Allgemeine Berichte | 18.07.2016

Autorenlesung von Rainer Karl Litz in der Alten Schule am Damm

Ein Mord in Neuwied führt die Ermittler im Roman bis nach Dierdorf

Gespannt verfolgten die Zuhörer die musikalischen und textlichen Darbietungen des Abends. KER

Dierdorf. Der Kulturkreisvorsitzende Karl-August Heib begrüßte die Gäste des literarischen Abends in der Alten Schule am Damm. Vor der eigentlichen Lesung spielte Holger Buhr auf der Gitarre moderne Melodien und sang dazu englische Texte im Stil von Eric Clapton. Er wollte die Gäste vor dem spannenden und manchmal auch vielleicht „gruseligen“ Krimi mit seiner Musik etwas aufheitern, sagte er. Mord, Drogen, Missbrauch, Kinderpornografie und das hinter einer bürgerlichen Fassade lauernde Grauen sind die Themen, die bei diesem Ermittlungsfall im ländlichen Westerwald die Ermittlungen des Neuwieder Kommissars Ronald Berger begleiten. Schriftsteller Rainer Karl Litz erklärt, dass Dierdorf einer der Handlungsorte des Romans ist. In der Ankündigung heißt es sogar, dass „bedeutsame Szenen des Romans nur wenige Meter von der Alten Schule entfernt“ spielen. Allerdings werde die Lesung nicht so gruselig, wie vielleicht von dem einen oder anderen erhofft. Das Werk hat den Polizeikommissar Ronald Berger zum Helden, der in den 60er Jahren mit der Musik der Beatles groß geworden ist.

Neuwied ist Ausgangspunkt

Die Stadt Neuwied ist der Ausgangspunkt der Erzählung. Neuwied habe eine enge und auch historische Beziehung zur sogenannten Unterwelt, sagt Autor Rainer Karl Litz. Auch der Schinderhannes aus dem Hunsrück habe hier eine Rolle gespielt. Er soll sich der Legende nach in Neuwied mit Mitgliedern anderer Banden getroffen haben. Romankommissar Ronald Berger findet 2009 an einer Schiffsanlegestelle einen Toten. Die Umstände sind rätselhaft. Fest steht, dass der Mann nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Die Ermittlungen laufen an. Hier beginnt Litz seine Lesung. In dem Stück geht es auch viel um das Drogenmilieu und die hier üblichen Charaktere. Einige handelnde Personen sprechen breites Neuwieder Platt. In Dierdorf hat in dem Roman ein junger Mann einen Auftrag zu erfüllen. Er klingelt an einer Haustüre. Ein breitschultriger, gut gekleideter Mann öffnet. Die Situation ist völlig unklar, zunächst bleibt offen, wer hier was von wem will. Das ändert sich lange Zeit nicht, vor allem, da in dem dem jungen Mann angebotenen Kaffee offenbar ein starkes Betäubungsmittel enthalten war. Typisch Roman, typisch Lesung: Der Leser, die Zuhörer brauchen Geduld, bis die Spannung sich in Aufklärung löst.

Schriftsteller im Nebenberuf

Rainer Karl Litz ist Schriftsteller im Nebenberuf. Sein eigentlicher Job ist seit 40 Jahren das Management in der Sozialwirtschaft, das heißt, er arbeitet für Wohlfahrtsverbände. Der „Westerwälder Tango“ ist nach einem historischen Roman sein zweites großes Werk. Das dritte, wieder ein Krimi, erscheint demnächst auf dem Buchmarkt. Litz lebt in Neuwied. Bereits mit 15 Jahren fing er mit dem Schreiben an. Vor fünf Jahren, mit Mitte 50, blühte das Interesse am Schreiben neu auf. Die Erfahrungen und Erlebnisse aus der Arbeitswelt fließen in seine Romane mit ein, sagt Rainer Karl Litz. Dazu kommt, dass er den langjährigen Leiter der Neuwieder Mordkommission gut kennt und sich mit diesem austauscht. Logisch, dass einem der Stoff dann nur so entgegenpurzelt und man sich im „Milieu“ gut auskennt. Litz: „Da kommt ein bisschen der Hintergrund meiner Geschichten her!“ Auf Krimis ist der Neuwieder allerdings nicht festgelegt. Er glaubt, dass es künftig auch einmal ganz andere Genres geben kann. Ihn interessieren mehr als die Handlung eigentlich die Personen, die Charaktere und ihre Entwicklung. So ist es auch im Westerwälder Tango: Hier geht es um seelische Vorgänge, um eine chaotische persönliche Situation des Helden, der kurz vor der Rente steht, der durch seinen Beruf sehr viel außerhalb der Familie unterwegs ist, was zu Konflikten führt, besonders mit der Ehefrau. Das führt zunächst sogar bis zur Trennung von der Frau. Endet diese Entwicklung im Scheitern oder im Happy End? „Das weiß ich nicht“, lässt Rainer Karl Litz die Frage offen. „Alles ist im Fluss. Alles ist möglich. Wie im richtigen Leben!“

Kultureller Leckerbissen

Karl-August Heib vom Dierdorfer Kulturkreis freut sich, dass man dem Dierdorfer Publikum mit der Lesung einen derart kulturellen Leckerbissen anbieten konnte. Man habe sich vorab mit ihm unterhalten und die Veranstaltung geplant. Der Kulturkreis hat sich 2007 gegründet nach den Vorbereitungen für das Jubiläum 650 Jahre Stadtrechte von Dierdorf. Die Redakteure der Festschrift nahmen sich vor, sich künftig regelmäßig einmal im Monat zu treffen und weitere Veranstaltungen zu organisieren wie auch insgesamt das kulturelle Leben in Dierdorf zu bereichern. Das ist ihm mit seitdem zahlreichen Veranstaltungen gelungen.

Das Ziel ist es, möglichst

auch mit anderen Gruppierungen zusammenzuarbeiten. Auch die Autorenlesung ist ein Beispiel für diese Zusammenarbeit, schließlich trat hierbei die Stadt Dierdorf als Mitveranstalter auf. Nach der Lesung mit den sehr angenehmen und gelungenen musikalischen „Unterbrechungen“ durch den Sänger und Gitarrenspieler Holger Buhr hatten die Zuhörer Gelegenheit, mit dem Autoren Rainer Karl Litz über dessen Werk und die Darstellung von Dierdorf zu diskutieren, wovon sie reichlich Gebrauch machten.

Vita Rainer Karl Litz

Rainer Karl Litz wurde 1956 in Neuwied geboren. Nach seinem Abitur absolvierte er den Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheimes, wo er unter anderem mit den Thema

Tod in Berührung kam. Nichts, was ihm gefiel, was ihm aber verdeutlichte, dass man sich an notwendige Aufgaben irgendwie gewöhnen kann, wenn man sich ihnen ernsthaft stellt. Nach Studium des Sports und der Sozialpädagogik arbeitete er im Behindertenbereich, der Jugendarbeit und als gesetzlicher Betreuer. Seit fast dreißig Jahren ist er in Leitungsfunktionen und Geschäftsführung von Wohlfahrtsverbänden tätig. Er verfügt über NLP- und Wingwave-Ausbildungen, war Vorsitzender eines Eishockeyvereins, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Der Westerwälder Tango ist sein erster Krimi und nach einem historischen Roman sein zweites literarisches Werk. Eine Fortssetzung des Romans um den Neuwieder Kommissar Ronny Berger wurde soeben fertiggestellt.

Ein Mord in Neuwied führt die Ermittler im Roman bis nach Dierdorf

Ein Mord in Neuwied führt die Ermittler im Roman bis nach Dierdorf

Ein Mord in Neuwied führt die Ermittler im Roman bis nach Dierdorf

Ein Mord in Neuwied führt die Ermittler im Roman bis nach Dierdorf

Gespannt verfolgten die Zuhörer die musikalischen und textlichen Darbietungen des Abends. Fotos: KER

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