Allgemeine Berichte | 27.04.2016

Gemeinde Wachtberg - Amphitryon 38 im Kellertheater Chateau Pech

Ein intelligentes Vergnügen

Termine im Mai

Das Kellertheater-Amphitryon führt die 38. Fassung des Mythos von Amphitryon und Alkmene auf.privat

Wachtberg-Pech. Giraudoux behauptet, dass sein Stück die 38. Fassung des Mythos von Amphitryon und Alkmene sei - und vom Gott Jupiter, dem es immer wieder nach irdischen Frauen gelüstet. So hat er sich Europa als Stier, Leda als Schwan genähert und so wird er Danae in einem Goldregen beglücken. Diesmal will er unbedingt mit Alkmene, der Frau des Feldherrn Amphitryon, den Halbgott Herakles zeugen. Doch diese treueste aller Ehefrauen will lieber sterben als ihren geliebten Ehemann zu betrügen - auch nicht mit einem Gott! So muss Jupiter denn die Gestalt des Amphitryon annehmen. Giraudoux macht daraus kein Drama, sondern eine vielschichtige Verwechslungskomödie. Witzig, frivol und ironisch entlarvt er sowohl Götter als auch Menschen.

Aber bei aller Unzulänglichkeit beider Welten bleibt eines, als höchster Wert bestehen: Die Liebe. So ist dies Stück ein Hohes Lied auf Liebe und Treue. Und so hat Gundula Schroeder es auch auf ihre kleine Bühne gebracht. Die Premiere fand vor einem begeisterten Publikum statt, das an jeder Pointe Spaß hatte. Im Zentrum steht Alkmene, die mit allen Mitteln versucht, sich dem Gott zu entziehen. Jedoch der Wille der Götter bestimmt über das Schicksal des Menschen. So verliert sie schließlich und nur ein göttlicher Gnadenakt kann das Menschenpaar retten. Sarah Möger, die großartige Darstellerin junger Mädchen und Frauen in vielen Stücken dieses Theaters, ist eine besonders ausdrucksstarke Schauspielerin.

Sie gibt die Alkmene als bodenständige, selbstbewusste, kluge Frau, glücklich allein in der Liebe zu ihrem Ehemann, mutig und kämpferisch - bis sie plötzlich vor den Scherben ihres Glücks steht. In ihrer Mimik spiegelt Sarah Möger jede Gefühlsregung dieser Entwicklung wider - und der Zuschauer kann in diesem Gesicht lesen, denn der große Vorzug des kleinen Theaters ist, dass es dem Publikum eine fast intime Nähe zum Geschehen auf der Bühne erlaubt. Jupiter ist der Gott, der seine eigene Schöpfung nicht versteht. Er kennt seine Menschen und ihre Bedürfnisse nicht. So erscheint er ziemlich einfältig nur von seiner Lust getrieben auf der Erde. Durch Alkmene aber lernt er, was Menschen wichtig ist - und schließlich ist er bereit, die Verwicklungen, die er verursacht hat, durch einen Gnadenakt - den Kuss des Vergessens - zu lösen. Clint Christian Staak hat diese Entwicklung in seiner Darstellung des Gottes klar herausgearbeitet und ihn schließlich mit großer menschlicher Empathie ausgestattet. Den echten Amphitryon spielt Peter Meurer als den seine Frau leidenschaftlich liebenden Ehemann, der sich aber mit soldatischer Disziplin, dem Willen des Gottes unterwirft - und im Übrigen zu gradlinig ist, um das Ganze genau zu durchschauen.

Dann sehen wir eine faszinierende Leda. Gundula Schroeder zeigt uns eine reife, erfahrene, schlangenhaft laszive, ihren Eigennutz mit Charme überspielende Frau, die ihr Jugenderlebnis mit Jupiter nur zu gern wiederholen würde - aber diesmal nicht mit dem Schwan, sondern mit dem Mann. Merkur, dem Götterboten, ist nichts Menschliches und nichts Göttliches fremd. Er kennt sich in beiden Welten aus. Rainer Kreuz spielt ihn als verschmitzten Schalk. Mit Witz und Ironie kommentiert er das Geschehen und hat offensichtlich großen Spaß daran - und den hatte das Publikum auch - an ihm! Ursula Rocke gibt als Amme dem Voyeurismus des einfachen Volkes, das sich vom Leben der Stars nährt, das nicht immer versteht, aber immer loyal ist, anrührend Ausdruck. Auch die kurzen Auftritte - der Sosias Friedrich Oettlers, der Krieger Ralf Schumachers und der Trompeter Rudolf Heinrichs sind hier sorgfältig ausgefeilte kabarettistische Highlights. Gundula Schroeder gehört zu den heute seltenen Regisseurinnen, die aus einem Stück herausschälen, was es enthält und nichts hineinlegen, was es entstellt. Diese Aufführung beweist einmal mehr, dass sie den Kulturpreis der Gemeinde Wachtberg, der ihr 2015 verliehen wurde, verdient hat. Man kann dem Stück nur viele Zuschauer wünschen - sie werden ihren Spaß haben. (Rezension von Ilse Fuß). Aufführungstermine im Mai - jeweils 19 Uhr: Freitag, 6. Mai / Dienstag, 10. Mai / Mittwoch, 11. Mai / Freitag, 13. Mai / Mittwoch, 18. Mai / Freitag, 20. Mai und Samstag, 21. Mai.

Kartenreservierung unter Tel. (02 28) 32 59 51. Der Eintrittspreis beträgt 16 Euro (ermäßigt neun Euro für Schüler und Studenten).

Pressemitteilung

Gemeinde Wachtberg

Das Kellertheater-Amphitryon führt die 38. Fassung des Mythos von Amphitryon und Alkmene auf.Foto: privat

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