Zehnthaus-Kolumne (65)
Ein Haus geht auf Reisen - eine Dorfgeschichte (1)
Ein Interview mit Frau Käthe Kerner - geführt von Klaus Peter Scholz
Es war einmal ein Haus in Odendorf, das sich auf eine Wanderung begab ... So könnte die Erzählung anfangen.
Ja, aber anders als im Märchen gab es dieses Haus wirklich! Und es existiert immer noch.
Über meine Familie
Geboren wurde ich in Lübeck. Mein Vater war Elektroinstallateur und arbeitete damals bei der Firma Dornier in Lübeck. Diese norddeutsche Episode währte nur kurz. Ich war ein Jahr alt, als meinen Eltern nach Odendorf zurückkehrten, wir zogen in das Haus meiner Großeltern Wilhelm und Elisabeth Kümpel, In der Freiheit 5.
Mein Großvater war Landwirt. Neben dem Haus gab es Stallungen für Kühe, Schweine und das Federvieh. Über der Haustür stand die Inschrift ANNO 1686 28. May C N W P V XOR. Es war das älteste Haus in Odendorf. Hier bin ich aufgewachsen. Der Maler R. Arzdorf hat das Haus gezeichnet. Das Bild bekam ich zu meinem 60. Geburtstag geschenkt. Es ist noch heute im Besitze meiner Familie.
Was kann man zur Ortslage sagen?
Der Weg führte vom Orbach aus in einer leichten Steigung durch kräftigen Baumbestand nach oben zum Haus in Hanglage. Durch ein Tor gelangte man in den Innenhof zum Hauseingang. Hinter dem Haus war ein riesiger Garten für die Selbstversorgung. Danach war freie Sicht auf die Eifel, es war landwirtschaftlich genutztes Gelände. Die Felder gehörten meinem Großvater Wilhelm Kümpel, die Grundstücke wurden nach und nach verkauft. Heute ist alles bebaut bis zur Steinbachstraße.
Wie muss man sich die Hausaufteilung und das Familienleben vorstellen?
Auf dem Dachboden des Hauses wurde das Getreide gelagert. Das „Plumbsklo“ befand sich draußen beim Stall in der Nähe des Misthaufens. Das Wohnzimmer war eine Art Heiligtum, lediglich zu den großen Kirchen- und Familienfesten war die Familie dort versammelt. In diesem Raum gab es in der Mitte eine Luke die zum kleinen Keller führte. Bei der Kartoffelernte wurde diese geöffnet und der Erntesegen in den darunter liegenden Keller befördert. Danach war Großreinemachen angesagt.
Die große Küche mit dem Herd und Backofen war der zentrale Sammelpunkt der Familien. Hier wurde gekocht, gemeinsam gegessen, Geschichten erzählt, Handarbeiten gemacht und hier hielt ich mich auch mit meiner Tochter auf. Zur Ausstattung gehörte eine große Holzmulde für die Zubereitung der verschiedenen Teigwaren. Gebacken wurde in Steintöpfen. In einer Zentrifuge wurde die Milch zu Butter geschlagen. Das Getreide wurde in Kuchenheim gemahlen, von dort kam das Mehl zurück. Neben der Küche und der Räucherkammer hatte das Haus noch vier Schlafzimmer. Insgesamt lebten im Haus zeitweise elf Personen.
Teil 2 folgt
www.verein-zehnthaus.de
Kerner Haus gemalt von R. Arzdorf.
Kerner Haus Aufgang. Foto: K. Kerner
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