Ortskernentwicklung in Buschhoven
Ein eindringlicher Appell an alle
Bürgerinformationsveranstaltung am Dienstag, 29. Mai, im Pfarrsaal der Katholischen Kirchengemeinde
Buschhoven. „Es geht um unser Dorf und unseren Ortskern, deshalb bitten wir alle Buschhovener Bürger: Machen Sie mit.“ Inständig appelliert Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner an alle Buschhovener, sich an dem Projekt zu beteiligen, sich über die künftige Entwicklung des Ortskerns von Buschhoven Gedanken zu machen. Am Dienstag, 29. Mai, gibt es zum Auftakt um 18 Uhr im Pfarrsaal der Katholischen Kirchengemeinde eine Bürgerinformationsveranstaltung, bei der die Vorgehensweise skizziert werden soll.
Angesprochen seien Jugendliche, junge und ältere Erwachsene, Familien und Senioren, denn schließlich geht es darum, gemeinsam die Situation in Buschofen zu verändern, ergänzte Heinz Frey von „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“ (DORV) aus Jülich, der das Projekt federführend betreut. Ihm zu Seite steht Stadtplanerin Cindy Rensch von der Gemeindeverwaltung Swisttal, die ebenfalls sagt: „Wir brauchen die Bürger unbedingt, die müssen sich für ihren Ort einbringen.“ So ein Projekt könne nur gemeinsam auf den Weg gebracht werden.
Nachdem der netto-Markt umgezogen ist zum „Fienacker“ und das Edeka-Geschäft ganz geschlossen hat, sei die Nahversorgung rund um den Platz schwieriger geworden, erklärte Kalkbrenner. Doch es sei einiges in Bewegung. Mit den Eigentümern der umliegenden Gebäude und Grundstücke sei bereits mehrfach gesprochen und sie in die Thematik mit einbezogen worden, „denn ohne die läuft nichts.“ Die Resonanz sei durchaus positiv, deshalb werde optimistisch an das Projekt herangegangen, zumal die Bereitschaft der Grundstückseigentümer vorhanden sei, an der Dorfkernentwicklung aktiv mitzuwirken.
Mit der Entwicklung ortsnaher Rundumversorgung hat Heinz Frey von DORV große Erfahrung, denn das Beratungsinstitut ist vor 15 Jahren aus einer Bürgerinitiative entstanden, die in ihrem Heimatort, einem Ortsteil von Jülich, das gleiche Problem hervorragend gelöst hatte und nun andere Kommunen auf ihrem Weg begleitet. „Jedes Dorf muss seinen eigenen Weg finden, denn überall sind die Bedingungen und Voraussetzungen andere, und das geht ohnehin nur im Einklang mit Politik und Verwaltung, der Wirtschaft und den Bürgern als stabiler Basis.“ Deshalb hält er auch nichts davon, von außen irgendeine Idee überzustülpen, vielmehr müsse der Prozess aus der Bevölkerung selbst entstehen.
Deshalb ist zunächst eine Befragung sämtlicher Buschhovener Haushalte geplant, um in Erfahrung zu bringen, was überhaupt gewünscht wird und wo die Stärken und Schwächen des relativ großen Dorfes mit seinen 3200 Einwohnern gesehen werden. Dazu sollen Buschhovener Bürger selbst von Haus zu Haus gehen und ihre Nachbarn interviewen. Diese Fragebogenaktion soll in einem Workshop vorbereitet werden, wo auch der Fragebogen gemeinsam entwickelt wird. Damit soll auch die Diskussion in den Ort hineingetragen werden. In anderen Gemeinden seien mit dieser Vorgehensweise hervorragende Erfahrungen gemacht und Rücklaufquoten von bis zu 87 Prozent erreicht worden. Frey betont noch einmal: „Jeder hat die Chance, sich einzubringen, vom Kind über die Familie und den Senior bis zum Verein und der Häkelgruppe.“ Über den Sommer soll die Fragebogenaktion laufen, danach ausgewertet werden, damit im Herbst die Ergebnisse erneut der Bevölkerung vorgestellt werden können.
Wobei es auf keinen Fall darum gehe, lediglich eine Nahversorgung mit Lebensmitteln zu organisieren. Das zwei zwar auch wichtig, aber entscheidend sei es, die soziale Funktion des Ortskerns zu stärken und ihn wieder zu einem Treffpunkt zu machen. Das könne Lebensqualität schaffen und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Neben einem Angebot an Lebensmitteln und Dienstleistungen soll deshalb auch eine sozial-medizinische Versorgung sichergestellt werden. Darüber hinaus käme ein Kulturangebot und Möglichkeiten zur Kommunikation in Betracht.
Fünf Grundsätze sicherten nach den bisherigen Erfahrungen den Erfolg: Möglichst viele, bis dahin unvereinbare Angebote müssten zusammengebracht und unter einem Dach aus einer Hand gebündelt werden. Ein passgenaues Angebot als Grundversorgung müsse klar ausgerichtet werden an den Bedürfnissen der dort lebenden Bürger. Die bestehenden Strukturen müssen erhalten und gestärkt werden durch das Einbetten von regionalen Anbietern. Die Nähe der Produzenten und die Frische der Produkte sowie die Qualität der Handwerksarbeiten vor Ort müssen als Wettbewerbs- und Standortvorteil genutzt werden. Schließlich können durch die Einbindung Neuer Medien bislang unüberbrückbare Entfernungen entfallen, ebenso werden manche Wege zur nächstgelegenen Stadt überflüssig. Wobei allerdings auch darauf geachtet werden soll, keine neue Konkurrenz für bestehende Einrichtungen aufzubauen. Ganz nach dem Motto „Alles unter einem Dach“ werde letztlich durch die aktive Beteiligung aller Bürger eine neue Angebotsform geschaffen. Wie die konkret aussehen werde, könne im jetzt startenden Prozess jeder selbst mitbestimmen. JOST
