Allgemeine Berichte | 19.08.2016

Das Tierheim informiert

Ein Haustier! Aber bitte eine edle Rasse und billig!

Tierheim und Tierschutzverein Kreis Ahrweiler informiert über Wühltischwelpen

Odin vor und nach seiner Operation. Privat

Kreis Ahrweiler. Jeder hat schon einmal einen Spielfilm gesehen, in dem ein bestimmter Rassehund (seltener Katze) die Hauptrolle spielt. Nicht selten beginnt damit großes Leid für viele Tiere - und damit ist nicht vom schauspielernden Tier die Rede. Häufig setzt dann eine große Nachfrage nach dieser Rasse ein - und kriminelle Vermehrer setzen ihre Geschäftsidee in Gang, um möglichst viel Profit zu machen. Dies könnten sie nicht tun, wenn es nicht ebenso verantwortungslose Abnehmer gäbe, die sich ihren Wunsch nach einem Rassetier günstig erfüllen möchten und nicht darüber nachdenken, dass sie am langen Ende einen hohen Preis dafür bezahlen. „Mir passiert so etwas nicht“ mögen viele denken - und in einigen seltenen Ausnahmen mag es auch zutreffen, wenn ein „Billig-Welpe“ den Besitzer wechselt. In der Regel sind alle „Wühltisch-Welpen“ krank, deformiert oder von Parasiten befallen. Hat der stolze neue „Billig-Welpen“-Halter auch darüber nachgedacht, dass die Mutter seines kleinen neuen Familienmitglieds in einer Kellerecke oder einem Käfig dahin vegetiert, nur das Nötigste an Nahrung erhält, medizinisch nicht betreut wird und nur dazu da ist, einen Welpen nach dem anderen zu werfen, bis der qualvolle Tod sie gnädig ereilt? Hat der Schnäppchenjäger bedacht, dass der unter diesen Umständen geborene und nicht umsorgte Welpe unter lebenslangen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden kann und somit eine teure medizinische Versorgung benötigt? Wie oft kommt es vor, dass diese armen Wesen dann ausgesetzt oder gar getötet werden, weil sie den Ansprüchen der Schnäppchenjäger nicht genügen (können) und „zu teuer“ geworden sind?

Das Schicksal von Bulldogge Odin

Odin, eine französische Bulldogge aus Bad Breisig, kann davon berichten. Odin ist keine Geschichte, Odin hat eine Geschichte. Geboren im Dezember 2014 von seiner Mutter in einem dreckigen Käfig irgendwo in Osteuropa, dazu bestimmt, ein Wühltisch-Welpe zu werden. Odin wusste nicht, dass er ein deformiertes Auge hatte, nur, dass es schmerzte. Anstelle gleich getötet zu werden, wurde er seiner Mutter genommen und in ein Tierheim gegeben - eine glückliche Ausnahme von seltenem Wert. Sein Auge wurde entfernt, und er wurde versorgt.

Eine deutsche Tierschutzorganisation nahm sich Odins an und vermittelte ihn an ein liebevolles Zuhause in Bad Breisig. Odin kann nicht berichten von seinen Schmerzen, seiner großen Angst, die ihn als Baby begleitete, als er von Hand zu Hand ging. Er kann nicht erzählen, wie sehr er seine kranke, halb tote Mama vermisste und wie es ihr ging. Odin hatte großes Glück, denn er ist ein geliebtes und umsorgtes Familienmitglied geworden. Odin steht stellvertretend für ungezählte „Billig-Welpen“ und ihrem Ursprung aus purer Tierquälerei sowie einem von Elend und Krankheit geprägtem Leben.

Nicht für den billigsten Preis kaufen

Auch in Deutschland fristen in Tierheimen mittlerweile viele Rassehunde und -katzen ihr Dasein. Tiere wie Odin, die entronnen sind, aber auch Vierbeiner, die von seriösen Züchtern stammen, gesund sind, aber Pech hatten in ihrer Familie. Die vermeintlich hohen Preise der seriösen Züchter sind kein Profitstreben. Sie decken in der Regel die Kosten für ein tiergerechtes Wohl der Elterntiere, sorgsam ausgewählte und gesunde Tiere, tierärztliche Versorgung, Ernährung und liebevoller Platz. Ein „Billig-Welpe“, für den 200 oder 300 Euro bezahlt werden, trägt fast immer eine spätere kostenintensive Betreuung im Gepäck, die den „üblichen“ Züchterpreis bei Weitem übersteigt. Zudem trägt ein solcher Welpe stets die grausame, tierverachtende Haltung seiner Eltern mit sich. Auch in Tierheimen wird oft sehr schnell nach dem „Preis“ für ein Tier gefragt. Ist ein Tier, welches Familienmitglied sein soll, in Euro und Cent zu bewerten? Zeigt sich mit einer solchen Frage nicht auch, inwieweit Bereitschaft oder Möglichkeit besteht, das Haustier auch dauerhaft entsprechend zu versorgen und tierärztlich bei Bedarf betreuen zu lassen? Ist dem Fragenden bewusst, wie viel Engagement, Fürsorge und auch Kosten mit der Betreuung eines ungewollten Tieres im Tierheim verbunden sind? Die Haltung eines Haustieres auf seine Lebenszeit ist mit Kosten und Zeit verbunden. Wer sich darauf einlässt, wird unendlich beschenkt. Wer dies möchte, wird nicht wollen, dass Odins Mutter als Schatten einer gequälten Kreatur auf seinem Gewissen liegt. Ein jeder kann dazu beitragen, dass das „Geschäftsmodell“ von Vermehrern und Tierquälern nicht aufgeht. Es werden noch viele Tiere elend sterben müssen, bis dieser Sumpf trocken gelegt wird. Odin wünscht sich im Namen seiner Mitgeschöpfe, dass wir die Schöpfkelle in die Hand nehmen.

Pressemitteilung

Tierheim und Tierschutzverein

Kreis Ahrweiler e.V.

Odin vor und nach seiner Operation.Foto: Privat

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