Allgemeine Berichte | 23.10.2018

Alle Jahre wieder: BUND pflegt die Bengener Heide

Ein Modellprojekt entwickelt sich

Die Fläche vor der Pflege. privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Besenheide (Caluna vulgaris) ist kürzlich von der Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres 2019 gewählt worden. Weniger wegen der Schönheit der Pflanze, sondern mehr um Aufmerksamkeit für die Bedrohung ihres Lebensraumes beziehungsweise der Artenvielfalt zu schaffen. Für die BUND-Kreisgruppe Ahrweiler ist dies ein weiterer Ansporn für ihre seit 22 Jahren andauernde Arbeit auf der Bengener Heide, auf den ehemaligen Rheinhöhen über Bad Neuenahr-Ahrweiler. Strahlender Sonnenschein mit fast sommerlichen Temperaturen herrschte an diesem Oktobermorgen auf der Fläche für etwa 15 BUND-Aktive mit Reinhard van Ooyen, dem Vorsitzenden. Sie sind mit kleinen und großen Scheren, Motorsägen und dem Traktor zur Pflege gekommen.

Was ist das Ziel?

Die Freistellung der Heidelandschaft von Birkenbäumen, Brombeerhecken, Ginster und auch sonstigen Büsche, um eine flächenmäßige Vergrößerung zu erreichen. Vor zwei Jahren wurden im Rahmen eines Modellversuches die bis dahin zu sehr mit Gras zugewachsenen und von Besenheide freien Flächen bis auf den Rohboden abgeschoben. Die sandigen Kiesablagerungen auf der Rheinhöhenterrasse über dem heutigen Ahrtal kamen zum Vorschein. Und damit gute Chancen für die Samen der Heidepflanzen, sich auf dem sauren Boden zu entwickeln und nicht in Gras- und Moosflächen stecken zu bleiben. Verstärkte Chance allerdings auch für hier unerwünschte Pflanzen, diesen freien Lebensraum zu erobern, was auch innerhalb kurzer Zeit geschehen ist. Bei kleinen Ginsterbüschen reicht das Herausziehen mit der Hand, bei größeren helfen nur Scheren und größeres Gerät. Der Traktor von BUND-Mitglied Andreas Schmickler mit Balkenmäher und Mulcher muss ran. Mit der Motorsäge wurden größere Bestände an Baumbewuchs entfernt, um die notwendige Belichtung für die gesamte Fläche zu erhöhen. Die Hoffnung: Die Vergrößerung der Heidefläche läuft so insgesamt schneller ab! Dauerhafte Anzeichen für die gewünschte Neubesiedlung ist das Sandglöckchen als Indikator für trockene und saure Bodenverhältnisse, die das Heidekraut mag. Eine Besonderheit hat die Fläche zudem: die Rentierflechte (Cladonia stellaris)! Sie wird in großen Mengen aus Finnland ausgeführt und unter anderem für Friedhofgebinde verarbeitet, auch als Bäumchen für Architektenmodelle und Modelleisenbahnanlagen verwendet. Sie ist in Mitteleuropa stark zurückgegangen, gebietsweise sogar vom Aussterben bedroht. Wermutstropfen gibt es allerdings auch: Die Fläche ist Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler begrenzt von einer hohen Hecke, in der in großem Maße die gewöhnliche Gelbflechte (Xanthoria parietina) festzustellen ist. Große Blattflechten zeigen normalerweise wenig belastete Luft an. Diese gelbe Krustenflechte – Flechten leben in Symbiose von Pilz und Alge – lebt allerdings von den zunehmenden Stickstoffverbindungen in der Luft. Eine Reihe von Flechtenarten nimmt diese Verbindungen allerdings über ihre Oberfläche direkt aus der Luft auf.

Das bedeutet quasi eine zusätzliche Düngung über erhöhte Konzentration von Stickstoffverbindungen in der Luft. Dafür ist nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb in der Nähe der Heide verantwortlich, sondern Ursache dieser flächendeckenden Überdüngung (Eutrophierung), die sich nachteilig auf die pflanzliche Biodiversität auswirkt, sind auch die hohen Luftbelastungen aus dem Ahrtal, die auf den Höhen ankommen. Verursacher sind der Verkehr und die Schornsteine der Haushalte. Die Gewöhnliche Gelbflechte profitiert ganz offensichtlich von dieser „Düngung aus der Luft“ und nimmt momentan in vielen Regionen an Bäumen, Mauern und auf Dächern stark zu. Sie symbolisiert somit eines der aktuellen Umweltprobleme der heutigen Zeit, denn die Stickstoffverbindungen belasten unter anderem die Heiden und bedrohen empfindliche Arten in ihrer Existenz. Van Ooyen: „Ich bin dennoch guter Hoffnung, dass uns eine Ausweitung dieser wertvollen Kulturlandschaft auf der Bengener Heide in den nächsten Jahren gelingen wird. Eine Einbindung in die Aktivitäten der Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird angestrebt!“

So sieht die Fläche nach der Pflege aus.

So sieht die Fläche nach der Pflege aus.

Die Fläche vor der Pflege. Fotos: privat

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