Allgemeine Berichte | 11.07.2018

Rheinbacher Schüler der Glasfachschule auf Studienfahrt in Straßburg

Ein Gespräch mit Arndt Kohn

Von politischem Desinteresse war beim Besuch in Straßbourg keine Spur - die Schülerinnen und Schüler stellten zahlreiche Fragen. Markus Schnorrenberg

Rheinbach. Wird das Bargeld in Deutschland bald abgeschafft? Sollten sich Politiker nicht klarer positionieren? Wie sollte sich Europa im Handelsstreit mit den USA verhalten? Bei ihrem Besuch im Straßburger EU-Parlament konfrontierten Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Glasfachschule Rheinbach den Europaabgeordneten Arndt Kohn mit unterschiedlichsten Themen – von politischem Desinteresse keine Spur. Das Gespräch mit dem SPD-Abgeordneten und der Besuch einer Plenarsitzung des EU-Parlaments waren der Kern einer dreitägigen Studienfahrt der vierzig Schülerinnen und Schüler nach Straßburg. So bunt wie die Zusammensetzung des EU-Parlaments war auch die Zusammensetzung der Schülergruppe: Auszubildende aus der Glas- und der Keramikindustrie waren ebenso Teil der Gruppe wie Jugendliche, die Gestaltungstechnische Assistenten werden und dabei gleichzeitig die Fachhochschulreife oder das Abitur erwerben. Andere wiederum zielen allein auf den Erwerb der Fachhochschulreife und orientieren sich in Gestaltungsberufen. Das Rheinbacher Berufskolleg hat dabei einen großen Einzugsbereich: Die Schülerinnen und Schüler kommen aus ganz Deutschland. So diente die Bildungsreise auch dem Zusammenwachsen der Schülerschaft der Glasfachschule, die seit einigen Jahren aufgrund ihrer zahlreichen internationalen Aktivitäten das Siegel „Europaschule“ trägt. Arndt Kohn machte es sich mit den Antworten auf die Fragen der Schülerinnen und Schüler nicht einfach. Ob nicht EU-Politiker häufiger mal klare Kante zeigen sollten, fragte ihn ein Schüler – „Schließlich kommt Donald Trump auch deshalb so gut bei den Amerikanern an, weil sie denken: Jetzt passiert endlich mal was“, so der junge Erwachsene. „Ich denke, wir machen uns vielleicht ein paar Gedanken mehr als Trump“, so Kohn. Deshalb seien aber auch die Antworten manchmal nicht so einfach. Am Tag des Besuchs stimmte das EU-Parlament über ein Thema ab, das die medienaffinen Rheinbacher Schülerinnen und Schüler umtreibt: Upload-Filter, die beim Hochladen von Mediendateien auf Plattformen wie Youtube überprüfen, ob Urheberrechte verletzt werden. Die Rheinbacher Auszubildenden, die ihre Filme weiterhin frei veröffentlichen können wollen, später aber auch einmal von ihren Filmen leben können müssen, diskutierten Vor- und Nachteile dieser Filter. Der Gesetzentwurf wurde von den EU-Parlamentariern übrigens abgelehnt. Dass man differenzieren muss und aus der Geschichte lernen kann, wurde den Rheinbacher Schülerinnen und Schülern auch bei den anderen Programmpunkten der Studienfahrt, die von Mitarbeitern von Arndt Kohn und dem Bildungswerk Stenden organisiert und begleitet wurde, deutlich. Auf Schloss Hambach in der Pfalz informierten sie sich über das Hambacher Fest im Jahr 1832, der ersten deutschen Großdemonstration für Freiheit, Gleichheit und Demokratie. Die bewegte Geschichte Straßburgs brachte den Schülerinnen und Schülern eine Elsässerin während einer Stadtführung anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie näher, in der im Ersten Weltkrieg Brüder gegeneinander kämpfen mussten – der eine auf der Seite Deutschlands, der andere auf der Seite Frankreichs. Welche Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich auch danach noch herrschte, wurde den Schülerinnen und Schülern beim Besuch der Maginot-Linie, einer französischen Militäranlage für den Zweiten Weltkrieg, deutlich. „Da drin wird einem nicht nur von außen kalt“, sagte eine Teilnehmerin nach der sehr eindrücklichen Schilderung des Lebens eines Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Hier kamen den Rheinbacher Glasfachschülern auch die Worte ihrer Straßburger Stadtführerin wieder in den Sinn: „Das Problem des Friedens liegt jetzt in Ihren Händen. Sie sind die junge Generation, die jetzt dran ist!“

Von politischem Desinteresse war beim Besuch in Straßbourg keine Spur - die Schülerinnen und Schüler stellten zahlreiche Fragen. Foto: Markus Schnorrenberg

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