Evangelische Kirchengemeinde Engers
Ein Jahr „Treff International“
Ehrenamtler unterstützen Flüchtlinge
Engers. Wir schaffen das! Das waren die Worte unserer Kanzlerin, die auch bei uns in Engers auf Zustimmung stießen. Und auch gerade weil das neu errichtete Camp zur Aufnahme der Flüchtlinge in den Einzugsbereich unserer Kirchengemeinde gehört. Im Dezember 2015 trafen sich viele engagierte Menschen im Ev. Gemeindehaus Engers um zu koordinieren, wer bereit ist bei einem geplanten Treff International mitzuwirken, wer welche Aufgaben übernehmen kann, wer welche Fähigkeiten mit einbringen kann. Im Grunde genommen wusste keiner der Anwesenden konkret, wie so ein Treff ablaufen könnte, aber es war eine enorme ehrliche Bereitschaft zu spüren, jene Menschen, die mit ihrer Flucht soviel auf sich genommen und soviel zurück gelassen hatten, zu unterstützen. Direkt im Januar öffnete der Treff seine Türen. Jeweils freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr in unserem Gemeindehaus. Für den Transfer vom Camp nach Engers war von Anfang an gesorgt, neben unserem Gemeindebus besorgten direkt zwei Mitwirkende mit ihren eigenen Kleinbussen den regelmäßigen Fahrdienst. Und dann waren plötzlich 25 fremde junge Männer in unserem Gemeindehaus, ja, es war schon komisch, was machen wir jetzt?
Doch bereits nach kurzer Zeit saßen an verschiedenen Tischen „Fremde“ und Ehrenamtliche und versuchten über vorbereitete Textkopien den Zugang zu unserer Sprache ganz einfach aufzubauen. Wir konnten schon bald feststellen, dass die Geflüchteten darüber erfreut waren, traf es doch genau ihr Bedürfnis, sich hier auf Deutsch zu verständigen und mehr und mehr die für sie doch schwere Sprache zu erlernen. Jetzt besteht dieser Treff bereits ein ganzes Jahr. Es sind in dieser Zeit Kontakte entstanden, manchmal über den Treff hinaus. Wir versuchen die Geflüchteten bei Behördengängen, Arztbesuchen und bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Bei mancher Wohnungseinrichtung standen wir mit Organisieren von entsprechenden Möbeln bis zur Logistik den Menschen zur Seite. Wie erwähnt, haben mittlerweile einige eine eigene Wohnung, besuchen den regulären Deutschunterricht des Jobcenters oder gehen sogar einer Arbeit nach. Zu Ende des Fastenmonats Ramadan feierten wir im Kirchgarten zusammen, auch mit dem Paralleltreff der Katholischen Gemeinde Engers, ein Fest. Internationales Essen, fröhliche Stimmung, und als dann noch gemeinsam musiziert und gesungen wurde löste sich die letzte Verkrampftheit.
Fahrradwerkstatt sorgt für Mobilität
Viele der im Camp untergebrachten Menschen müssen regelmäßig in die Stadt Neuwied, etwa zum Unterricht oder um Formalien zu erledigen. Vom Camp zu Fuß in die „City“ ein doch weiter Weg. Auch dabei konnten wir helfen, in unserem Gemeindehaus entstand kurzerhand eine Fahrradwerkstatt. Viele gespendete Altfahrräder wurden auf Verkehrsicherheit überprüft, repariert und an die Menschen weitergegeben.
Das offizielle Gemeindefest 2016 stand ganz unter dem Zeichen der Hilfe für die Geflüchteten und einige von ihnen waren aktiv dabei. Jetzt nach einem Jahr verläuft der regelmäßige Treff freundschaftlich, man kennt sich mit Namen, man kennt meist die Geschichte, die hinter dem Mensch steht. Und die Tatsache, dass immer noch um die zwanzig Menschen aus Syrien, Afghanistan, Ägypten, Iran regelmäßig zu uns kommen, spricht für die Qualität dieses Angebots. Auch die Ehrenämtler stehen mittlerweile in ganz anderer Beziehung zueinander, zwar kannte man sich vorher schon irgendwie, aber durch diesen direkten Kontakt zu den Geflüchteten hat der Kontakt untereinander eine ganz andere Qualität bekommen.
Es ist auch erstaunlich, das dort Menschen aller Altersgruppen (vom Konfirmandenalter bis zum über 80-jährigen) sich zwar unterschiedlich einbringen, aber die gemeinsame Aufgabe nicht aus den Augen verlieren. In Neuwied bestehen etliche dieser Treffs, ob sie sich Cafe ASYL oder Treff International nennen, ob sie von Kirchen oder von politischen Verbänden initiiert sind. Viele stehen zueinander in Verbindung oder man ergänzt sich. Allen ist die gleiche Zielsetzung anzumerken, in Deutschland und insbesondere in Neuwied, eine Willkommenskultur zu festigen und zu leben. Und vor allem in dem Geflüchteten den Mensch zu erkennen, der die gleichen Bedürfnisse nach Frieden und Gerechtigkeit hat wie wir selbst.
