Jürgen Senft verabschiedet sich aus dem Präsidentenamt des Festausschusses Andernacher Karneval
Ein Leben für die „Fünfte Jahreszeit“
Andernach. Über Jahrzehnte hinweg hat Jürgen Senft den Andernacher Karneval nicht nur begleitet, sondern entscheidend mitgestaltet und geprägt. Sein Name steht für Verlässlichkeit, Engagement und eine tiefe Verbundenheit mit dem rheinischen Brauchtum. Nun endet eine prägende Ära: Nach mehr als 20 Jahren engagierter Tätigkeit im Festausschuss Andernacher Karneval, davon rund acht Jahre als dessen Präsident, zieht sich der langjährige Organisator aus der ersten Reihe zurück.
Senfts karnevalistischer Werdegang begann bereits in jungen Jahren. Schon früh wurde er vom „Bazillus Carnevalis“ erfasst, jener Begeisterung, die viele ein Leben lang nicht mehr loslässt. Seit den 1970er-Jahren war er aktiv Teil des närrischen Treibens und entwickelte im Laufe der Zeit eine immer stärkere Bindung zu den Traditionen seiner Heimatstadt. Sein Engagement führte ihn über verschiedene Stationen innerhalb des Karnevals, unter anderem zur Prinzengarde, bis hin zu verantwortungsvollen Positionen im Festausschuss.
Eine besonders prägende Rolle übernahm Senft im Jahr 2005, als er die Aufgabe des Zugleiters übernahm. In dieser Funktion lag die komplette Organisation der großen Karnevalsumzüge in seinen Händen. Diese Aufgabe verlangte nicht nur ein hohes Maß an organisatorischem Geschick, sondern auch Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein und vor allem Leidenschaft. Jahr für Jahr sorgte er gemeinsam mit seinem Festausschuss - Team dafür, dass die Umzüge reibungslos verliefen und tausende Besucher begeisterten. Für viele war der Karneval ein paar unbeschwerte Tage – für Senft bedeutete er monatelange Vorbereitung und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit.
Sein Engagement blieb nicht unbemerkt. Schon bald wurde er in den Vorstand des Festausschusses berufen, zunächst als Vizepräsident. Mit seinem Erfahrungsschatz, seiner ruhigen Art und seinem klaren Blick für das Wesentliche entwickelte er sich schnell zu einer zentralen Figur innerhalb des Gremiums. Im Jahr 2018 übernahm er schließlich das Amt des Präsidenten und führte den Festausschuss in einer Zeit, die sowohl Herausforderungen als auch neue Chancen mit sich brachte.
Während seiner Amtszeit setzte sich Senft intensiv für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Andernacher Karnevals ein. Ihm lag besonders am Herzen, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig offen für neue Ideen zu bleiben. Die enge Zusammenarbeit mit den Karnevalsvereinen der Stadt, den Möhnen und der GERAK war ihm dabei ein zentrales Anliegen. Er verstand es, unterschiedliche Interessen zu bündeln und den Gemeinschaftsgedanken zu stärken. Viele Entwicklungen der vergangenen Jahre, sowohl organisatorisch als auch inhaltlich, tragen deutlich seine Handschrift.
Doch Jürgen Senft war nicht nur Funktionsträger, sondern lebte den Karneval auch persönlich mit großer Hingabe. Ein besonderer Höhepunkt seines karnevalistischen Wirkens war das Jahr 2010, als er gemeinsam mit seiner Frau Stefanie als Andernacher Prinzenpaares die Bäckerjungenstadt repräsentierte. Diese Zeit war für ihn nicht nur eine große Ehre, sondern auch Ausdruck seiner tiefen Verbundenheit mit der närrischen Tradition seiner Heimat und zu seinem „Heimatverein“ der Prinzengarde Andernach.
Für sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement wurde Senft mehrfach ausgezeichnet. Doch jenseits von Orden und Ehrungen ist es vor allem sein nachhaltiger Beitrag, der in Erinnerung bleiben wird. Er hat den Andernacher Karneval nicht nur organisiert, sondern mit Herz und Überzeugung gelebt und weiterentwickelt.
Mit seinem Rückzug als Präsident verliert der Festausschuss eine prägende Persönlichkeit, deren Erfahrung und Einsatz über viele Jahre hinweg unverzichtbar waren. Sein Wirken wird jedoch weit über seine aktive Zeit hinaus spürbar bleiben – in den Strukturen, die er mit aufgebaut hat, in den Traditionen, die er bewahrt hat, und in den Menschen, die er für den Karneval begeistern konnte.
Auch wenn Jürgen Senft künftig nicht mehr in vorderster Reihe stehen wird, so bleibt er dem Andernacher Karneval als Zugleiter untrennbar verbunden. Denn wer sich über so viele Jahre mit so viel Herzblut engagiert hat, der bleibt immer ein Teil dessen, was er mit aufgebaut hat. WAM
