Rückblick und Aussichten des Gemeinschaftsklinikums Koblenz
Ein großes, starkes Ganzes soll geschaffen werden
Koblenz. Ein Empfang des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein (GKM) im Atrium der Rhein-Mosel-Halle diente dazu, auf die Erfolge des Jahres 2016 zurück- und die Zukunft des Krankenhaus-Verbundes vorauszublicken. Dr. med. Moritz Hemicker, medizinischer Geschäftsführer, und Diplom-Physiker Martin Stein, kaufmännischer Geschäftsführer, beide etwas länger als ein Jahr im Amt, zeigten die bewältigten und bevorstehenden Herausforderungen auf.
Verbund seit 2014
Die fünf Krankenhäuser Evangelisches Stift St. Martin (Koblenz), Kemperhof (Koblenz), St. Elisabeth (Mayen), Heilig Geist (Boppard) und Paulinenstift (Nastätten) sind seit dem Jahr 2014 unter dem Dach des GKM verbunden. Die Geschäftsführer sprachen sich klar für den Erhalt aller Standorte aus - jeder einzelne profitiere davon. Nach ihren Vorstellungen sollte jedes Krankenhaus auf seiner Versorgungsstufe ausgeprägt werden, um ein großes, starkes Ganzes zu schaffen, das Gesundheitsversorgung in der Region auf höchstem Niveau anbietet. Das landesweit vierte Klinikum der Maximalversorgung deckt, verteilt auf die fünf Häuser, nahezu alle medizinischen Fachabteilungen und Leistungen ab. Rund 4.000 Mitarbeiter sind jedes Jahr für die Behandlung von 180.000 ambulant und stationär zu versorgenden Patienten im Einsatz. Mit den drei Tochtergesellschaften „Medizinisches Versorgungszentrum Mittelrhein“ mit 13 Facharztpraxen und den auf Wachstum ausgerichteten „Rehafit“ und „Seniocura“ wird eine optimale Versorgung von Kranken und Senioren gewährleistet. Neben der wirtschaftlichen Stabilität sind Investitionen, Innovationen sowie Aus- und Weiterbildung wichtige Säulen auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft und für eine starke Wettbewerbsfähigkeit. Das Bildungs- und Forschungsinstitut vereint schulische und akademische Ausbildung, Fort- und Weiterbildung, Forschung sowie Bibliotheks- und Medienwesen. Besonders stolz zeigte sich die Geschäftsführung auf das im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbesserte Jahresergebnis 2016 sowie die stabile Eigenkapital-Größe in Höhe von 51 Millionen Euro, die der Sicherung von Investitionsfinanzierungen dient. Das Minus von 7 Millionen Euro konnte vor allem aufgrund der Einnahmen aus den stationären Krankenhaus-Leistungen auf ein Minus von 293.000 Euro geschrumpft werden. Zugleich wurden 7 Millionen Euro in Infrastruktur, Gebäude und Technik investiert, um mit dem hohen Entwicklungstempo in der Branche Schritt zu halten. Die Summe der Verbindlichkeiten konnte um sieben Prozent gesenkt werden - das Unternehmen hat Darlehen in Höhe von knapp zwanzig Millionen Euro zu tilgen. Was die Pläne anbelangt, ist die Qualitätssicherung ein zentrales Thema. Das Paulinenstift ist bereits komplett nach DIN ISO 9001 zertifiziert – die übrigen Standorte, an denen bisher nur einzelne Einheiten zertifiziert sind, sollen nachziehen. Qualität gelte es jedoch nicht nur auf dem Papier zu erreichen, sondern müsse in allen Bereichen unter Beteiligung aller gelebt werden.
Menschen geben dem Klinikum ein Gesicht
Verschiedene Fachrichtungen standortübergreifend zusammenzubringen ist ein weiteres Unternehmensziel. Mit dem neuen „Gefäß- und Wundzentrum Mittelrhein“ ist ein erster Schritt in diese Richtung getan. Hier kooperiert das Bopparder Zentrum im Heilig Geist mit dem des Kemperhofs. Neben Medizin und Technik sind es doch letztlich die Menschen, die dem Klinikum ein Gesicht geben. Die Geschäftsführung erinnerte an die vielen ehrenamtlichen Bemühungen in den Gremien, den Fördervereinen und natürlich bei den „Grünen Damen und Herren“, die im Jahr 2016 mehr als 8.000 Stunden im freiwilligen Einsatz waren. Zudem sind es die Mitarbeiter, die den Weg in die Zukunft des GKM stützen. Der Geschäftsführung ist bewusst, dass ihr Einsatz und ihre Motivation davon abhängig sind, wie sehr sie sich in Veränderungsprozessen mitgenommen fühlen. Ferner tragen angenehme, funktionale Räumlichkeiten und moderne, das Personal entlastende Medizintechnik dazu bei, sie an das Unternehmen zu binden. Weil die Fördermittel für einen modernen Gerätepark zu knapp sind, wird im GKM überlegt, die Industrie mit ins Boot zu holen und Technologie-Partnerschaften zu initiieren.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, bestätigte, dass die Fusion eine notwendige Voraussetzung für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Klinik-Verbundes und zugleich der einzelnen Krankenhäuser gewesen sei. Seiner Meinung nach sei die Geschäftsführung jetzt, nach den vorausgegangenen personellen Querelen, sehr gut aufgestellt, um „das Schiff sicher und solide in die Zukunft zu bringen“. Er machte allerdings deutlich und stimmte damit Sozial-Staatssekretär David Langner zu, dass die Unterstützung des Landes mit den bereits zugesagten 60 Millionen Euro auf keinen Fall ausreiche. Allein die Sanierung der beiden Koblenzer Häuser wird nach aktuellsten Berechnungen und zielorientierten Überlegungen statt der zuvor geplanten 83 jetzt 130 Millionen Euro kosten. Die angestrebte Ein-Standort-Lösung in Koblenz bedeute einen investiven Mehrbedarf von 188 Millionen Euro, der sich langfristig allerdings rechnen werde. Es könne nicht angehen, dass sich das Land nur mit einem Drittel daran beteilige. Bei dem Oktober-Gespräch mit Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler werde er über einen Landesbeitrag von 120 Millionen Euro sprechen. Augenzwinkernd gab er für die Realisierung des Projekts einen Zeitrahmen vor, der irgendwo zwischen dem Neubau des Koblenzer Hallenbades und der Errichtung der Elbphilharmonie liege. Er beteuerte: „Wir sind ernsthaft an der Arbeit, um das Unternehmen GKM in eine sichere Zukunft zu führen“. Um zukunftsfähige Strukturen zu schaffen, so Stein, müsse auch die Frage der Zusammenlegung der beiden Koblenzer Standorte erörtert werden. Dem Gerücht, das Evangelische Stift werde in Kürze geschlossen, widersprach die Geschäftsführung jedoch deutlich. Falls es geschehe, was noch nicht endgültig geklärt sei, werde das frühestens im Jahr 2023 der Fall sein. Auf die lange Distanz hin werde weiterhin auch in diesen Standort investiert. Zudem sei klar, dass ein möglicher Umzug ohne Reduzierung der vorhandenen Kapazitäten erfolge, sie eher noch ausgebaut würden. Vor allem die Geriatrie und Palliativ-Medizin werde sich künftig intensiv weiterentwickeln. Die Aufsichtsratssitzung im Oktober wird vielleicht schon konkretere Ergebnisse bringen. Das Rahmenprogramm des Empfangs bestritten die Musiker Alex Sauerländer (Schlagzeug), Wolfram Schmitz (Piano), Guido Schwab (Bass) und Thilo Willach (Saxofon). Mit Stücken von Miles Davis oder Frank Zappa wie „Blessed Relief“ oder auch Dave Brubecks „Take Five“ hatte der Auftritt echtes Konzertpotential. BSB
Oberbürgermeister Hofmann-Göttig stellte die Situation des Klinikums ganz ungeschminkt dar.
Peter Balmes (li.), CDU-Stadtratsfraktionsmitglied und Aufsichtsratsmitglied des Klinikums mit Staatssekretär David Langner (re.) und Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachiam Hofmann-Göttig.
Martin Stein (r:) erwies sich mit dem Stück „Automn Leaves“ als hervorragender Jazzpianist.
