Kellbach bereitet den Menschen in Obermendig große Sorgen
Ein kleines Rinnsal raubt allen den Schlaf
Mendig. Kornelia (58) und Werner Barz (60) bewohnen seit 1999 das Haus „Im Hostert 3“ in Obermendig. Eigentlich fühlen sie sich wohl in dieser idyllischen Gegend. Eigentlich, denn momentan schläft das Ehepaar „sehr schlecht und sehr wenig“, wie es sich ausdrückt. Alle halbe Stunde schleichen sie nachts in ihren Garten und beobachten den Wasserstand eines kleinen Rinnsals. „Das Ding“, wie Kornelia Barz den Kellbach nur noch nennt, „das Ding raubt uns den Schlaf. Wir leben im Moment in ständiger Angst. Wenn es am Abend anfängt zu regnen, stehen wir schon in den Startlöchern und haben den Telefonhörer in der Hand.“ Und geregnet hat es in den vergangenen Tagen und Wochen viel - in ganz Deutschland und natürlich auch in Obermendig.
Der schlimmste Tag in diesem Jahr war Freitag, der 27. Mai. „Gegen 16 Uhr wurde es urplötzlich dunkel, Wind zog auf“, erinnert sich Kornelia Barz. „Innerhalb einer Stunde stand der Keller unter Wasser. Es war die Katastrophe pur. Der Kanal konnte die ganzen Wassermassen nicht mehr transportieren, die braune Brühe schoss durchs Siphon nach oben. Ich dachte, es wären Einbrecher im Haus.“ Der Kellbach tat sein Übriges, überflutete den Garten und bedrohte - wie schon im vergangenen Jahr - das Haus in der Laacher Straße 51. „Bei uns gab es keine Riesenschäden, es war nicht so dramatisch, aber unser Nachbar Stefan Reudelsterz ist immer der Leidtragende. Sobald es nachts anfängt zu regnen, ist er mit seiner Taschenlampe unterwegs.“
Feuerwehr im Dauereinsatz
An besagtem Freitag befand sich die Freiwillige Feuerwehr Mendig im Dauereinsatz, unter anderem gegen 18 Uhr im Garten der Familie Barz, um dort das Wasser abzupumpen. Die braunen Massen drohten wieder einmal das Haus von Reudelsterz in Beschlag zu nehmen. „Kaum jemand kann sich vorstellen“, so Kornelia Barz, „dass sich der sonst so gemütlich daherfließende Kellbach innerhalb kürzester Zeit in ein reißendes Gewässer verwandelt, das sich 2015 auch von der 1,30 Meter hohen Schutzmauer am Grundstück unseres Nachbarn nicht aufhalten ließ.“
Am Montag, 30. Mai, stand der Garten der Familie Barz am frühen Morgen gegen 6 Uhr schon wieder unter Wasser, es drohte das gleiche Szenario. Wieder verhinderte die Feuerwehr Schlimmeres. „Es muss etwas passieren. Meiner Meinung nach ist der Stauweiher die Wurzel allen Übels. Stadt und Verbandsgemeinde müssen eine Lösung finden. Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel hat uns Unterstützung zugesagt.“ Bis dahin wird die Unruhe ein ständiger Begleiter sein.
