Allgemeine Berichte | 18.09.2018

Degerana – eine alemannische Siedlung im Ahrkreis

Ein Referat zur Siedlungsgeschichte der Region

Matthias Bertram sprach vor Geschichts- beziehungsweise Heimatinteressierten aus der Region. Bernd Schreiner

Dernau. Kürzlich gab es in der Akademie Altenahr einen Vortrag über die römischen Siedlungsfunde im Ahrkreis, bei dem Fundstücke vorgestellt wurden, die bisher nie der Öffentlichkeit gezeigt worden waren. So wurden zum Beispiel die Bronzefigur eines römischen Soldaten in seiner typischen Kleidung aus der Zeit des ersten/zweiten Jahrhunderts n. Chr., gemuffte Tonwasserleitungen, Grabstein Relikte und andere Funde gezeigt, die ein Bestandteil der Badeanlage in der ehemaligen Dernauer Villa Rustica gewesen waren. Eine Woche später kam es am gleichen Ort zu einem weiteren Vortrag, der sich intensiv mit der Siedlungsgeschichte des fünften Jahrhunderts in der Region beschäftigte. Der Referent Matthias Bertram entwickelte, ausgehend von der ersten urkundlichen Erwähnung von „degeranavale“ im Prümer Urbar, ein Szenario zur Bestimmung von Herkunft und Bedeutung des Wortes „degerana“, welches allgemein als erste urkundliche Erwähnung des Ortes Dernau angesehen wird. Ausgehend von den Herrschaftsstrukturen in der Region im 9. und 10. Jahrhundert, den Jahren der normannischen Invasionen und Plünderungen leitet Bertram in die Zeit der Völkerwanderung und des Zerfalls des römischen Reiches über und betrachtet insbesondere die Siedlungsaktivitäten der ripuarischen Franken und Alemannen und die Kämpfe, die sie im 5. Jahrhundert nach Chr. untereinander austrugen. Anhand einer Analyse und Gegenüberstellung mit Orten ähnlichen Wortstammes, deren räumlicher und geografischer/topografischer Lage und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte kommt Bertram zum Schluss, dass „degerana“ mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen alemannischen Wortstamm zurückzuführen ist. Einer manchmal geäußerten Vermutung, dass dieses Wort auf eine keltische Wurzel zurückgehen könnte, steht Bertram skeptisch gegenüber, auch wenn das keltische Wort „tegarn“ eine Nähe zum alemannischen „deger“ zu haben scheint. Auffällig ist aber, dass alle Orte mit der Silbe „deger“ im ehemaligen oder heutigen Namen, sowohl im ehemaligen keltischen als auch alemannischen Siedlungsgebiet liegen. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Orte konnte festgestellt werden: Fast alle Orte liegen an Flüssen und/oder Sumpfgebieten. Zusammenfassend kommt Bertram zu dem Ergebnis, dass „degerana“ ein deutlicher Hinweis auf die relativ kurze alemannische Besiedlungsperiode im 5. Jahrhundert ist und „degerana vale“ am besten folgendermaßen zu interpretieren/übersetzen ist: „großes sumpfiges/lehmiges Tal“. Wer das Ahrtal zwischen Dernau und Rech heute betrachtet, kann sich vorstellen, dass das Tal hier mit seiner damals (vor 1000 beziehungsweise 2000 Jahren) durch das breite Tal mäandernden Ahr auf diese Weise recht gut charakterisiert wurde.

Matthias Bertram sprach vor Geschichts- beziehungsweise Heimatinteressierten aus der Region. Foto: Bernd Schreiner

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