Allgemeine Berichte | 05.10.2021

Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V.

Ein König fürs Hospiz

Meerbuscher ersteigert Statue von Bonner Künstler zu Gunsten der Bad Neuenahrer Einrichtung. 8400 Euro-Spende und Zeichen der Würde

Hildegard Schneider, Ulrike Dobrowolny, Klaus Plate, Rüdiger Schütze (mit seinem ersteigerten König), Christoph Drolshagen, Yasmin Brost (mit dem König fürs Hospiz), Ralf Knoblauch. Fotos: privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seine Majestät kam in Tuch gehüllt: Das Hospiz im Ahrtal hat einen König erhalten - in Form einer Statue, die der Bonner Künstler und Diakon Ralf Knoblauch aus altem Eichenholz geschnitzt hat. Seit vielen Jahren fertigt er derartige Könige. Einen hat er zu Gunsten des Hospizes versteigert. Diesen übergab er beim Ortstermin an den neuen Besitzer, Rüdiger Schütze aus Meerbusch. Zusätzlich zum Erlös aus der Versteigerung überraschte Knoblauch mit einem weiteren König als Geschenk für das Hospiz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Das Hospiz im Ahrtal musste wegen der Flutfolgen zeitweise evakuiert werden, die Geschäftsräume des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr sind zerstört worden. Ralf Knoblauch war derweil in Urlaub. Aber als er von der Katastrophennacht erfuhr, entschloss er sich zu der Solidaritätsaktion, „auch weil viele meiner Königinnen und Könige in Hospizen und Palliativstationen stehen“. Weil einige unterlegene Bieter das Hospiz im Ahrtal trotzdem mit ihrem Gebot unterstützen wollten, kamen insgesamt 8400 Euro für die Bad Neuenahrer Einrichtung zusammen. Dafür dankten Hospizleiterin Yasmin Brost und Christoph Drolshagen als Geschäftsführer der Hospiz im Ahrtal gGmbH sowie als Gesellschaftervertreter die Vorsitzende Ulrike Dobrowolny und deren Stellvertreterin Hildegard Schneider. Sie berichteten auch davon, dass das Hospiz nach der Flut nun auf eine externe Heizung, die mit Öl betrieben wird, angewiesen ist, weil die Gasleitungen im Ahrtal zerstört sind. Auch Mitarbeiter des Hospizes und des Hospiz-Vereins haben durch die Katastrophe alles verloren, und der Hospiz-Verein hat eine vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband befristet finanzierte Stelle für Trauma- und Trauerkoordination eingerichtet, die mit zwei Kollegen Klaus Plate ausfüllt, der bei der „Königs-Übergabe“ ebenfalls dabei war.

„Es geht um das Thema Würde, das ich in die Welt tragen möchte“, erklärte Ralf Knoblauch die Idee hinter „seinen“ Königen. Würde, wie sie die Hospizbewegung im Kreis Ahrweiler allen Menschen bis zu ihren letzten Lebensminuten zuteil werden lassen möchte. Würde, wie sie auch in Knoblauchs Arbeit als Diakon im Bonner Norden mit Menschen in prekären Lebenssituationen immer wieder Thema ist. Diese Könige verfolgen die Intention, das Thema „Würde“ in die Welt zu tragen. Auf ihre Art. „Sie haben erstmal überhaupt nichts Königliches an sich, außer dass sie alle eine Krone tragen, was sie miteinander verbindet. Aber ihr ganzer Habitus und Gestus hat nichts von Macht oder Regieren. Die sind alle ganz stark bei sich. Die wollen keine Macht über andere ausüben. Vielmehr ist das Gegenüber aufgefordert, für diesen König oder die Königin Partei oder Option zu übernehmen.“

Auch der König fürs Hospiz trägt ein schlichtes Outfit mit schwarzer Hose und weißem Hemd. Er steht gerade, die Arme seitlich am Körper angelehnt, hat die Augen geschlossen und lächelt sanft unter der goldenen Krone auf seinem Kopf. Er ist nun einer von einem Netz von Könginnen und Königen an 380 Orten rund um den Globus, von Kliniken und Hospizen bis hin zu Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern. „Überall, wo Menschen Unterstützung, Trost oder Hoffnung vielleicht brauchen können“, sagt Knoblauch. Seine Könige werden auch in Beratungskontexten, etwa in der Psychotherapie oder Seelsorge, eingesetzt.

Seine Könige sieht Knoblauch mehr als Kommunikationshilfe denn als Kunstprojekt: „Jeder Mensch hat seine Würde, vom Lebensanfang bis zum Lebensende. Die Könige sollen dazu dienen, ins Gespräch zu kommen und in der Kommunikation einander Wertschätzung entgegenzubringen.“ Der erste König sei vor vielen Jahren entstanden, als er beim Urlaub in Kroatien ein großes Stück Treibholz fand, in dem er einen König gesehen und daraus geschnitzt habe. Auch die Könige heute sind samt Sockel aus jeweils einem einzigen Stück Holz gearbeitet: „Sie stehen für eine Position und lassen sich da auch nicht einfach verrücken. Das hat auch mit der Unantastbarkeit der Würde zu tun, die jedem Menschen zusteht, egal welcher Herkunft oder in welcher Situation.“

„Schön, dass wir jetzt in das weltweite Netz der Könige einbezogen sind mit unserem Hospiz, in dem Menschen an der Grenze ihres Lebens mit der Würde ringen, die ihnen aber niemand nehmen kann“, erklärte Drolshagen. Nun soll der König einen würdigen Platz finden, vielleicht im Wohnzimmer des Hospizes, von wo er aber auch für ein Gespräch mal mit in eines der Zimmer der Hospizgäste genommen werden darf.

Die Königsskulptur, die im Hospiz verbleibt.

Die Königsskulptur, die im Hospiz verbleibt.

Hildegard Schneider, Ulrike Dobrowolny, Klaus Plate, Rüdiger Schütze (mit seinem ersteigerten König), Christoph Drolshagen, Yasmin Brost (mit dem König fürs Hospiz), Ralf Knoblauch. Fotos: privat

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