Sanitärinstallateure unterwegs sind, das hat alles früher der Schmied gemacht“, berichtete Gert Dung den Zuhörern. „So war es auch nicht verwunderlich, dass zur Lehrzeit des heute 80-Jährigen allein aus Villip weit über zehn Lehrlinge allein aus dem kleinen Ort in den Beruf eingeführt wurden. Heute sei sein Sohn als Hufschmied einer der Wenigen, die den Beruf überhaupt noch ausüben. Das liege aber nicht daran, dass der Schmied aus der Mode gekommen wäre oder nicht mehr gebraucht würde. Die Aufgabenverteilung habe ich einfach verändert, berichtete der Handwerker. So montierten Schmiede früher Bleirohre für die Wasserleitungen, bearbeiteten am Bau das Metall ebenso wie sie Gitter für Balkonbrüstungen oder Bandeisen an Weinfässern anbrachten. Außerdem brauchte man den Berufsstand natürlich, um die Pferde zu beschlagen. Heute sei das ehemalige Berufsbild aufgeteilt in Hufschmied, Schlosser, Bauschlosser und Sanitärinstallateur.
Selbst im Hufbeschlag habe sich einiges verändert, erklärte Gert Dung. Früher hatte man ein längliches Stück Eisen, das man dem Bedarf des Tieres entsprechend mit Feuer und Amboss in die richtige Form brachte. Heute arbeiten die meisten Schmiede mit Rohlingen, die sie auf den Huf des Tieres anpassen. Er zeigte auch Mini-Hufeisen für Kleinst-Pferde. „So kleine Pferde gab es hier damals noch gar nicht“, sagte er. Stattdessen standen in den Ställen Kaltblüter für die Arbeit.
Ein solcher Kaltblüter von Dungs Vater war es auch, der nach dem Krieg die Glocke der Villiper Pfarrkirche auf einem Wagen vier Stufen zur Kirche hochzog, dort, wo heute das Pfarrhaus steht. Die Glocke hätte im Krieg nämlich eingeschmolzen werden sollen, um Material für Munition zu gewinnen, erfuhr man von Gert Dung. Glücklicherweise kam es nicht mehr dazu und die Villiper bekamen ihre Glocke zurück. In der Schmiede gegenüber der Kirche brachte man die Halterung neu an, ehe sie zur Kirche transportiert wurde. „Die wurde dann mit einer Seilwinde nach oben gezogen“, berichtete Gert Dung.
Was ein Aufhalter ist, erklärte Dung den Zuhörern ebenfalls. Das war vor vielen Jahren derjenige, der das Pferd hielt, damit der Schmied das Hufeisen anbringen konnte. „Das gibt es heute fast gar nicht mehr“, sagte der Schmied.
