Porträt von Walburga Klein, Gründungsmitglied der seit rund 43 Jahren bestehenden Frauengymnastik im SSV Heimerzeim
Ein „Bewegungsmensch“ blickt zurück
Heimerzheim. Vor rund 43 Jahren wurde die heutige Abteilung Fitnessgymnastik als Frauenturngruppe gegründet. Walburga Klein gehört von den drei verbliebenen Gründungsmitgliedern am längsten zum SSV.
Sport und Bewegung gehören für sie seit langen Jahren zum Alltag. „Als ich im Herbst 1969 mit 19 Jahren geheiratet habe, bin ich aus Bad Münstereifel ins kleine Straßfeld gezogen. Mein Schwiegervater war kurz vor der Hochzeit gestorben und ich habe mich um meine Schwiegermutter gekümmert. Sie war schon etwas verwirrt, heute würde man sagen, sie hatte Demenz oder Alzheimer. Aber das kannte man damals noch nicht“, erzählt sie. „Und als junge Frau wusste ich nicht, auf was ich mich da einlasse.“ Eineinhalb Jahre hat sie die Schwiegermutter gepflegt. Aber schon im Sommer 1970 sei ihr klar gewesen: „Ich muss hier mal raus“.
Da kam die Einladung der Nachbarinnen aus Straßfeld gerade recht, doch mittwochs mit nach Heimerzheim zu fahren, da gehe man zum Frauenturnen. „Ich bin einfach ein Bewegungsmensch, das passte also prima. Wir waren fünf Frauen aus Straßfeld und hatten Fahrgemeinschaften gebildet, das hielt einen auch bei der Stange, wenn man mal keine Lust hatte oder es im Winter kalt und dunkel war. Aber die anderen warteten und wenn man dann beim Turnen war, tat es einfach nur gut“, so Walburga Klein.
Frauengymnastikgruppe des SSV 1974 gegründet
Schon damals trat sie in den SSV Heimerzheim ein. Geturnt wurde in der alten Schützenhalle in Heimerzheim.
„Die heutige Frauengymnastikgruppe ist dann aber erst 1974 gegründet worden, quasi gleichzeitig mit dem Umzug in die kleine Turnhalle der Schule“, erinnert sie sich. Walburga Klein ist eine der drei aus dieser Zeit noch verbliebenen Gründungsmitglieder, die noch aktiv sind, wobei sie die längste Vereinszugehörigkeit aufweist.
Trainerin war damals Cilli Schulz, „Die Frauen hatten sich ihre Geräte damals einfach selbst gebastelt. Alte Plastik-Essigflaschen wurden zum Beispiel mit Sand gefüllt und selbst zum Training mitgebracht – es gab keine Möglichkeit, sie in der Halle aufzubewahren. Richtige Fitnessgeräte haben wir erst viel später gekauft oder bekommen.“ Zwischenzeitlich gab es auch mal Wassergymnastik im häuslichen Schwimmbad der Familie Schulz.
Auf Cilli Schulz folgten Gabi Schulz und Uli Propson als Trainerinnen – „sie ist leider mit ihrem Mann dann ins Allgäu gezogen“. Jetzt trainiert Mechthild Kretschmann-Leffler seit rund fünf Jahren die Gruppe. „Anfangs haben wir so für uns geübt. Cillis Nachfolgerinnen haben dann aber alle Kurse besucht, das Training ist immer professioneller geworden. Gerade Mechthild macht das super und holt sich immer wieder neue Anregungen. Das hat uns auch alle über die Jahre bei der Stange gehalten, dass es immer wieder Neues zu lernen und zu entdecken gab“, erklärt sie einen Grund, warum die Gruppe seit vielen Jahren so viel Zulauf hat.
Die Gruppe hat in der Regel 31 Mitglieder, 23 bis 25 sind bei den Trainingsabenden mittwochs von 19 bis 20 Uhr da. „Wir hatten immer eine Warteliste, auf der fünf, sechs Namen von Interessentinnen standen, die meistens von Frauen aus der Gruppe geworben worden waren. In diesem Jahr sind mehrere Frauen ausgeschieden und neue Mitglieder konnten entsprechend nachrücken. Es sind also wieder Warteplätze frei“, berichtet sie. „Das ist eine total gute Gemeinschaft, es lohnt sich, auf die Warteliste zu gehen.“
Ein zweiter Grund ist das Gemeinschaftsgefühl, auch wenn es früher mehr gemeinsame Aktivitäten gab. „In den Anfangsjahren haben wir einmal im Jahr ein Fest mit den Männern in Straßfeld beim Dorfhaus gemacht, es gab Rievkooche und jeder brachte etwas mit. Das war immer schön. Die jüngeren Frauen wollten das später nicht wieder aufleben lassen. Aber zur Weihnachtsfeier sind immer alle da. Beim Wandertag und der Fahrradtour sind es leider oft weniger“, sagt Walburga Klein.
Zusammenhalt auch außerhalb des Trainings
Als „Die Trimmis“ waren die Gymnastikfrauen auch im Karneval unterwegs. „Cilli und ihr Mann Jürgen Schulz waren einmal Prinzenpaar, da waren wir natürlich auch dabei. Wir haben viele Jahre lang Tänze einstudiert und uns Kostüme genäht. Dann sind wir geschlossen zu den Sitzungen – nachdem wir vorher lange und im Schichtsystem für die Karten angestanden hatten. Die waren damals heiß begehrt“, erinnert sie sich. Organisiert hat sich die Gymnastikgruppe immer selbst, auch Walburga Klein hat ihr zusammen mit ihrer Freundin Renate Mießeler zwei Mal vorgestanden. Walburga Klein ist ein sehr aktiver Mensch, viele Jahre war sie mit ihrem Mann auch Mitglied im Musikverein in Straßfeld. Seit acht Jahren betreut sie ehrenamtlich zwei Mal in der Woche Kinder bei der Caritas in Euskirchen, mittwochs hilft sie seit zwei Jahren bei der Kinderbetreuung der Flüchtlingshilfe in der evangelischen Kirche in Heimerzheim. „Ich wollte immer Kindergärtnerin werden. Doch meine Mutter war mit fünf Kindern nach dem frühen Tod des Vaters allein, da musste ich früh von der Schule. Mutter hat mir eine Lehrstelle als Friseuse organisiert, damals wurde ja nicht gefragt, ob ich das wollte. Jeder musste zum Familienunterhalt beitragen. Ich habe geweint, aber mich gefügt. Da ich beliebt war, habe ich im Salon ganz gut verdient – und musste entsprechend zuhause davon abgeben. Aber nach meiner frühen Heirat und dem Tod der Schwiegermutter wollte ich nicht in den ungeliebten Beruf zurück. Ich habe dann unter anderem in der Bäckerei meiner Schwester gearbeitet und mich um meine Patenkinder und die Kinder meiner Geschwister gekümmert, da wir leider keine eigenen Kinder hatten. Und durch die ehrenamtliche Arbeit habe ich jetzt doch noch meinen eigentlichen Berufswunsch ein bisschen erfüllen können“, erzählt sie aus ihrem Leben. „Ich werde soweit möglich auch weiterhin Sport machen“ Der Sport hat sie ihr ganzes Leben begleitet und ist ihr unverändert wichtig. „Ich bin immer viel Fahrrad gefahren, jetzt habe ich so ein E-Bike. Vor zehn Jahren habe ich mit Yoga angefangen. Eigentlich dachte ich, für einen Hibbel wie mich wäre das nichts, aber ich war schnell begeistert. Leider muss ich zum Ende des Jahres in der Abteilung Fitnessgymnastik – wie sich die Gruppe inzwischen nennt - aufhören, die Arthrose in den Händen macht mir zu sehr zu schaffen. Aber ich könnte mir vorstellen, stattdessen auch im Wasser etwas zu machen“, erzählt sie. Die Termine für die Aquajogging-Stunden des SSV hat sie daher bereits notiert – denn ein Leben ohne Bewegung kann sie sich einfach nicht vorstellen.
