Allgemeine Berichte | 26.05.2017, 16:19 Uhr

Weihbischof besucht Flüchtlingscamp in Neuwied-Block

Ein hohes Maß an Disziplin

Weihbischof Jörg Michael Peters beim Besuch des Flüchtlingscamps in Neuwied. Privat

Neuwied. „Tipp top, das läuft schön rund“, gemeinsam mit einem Flüchtling begutachtet Weihbischof Jörg Michael Peters den hinteren Reifen eines aufgebockten Fahrrads in einem Container des Flüchtlingscamps in Neuwied-Block, der als Fahrradwerkstatt und zur Verleihstelle eingerichtet wurde. Anlässlich der Visitationsreise im Dekanat Rhein-Wied besucht der Weihbischof Bewohnerinnen und Bewohner sowie Verantwortliche. „Mich freut es, wie vor Ort eine Struktur geschaffen wurde. Ich denke, hier ist ein Leben in Zufriedenheit möglich“, schildert Peters seine Eindrücke. Er sei beeindruckt von der Eigeninitiative der Flüchtlinge, aber auch der Haupt- und Ehrenamtlichen. Sprachkurse, die Arbeit in einem Kräutergarten und Sportmöglichkeiten gäben hier einen Rahmen für einen strukturierten Tagesablauf. „Es ist wirklich toll, was Sie sich hier einfallen lassen“, richtet Peters sein Wort an die Organisatoren. Doch beim Blick in einen 16 Quadratmeter engen Wohncontainer sieht er, dass auch die Asylbewerber kreativ sind: „Man muss schon erfinderisch sein“, sagt er im Gespräch mit einem Flüchtling aus dem Iran, der seine (Haus-)tür für die Besucherinnen und Besucher aus Politik und Gesellschaft öffnet. In einem Küchencontainer mit vielen Kochnischen können sich die Menschen selbst versorgen – im Gegensatz zu Flüchtlingsunterkünften in großen (Turn-)Hallen. Dies verlange aber auch ein hohes Maß an Selbstorganisation und Disziplin, stellt Peters fest. „Die Menschen müssen hier selbst für Ordnung und Sauberkeit sorgen, aber sie können nach ihrem eigenen Gusto kochen.“ Nach seinem Lieblingsessen gefragt, antwortet ein Flüchtling dem Weihbischof lachend: „Fleisch“. Dass die Menschen hier aber durchaus auch andere Dinge zubereiten können, zeigt die Kaffeerunde anlässlich des Besuchs. Zahlreiche süße Leckereien aus unterschiedlichen Ländern präsentiert ein stolzer Bäcker, der in seiner Heimat allerdings Gärtner war.

Arbeitsgelegenheiten (AGH)

Neben den erwähnten Freizeitmöglichkeiten gebe es Jobs, die von Flüchtlingen übernommen werden können, erklärt der Leiter des Camps Frank Freymann. 20 von ihnen üben in der Containersiedlung derzeit sogenannte Arbeitsgelegenheiten (AGH) aus. Daneben sind zehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter anderem als Sozialarbeiter, -betreuer, FSJler und Security-Personal vor Ort beschäftigt.

Dieses besteht seit etwas mehr als eineinhalb Jahren. Momentan leben hier 210 Menschen aus 18 Nationen. Besonders berührt zeigt sich der Weihbischof über die Information, dass es bislang keine Übergriffe aus der rechten Szene gegeben habe: „Ich rechne es den Neuwieder Bürgerinnen und Bürgern hoch an, dass es keine Aggressionen gegen das Camp gibt.“ Oberbürgermeister Nikolaus Roth erklärt dies im Zusammenhang mit der Neuwieder Historie: „Wir haben eine besondere Stadtgeschichte. Flüchtlinge haben unserer Stadt seit jeher gut getan.“ Nach dem Termin in der Siedlung stand eine Begegnung mit Kommunalpolitikern aus dem Dekanat an. Besprochen wurden hier unter anderem die Flüchtlingsarbeit, die Finanzierung von Kindertagesstätten und die neue Raumglieder des Bistums. Weitere Informationen gibt es im Dekanatsbüro unter Tel. (0 26 31) 34 27 70, E-Mail: dekanat.rhein-wied@bistum-trier.de.

Weihbischof Jörg Michael Peters beim Besuch des Flüchtlingscamps in Neuwied. Foto: Privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus
Messezeitung "Rheinbacher Ausbildungsmesse"
Messezeitung Rheinbacher Ausbildungsmesse
Sonderseite Flowcraft
Kirmes Ettringen 2026
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
30

Koblenz. Die Sparkasse Koblenz warnt eindringlich vor einer Betrugsmasche, bei der Kriminelle unter der gefälschten Rufnummer 0261 393-0 Kunden kontaktieren. Die Betrüger geben sich als Mitarbeiter der Sparkasse aus und versuchen, an Zugangsdaten zu gelangen oder Kunden zu betrügerischen Überweisungen zu verleiten.

Weiterlesen

Als traditioneller, ehrenamtlich tätiger Verein sorgen die Dorfmusikanten bei zahlreichen Veranstaltungen im Ort für die passende musikalische Begleitung.  Foto: privat
16

Bengen. Die Dorfmusikanten Bengen wurden anlässlich der Kirmes im Jahr 1992 gegründet und sind seitdem ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens in Bengen. In diesem Jahr gibt es einen besonderen Grund zum Feiern: Vom 19. bis 21. September wird im Rahmen der Kirmes das 35-jährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Weiterlesen

Hubertus Hacke-Dietze von der evm und Bürgermeister Albert Jung überreichten den Spendenbetrag an die Vertreterinnen und Vertreter der Vereine.
18

Kaisersesch. Über jeweils 750 Euro aus der „evm-Ehrensache“ dürfen sich der Karnevalsverein Escher Wend 1959 e. V. und der Karnevalsverein 1995 Müllenbach e. V. freuen. Mit ihrem Spendenprogramm unterstützt die Energieversorgung Mittelrhein (evm) jedes Jahr Vereine und Institutionen aus der Region, wenn es um kulturelle, soziale und gemeinnützige Projekte geht.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
1717

Staatsanwaltschaft lobt Belohnung in Höhe von 7.500 Euro aus

Kindesmissbrauch in Oberdürenbach: Fall wird Gegenstand von „Aktenzeichen XY“

Oberdürenbach. Am Nachmittag des 21. Juni 2025 hielt sich ein siebenjähriges Mädchen auf einer Geburtstagsfeier am Sportplatz in Oberdürenbach, in der Verbandsgemeinde Brohltal, auf. Während eines kurzen Moments, als das Kind die Feier verließ, begegnete es auf einem angrenzenden Feldweg einem bislang unbekannten Mann. Dieser forderte das Mädchen auf, ihm zu folgen, und führte es zu einem nahegelegenen Pferdeunterstand.

Weiterlesen

Die Flut hat 2021 in weiten Teilen des Ahrtals erhebliche Schäden verursacht.
717

Hochwasserschutz falle in die Zuständigkeit der Länder

Neue Rückhaltebecken im Ahrtal dürfen nicht durch den Aufbaufond finanziert werden

Kreis Ahrweiler. Mithilfe des Aufbaufonds wollte die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Conelia Weigand (parteilos) den Bau neuer Rückhaltebecken im Ahrtal finanzieren. Dafür hatte sie sich gemeinsam mit zwei weiteren Landkreisen stark gemacht. Nun erhielt sie die Absage der Bundesregierung für ihr Vorhaben, wie SWR und Rhein-Zeitung berichten. Das Sondervermögen sei für den Wiederaufbau gedacht.

Weiterlesen

Symbolbild.
446

Rheinbach. In der Nacht zum Dienstag, dem 8. September 2026, nahmen die Bonner Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen eines mutmaßlichen versuchten Tötungsdelikts in Rheinbach auf. Ein 36-jähriger Mann steht im Verdacht, gegen 03:20 Uhr einen 66-jährigen Bekannten mit einer Stichwaffe angegriffen und dabei lebensgefährlich verletzt zu haben. Dem Vorfall ging mutmaßlich ein Fall häuslicher...

Weiterlesen