Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Ev. Stift St. Martin
Ein Tag im Stift war mehr wert als zwei Monate in Indien
Äthiopischer Arzt bereitet den Aufbau einer Kardiologie in seiner Heimat vor.
Koblenz. Der 34-jährige Dr. Elsah Tegene arbeitet normalerweise an der Universitätsklinik in Jimma. Die Stadt liegt etwa 250 km südwestlich von Addis Abeba und ist eine der größten im westlichen Äthiopien. Groß ist aber auch die Aufgabe, die er mit seinen Kollegen zu stemmen hat: Dr. Tegene ist der Jüngste von zehn Medizinern, die für die bestmögliche kardiologische Versorgung der Patienten mit einem Einzugsgebiet von 15 Millionen Menschen zuständig sind! „Naja, aber von einem Spezialisten für Kardiologie, wie die Ärzte im Ev. Stift, bin ich noch weit entfernt“, lächelt er. „Unsere Uniklinik ist dabei, diesen Bereich auszubauen. Wir haben neue Räumlichkeiten und sogar schon zwei Herzkatheterlabore, aber nutzen können wir diese nicht, denn dazu ist noch kein Arzt entsprechend ausgebildet.“
Während eines Auslandsaufenthaltes für Medizinstudenten an der Universität Jimma entstand der Kontakt zwischen der Tochter des ärztlichen Direktors und Chefarztes der Neurochirurgie im Ev. Stift St. Martin, Dr. Hans-Hermann Görge, und Dr. Tegene. Dabei stellte sich heraus, dass es ein großer Wunsch des äthiopischen Arztes war, in Deutschland in einer kardiologischen Klinik zu hospitieren und den Kardiologen über die Schulter zu schauen. Dr. Görge machte es mit Unterstützung des Rotary Club Boppard-St. Goar möglich. So kam der junge Mediziner für vier Wochen in das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Ev. Stift St. Martin in die Klinik für Innere Medizin – Kardiologie. Das Team um die Chefärzte Dr. Dietmar Burkhardt, Dr. Michael Kupp und Dr. Norbert Kaul hat ihn herzlich aufgenommen. „Er ist ein sehr sympathischer und lustiger Zeitgenosse“, erzählt Dr. Burkhardt. „Wir hatten neben der Arbeit auch viel Spaß zusammen.“ Fasziniert nimmt der junge Kollege und Vater einer kleinen Tochter alles Wissen auf. Im Herzkatheterlabor darf er alles mit beurteilen. „Das will ich unbedingt in meiner Heimat beherrschen“, strahlt er. Fortbildungen erhalten die äthiopischen Ärzte normalerweise meist in Indien. Dorthin oder nach Thailand werden die Patienten auch beispielsweise für eine Bypass-Operation geschickt. In Äthiopien sind solche Eingriffe noch nicht möglich.
Doch auch die ärztlichen Kollegen im Ev. Stift haben durch die vierwöchige Hospitation von Dr. Tegene viele neue Eindrücke gewonnen. „Wenn man sich vor Augen hält, mit welch einfachen Mitteln die Ärzte dort erkrankte Menschen behandeln müssen, sieht man seine eigenen Alltagsprobleme in einem ganz anderen Licht“, sagt Dr. Burkhardt. Aussagen von Dr. Tegene, dass in seiner Heimat zwar hochtechnisierte Geräte zur Verfügung ständen, die medizinische Expertise zur Bedienung dieser Apparaturen aber in weiten Teilen fehle, lösten Bedrückung aus. „Das war ein weiterer Motivationsanreiz, dem Kollegen viel an praktischem Knowhow mitzugeben, um die Versorgung in seinem Heimatland auf kardiovaskulärem Gebiet weiter zu verbessern“, so der Chefarzt. Dr. Tegene ging dann auch mit den abschließenden Worten: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um die Patienten auf einem annähernd so hohen Niveau behandeln zu können wie in Deutschland! Für die Zukunft wünsche ich mir eine Kooperation unserer Klinik mit dem Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein. Ich habe hier an einem Tag mehr gelernt als in zwei Monaten in Indien.“
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