Country- und Western war das Thema bei der Niederhofener Kirmes
Ein Hauch von Freiheit und Abenteuer
Niederhofen. Ein Hauch von Freiheit und Abenteuer wehte durch das Tal zwischen Raubach und Urbach, wo sich genau in der Mitte das Dorf Niederhofen in die Hänge links und rechts des Urbach-Kirchdorfer-Bachs schmiegt. Hier hatten sich im Dorfgemeinschaftshaus Männer und Frauen in lässigen Jeans und unter breitkrempigen Sonnenhüten versammelt. Nein, ein weiteres Westerntreffen fand hier nicht statt, sondern die jährliche Kirmes, diesmal allerdings unter dem Motto des wilden Lebens in der Prärie.
Seit 2017 ist Sebastian Müller Vorsitzender des Sport- und Geselligkeitsvereins Niederhofen. Auch er tritt dem Besucher mit schwarzem Cowboyhut und dunklem Jeanshemd entgegen. Er sagt: „Es ist mein erstes Jahr als Vorsitzender. Bis dato war das mein Cousin Björn Müller, der ist jetzt zweiter Vorsitzender. Wir haben auf der Kirmes jedes Jahr ein besonderes Motto. Dieses Jahr ist die Wahl auf Western gefallen, weil es einfach mal etwas Ausgefalleneres ist. Voriges Jahr das Thema Oktoberfest war zwar wunderschön, aber das hat ja mittlerweile jeder. Das Thema Western war ganz gut umzusetzen und die Besucherzahlen heute Abend sind sehr zufriedenstellend. Es sieht auch sehr gut aus. Wir hatten Glück, dass wir noch die kleinen Strohballen bekommen haben, die macht nämlich kaum noch einer. Die hat uns Jan Reifenberg aus Gehlert gegeben. Die Kakteen haben wir selbst ausgeschnitten und die Mädchen haben die angemalt. Auch das war kostengünstig und sieht top aus. Die Beleuchtung haben wir vom Wirt des Weiherstübchens in Urbach bekommen. Das Gesamtkonzept passt einfach. Wir haben viel Wert auf die Farben gelegt, dass ein Western- und Country-Stil zu erkennen ist. Dazu gehören natürlich auch die Stars and Stripes, aber auch ein bisschen bäuerlich-rustikales Grün. Die Hachenburger Brauerei hat uns hinsichtlich der Werbung noch unterstützt. Das alles hat dazu geführt, dass wir heute Abend ein paar mehr Leute hier haben.“
Moderne Art der Kirmes
Im Western-Ambiente saßen auch etliche ältere Mitbürger aus Niederhofen in geselliger Runde am Tisch. Gefragt, wie sie die moderner Art Kirmes zu feiern finden, antworten sie einstimmig: „Wir finden das toll, ist doch mal was anderes!“ So hat es auch Sebastian Müller erlebt: „Die Senioren sind eigentlich relativ erfreut darüber, dass wir jedes Jahr ein neues Motto haben. Die freuen sich sehr darüber. Okay, man muss sie ein bisschen überreden zu kommen. Erst sagen sie, sie könnten nicht kommen, weil sie zu alt sind. Aber am Ende gehen sie alle glücklich hier raus. Eigentlich wollten wir ja gar keine Sitzgelegenheiten hier im Dorfgemeinschaftshaus anbieten, weil die meisten ja doch junge Leute sind. Aber für die Älteren haben wir es dann doch getan. Wir wollen die mitziehen, die gehören dazu und waren schon immer dabei. Man muss denen die Möglichkeit geben, anständig auf die Kirmes zu gehen. Das funktioniert auch seit Jahren.“
Zu den Veränderungen, die der Sport- und Geselligkeitsverein der Kirmes verordnet hat, gehört auch der Verzicht auf den Kirmesmontag. Der Sonntag bleibt der traditionelle Familientag. Auch dabei spielt das Thema Western diesmal eine Rolle. Der Sonntag startet mit einem Frühschoppen und Freibier. Im dann mit der vollen Größe genutzten Gemeinschaftshaus findet das gemeinsame Mittagessen statt. Es gibt eine selbst gekochte Suppe und anschließend Aschenbraten mit Kartoffeln, nachmittags Kaffee und Kuchen. Auf die Kinderbelustigung wird natürlich nicht verzichtet. Sogar ein paar Aussteller haben sich für die Niederhofener Kirmes interessiert und vor dem Gemeinschaftshaus ihre Wagen aufgebaut, eine Schieß- und eine Wurfpfeilbude. Passt ja auch zum Westernmotto! Sebastian Müller räumt ein: „Wir hatten erst Angst, dass die Schausteller enttäuscht sein könnten, weil hier ja nicht so die Menschenmassen auf die Kirmes gehen. Aber die haben uns gesagt, dass sie auch gerne auf die kleineren Kirmesveranstaltungen fahren, weil es ihnen hier so gut gefällt und man mehr den Zusammenhalt in der Bevölkerung spürt, weil es einfach schöner ist.“ Ob es dann regnet oder die Sonne scheint, hält der Vorsitzende des Sport- und Geselligkeitsvereins nicht für so entscheidend: „Die Niederhofener sind relativ wetterfest. Wenn es regnet, wird die Hüpfburg vielleicht nicht so genutzt. Wir haben aber auch schon viele Flächen überdacht, wo man sich auch bei Regen gut aufhalten kann. Wir legen großen Wert darauf, dass sich unsere Gäste sehr wohl fühlen. Wir fühlen uns verbunden mit unseren Gästen. Man kennt hier wirklich jeden.“
„Haben viele Feste im Dorf“
Der Sport- und Geselligkeitsverein Niederhofen hat 60 Mitglieder. Seine Mitglieder richten nicht nur die jährliche Kirmes aus, sondern auch so gut wie alle anderen öffentlichen Veranstaltungen in Niederhofen. Sebastian Müller: „Wir haben viele Feste im Dorf. Als nächstes steht der Sankt-Martins-Umzug an, der von uns ausgerichtet wird. Als Veranstaltungsort wechseln wir immer zwischen Dorfgemeinschaftshaus und Grillhütte, das sind unsere beiden Hotspots. Die Grillhütte ist für die Kinder sehr schön, es liegt nah am Wald, man hat einen tollen Überblick über das Dorf und man sieht die Schlangen ziehen mit den Lichtern und Laternen. Nur leider kommen die älteren Mitbürger zur Grillhütte nicht so gut hin. Dann kommt die Adventszeit mit einem Lichteranzünden an den Adventssonntagen am Adventskranz hier am Gemeinschaftshaus. An einem Adventssonntag kommt der Nikolaus zu den Kindern. Nächstes Jahr an Karneval machen wir wieder unser Heringsessen. Das hat dieses Jahr sehr gut funktioniert. Wir sind nicht darauf aus, eine riesen Karnevalssause zu machen, sondern wollen hauptsächlich für die Älteren etwas anbieten. Die sind es ja hauptsächlich, die gerne Pellkartoffeln und Heringsstipp essen. Das ist sehr gut angekommen. Dann kommt unser Highlight das Himmelfahrtsfest. Das ist in Niederhofen das mit Abstand größte Fest. Alles findet open-air vor dem Gemeinschaftshaus statt. Da ist von morgens bis abends immer viel los. Wie wir das genau gestalten, überlegen wir noch. Voriges Jahr hatten wir es am Ende mit einer kleinen Schlagerparty verknüpft. Günstig ist auch, dass der Spielplatz direkt daneben liegt. Eltern können mit ihren Kindern kommen und haben alles im Blick. Der Spielplatz ist komplett neu und bietet viele interessante Spielmöglichkeiten. Außerdem organisieren wir im Sport- und Geselligkeitsverein noch jedes Jahr einen Wandertag mit den Vereinsmitgliedern. Dabei geht es hauptsächlich darum, den Mitgliedern etwas für die im Jahr geleistete Arbeit zurückzugeben.“ Das haben sie sich nach so vielen Veranstaltungen dann auch redlich verdient.
Die älteren Bürger in Niederhofen freuen sich über die immer abwechslungsreiche Gestaltung der Dorfkirmes. Auch zur Kirmes mit dem Motto „Cowboy und Western“ kamen sie gerne. Fotos: KER
Der Vorstand des Sport- und Geselligkeitsvereins um seinen Vorsitzenden Sebastian Müller (2. v.r.) legt sich jedes Jahr ordentlich ins Zeug, um seinen Gästen eine schöne Feier zu bereiten. Sie sagen: „Wir legen großen Wert darauf, dass sich unsere Gäste wohl fühlen!“
