Allgemeine Berichte | 16.02.2021, 09:58 Uhr

Parents for Future verurteilen unbedachte Fällungen in Berkum

Ein Fahrradweg rechtfertigt keinen Kahlschlag

Auch wenn Fahrradwege neu angelegt werden rechtfertigt es nicht, begleitend einen derartig rigorosen Kahlschlag durchzuführen, meinen die Parents for Future Wachtberg. Foto: privat
295

Wachtberg. Umfangreiche Fällungen auf dem Gebiet der Gemeinde Wachtberg entlang von Verkehrswegen und parallel des geplanten Fahrradweges an der L 123 in Wachtberg-Berkum sind auf heftige Kritik der Wachtberger Parents for Future gestoßen. Zahlreiche Pappeln wurden dort in den letzten Tagen gefällt, dabei auch „reihenweise kerngesunde Bäume weit ab von der Verkehrsfläche“. Nach Auskunft der Gemeinde soll es sich hier und an anderen Stellen in der Gemeinde um verkehrssichernde Maßnahmen handeln, da Bäume an der Strecke krank seien und gefällt werden müssten. Dass auch sämtliche kerngesunden Pappeln gefällt wurden, irritiert die Bürgerinnen und Bürger.

Man habe zwar Verständnis dafür, so die Parents for Future in einer Pressemitteilung, dass morsche, den Verkehr möglicherweise gefährdende Bäume gekappt werden müssten, aber man hätte sie gleichwohl für Höhlenbrüter, wie Eulen, belassen sollen, indem man sie halbhoch stehen gelassen hätte. Begleitend dazu hätte man vernetzte Unterholzinseln an dem Grundstück hinter dem Gut Holzem belassen müssen, wenn man dem Naturschutzgedanken den dringend erforderlichen Raum hätte geben wollen. Totholzstämme bieten bekanntermaßen auch hervorragende Brutmöglichkeiten für Vögel, wie alle Spechtarten. Das Unterholz stellt einen symbiotischen, idealen Lebensraum für Igel, Blindschleichen, Insekten und weitere Tiere dar.

Man habe zwar Verständnis für die Anlage eines Fahrradweges, könne aber das „tabula rasa“ Prinzip der Entscheidungsträger nicht nachvollziehen. Behutsamer Umgang mit der Natur bedeute nicht, erst einmal alles „platt zu machen“ und den Bäumen die Schuld zu geben, wenn sie durch jahrzehntelange Vernachlässigung ihrer fachgemäßen Durchforstung und durch fehlende Baumpflege in diesen Zustand hinein manövriert wurden.

Man bedauere, dass man mit dieser Maßnahme - aus welchen Interessen auch immer - „weit über das Ziel“ hinausgeschossen sei. Man halte die Ausführungen auf der Gemeindehomepage weitgehend für „gezielten Zweckpessimismus“, um Gedanken der Bevölkerung hinsichtlich ökologischer Verantwortung „gleich den Riegel vorschieben zu können“, so die Auffassung der Parents. Mit der „Kostenkeule“ versuche man dort begleitend, alle ökologischen Kompromisse von Anfang an zu zerschlagen, anstatt sich planerische Gedanken zu machen, wie ein Fahrradweg auch ohne das nahezu komplette Roden sämtlichen Bewuchses hätte umsetzbar sein können.

Auch der BUND hat sich in einer Pressemitteilung sehr kritisch geäußert: „Die Rigorosität mit der die Fällungen nun durchgeführt wurde, ist überzogen und entspricht nicht der Vorgehensweise, die mit dem Naturschutzbeirat beim Ortstermin am 26.11.2020 abgestimmt worden war.“ Weiter heißt es dort „Die erkennbare Anzahl hohler Pappeln (nicht unbedingt ein Zeichen für fehlende Standsicherheit (!)) und die vor Ort nachgewiesenen Fledermäuse machen deutlich, dass hier der Artenschutz nicht ausreichend beachtet worden ist. Alle Bäume sind beseitigt worden, Ersatzquartiere für die Tiere noch nicht bekannt und keinesfalls bereits bezogen. Wie sollen überwinternde Fledermäuse bei Dauerfrost in gefällten Bäumen geborgen und gerettet werden?

Eine selektive Entnahme und die Erhaltung ganzer Baumgruppen und von Hochstubben (halbhohe Stämme aus Totholz) wäre umzusetzen gewesen.“

Auch der NABU hält die Fällung für einen Verlust für Höhlenbrüter und weist darauf hin dass es 30 Jahre dauern würde, bis die dann bestehende Vegetation für diese Tiere interessant sein würden.

Die Parents befürchten den Rückfall in das ihrer Meinung nach alte Planungsmuster, dass erst gehandelt und dann gedacht wird. Sie schlagen zukunftsweisend erneut vor, dass der neu anzulegende Fahrradweg am Gut Holzem feldseitig ergänzend mit Heckenstreifen aus heimischen Hölzern und ergänzend mit einem Blühstreifen versehen wird. Das ist zwar kein vollständiger Ausgleich zu dem „rigiden und völlig unverständlichen Fällen auch von gesundem Baumbestand“, kann aber langsam und auf Dauer den durch die Fällungen entstanden ökologischen Schaden für die Natur zu heilen beginnen“, so die Parents, die hoffen, dass ihre Vorschläge auch umgesetzt werden.

In diesem Zusammenhang befürchten die Parents, dass es bei neu angelegten Fahrradwegen, wie der geplanten Streckenverbindung zwischen Gimmersdorf und Villip, zu massiven Eingriffen in die Natur kommen könnte. Man plädiere mit „naturverantwortlichen, behutsamen Planungsschritten ein ähnliches Abholzen wie an der L 123 zu vermeiden“.

„Ersatzpflanzungen, wie sie entschuldigend von der Gemeinde immer wieder ins Gespräch gebracht werden, sind kein Argument, gesunde Bäume ohne Grund und ohne Not absägen zu lassen“, heißt es in der Pressemitteilung, mit der die Parents auf mehr ökologische Verantwortung in der Gemeindeverwaltung und in den koalierenden Ratsfraktionen hoffen, denen sie „einen ziemlichen ökologischen Nachholbedarf“ attestieren.

Pressemitteilung

Parents for Future, Wachtberg

Auch wenn Fahrradwege neu angelegt werden rechtfertigt es nicht, begleitend einen derartig rigorosen Kahlschlag durchzuführen, meinen die Parents for Future Wachtberg. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Autor Hans-Georg Klein (vorne, Dritter von links) mit Ehrengästen bei der Vorstellung seines neusten Buchs zur Geschichte von Ahrweiler. Fotos: DU
13

Ahrweiler. Dass eine Stadt wie Ahrweiler, deren erste urkundliche Erwähnung mittlerweile 1.133 Jahre zurückliegt und die überaus reich an Traditionen und Brauchtum ist, ganz viel Geschichte und noch mehr Geschichten hat, ergibt sich allein schon aus eben jenen Tatsachen. Und wenn hier von „viel“ und „noch mehr“ die Rede ist, dann ist das durchaus wörtlich zu nehmen, reicht doch das historische Ahrweiler-Spektrum...

Weiterlesen

Geliebt und unvergessen!
635

Region. Ein Kind zu verlieren ist für Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde ein einschneidendes Erlebnis, welches das ganze Leben verändert. Am 2. Sonntag im Dezember, dem 13. Dezember 2026, gedenken die Menschen weltweit der verstorbenen Kinder. Seit 1996 tun dies verwaiste Eltern und Geschwister zusammen mit ihren Angehörigen, indem sie um 19.00 Uhr brennende Kerzen in die Fenster stellen....

Weiterlesen

Die Übung der beiden Teileinheiten Nord und Süd des Warnzuges stärken den Bevölkerungsschutz im Westerwaldkreis.
47

Der Westerwaldkreis hat in Zusammenarbeit mit seinen zehn Verbandsgemeinden einen Warnzug ins Leben gerufen, um im Gefahrenfall eine schnelle und zuverlässige Warnung der Bevölkerung zu gewährleisten. Unter der Leitung von Zugführerin Lisanne Wüst und Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Tobias Haubrich fand in Selters die erste Übung des Warnzuges statt. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Innovatives aus Andernach
Stellenanzeige Gärtner
First Friday Anzeige für November
Bratapfelsonntag
Brunch-Anzeige
Titelanzeige Remagen
Weitere Artikel
Weihnachtsstimmung beim VHB (mit KI erstellt)
970

Neuwied-Heddesdorf. Eine Feuerschale, warme Lichter, der Duft von Glühwein und frisch gebackenen Reibekuchen – manchmal braucht es gar nicht viel, um für ein paar Stunden den Alltag hinter sich zu lassen und gemeinsam die Adventszeit zu genießen.

Von DRP Events & More Claudia Wischmann aus Neuwied

Weiterlesen

Die „NWV-Wandervögel“ im Innenhof der Abtei Rommersdorf
292

Neuwied. Die Stammtischmitglieder des Neuwieder Wassersportverein (NWV), die sich regelmäßig in ihrer Bootshausgaststätte zum Austausch treffen, hat es kürzlich in die Natur gezogen. Am Reformationstag wurde eine Wanderung im Heimbach-Weiser-Gladbacher Wald unternommen.

Von Reiner Bermel aus Neuwied

Weiterlesen