Prof. Trabert berührte in Montabaur
Ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Menschlichkeit
Montabaur.Prof. Trabert, sprach leidenschaftlich vor und mit seinen rund 200 Zuhörern, in der Stadthalle, im Rahmen der Vortragsreihe „Pioniere des sozial-ökologischen Wandels – Ermutigung für eine gesündere Zukunft“, des Fördervereins FAKT e.V. Er sprach von seiner Liebe zu den Menschen, seiner Wut auf die Umstände, seinem Mut sich nicht aufhalten zu lassen, wenn das System das Helfen erschwert.
Es ist ihm, dem vielfach ausgezeichneten Sozialmediziner, Sozialarbeiter, Professor und Buchautor, der auch als „Arzt der Armen“, bekannt ist, ein Herzensanliegen, ein Bewusstsein in den Menschen zu schaffen, dass sie nicht wegschauen und handeln, wenn sie Unrecht und Not sehen. „Armut macht krank und Krankheit macht arm“, so Trabert und es kann jeden treffen, auch die die alles richtig machen. Bevor er sich auf den Weg zu den Menschen nach Montabaur begab, hatte Prof. Gerhard Trabert gerade noch seinen Medizinstudenten erklärt, wie wichtig es sei, niemals vom Kopfende und stehend mit einem kranken Menschen zu sprechen. „Nehmen sie sich einen Stuhl und setzten sie sich neben ihn, auf Augenhöhe“. Den Menschen, allen Menschen die in Not sind, die ganz offensichtlich Hilfe benötigen, egal welcher Nationalität, egal ob arm oder reich, auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen, ist seine grundlegende Haltung, die durch jede seiner Handlungen sichtbar wird. „Wir benötigen eine Schulterschlussgesellschaft und keine Ellenbogengesellschaft! Eine Demokratie in der Banken gerettet werden, aber nicht mehr von Armut betroffene Menschen, ist eine kranke Demokratie“, so Trabert. An diesem Abend ging es nicht nur um das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit, dass immer mehr Menschen reicher und immer mehr Menschen ärmer werden, sondern um wissenschaftliche Studien der Charité, um Zahlen und Fakten. Er verdeutlichte eindrucksvoll die unmittelbaren Auswirkungen von Armut auf Lebenszeit und Heilungschancen von Krankheit. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Krankheit der dritthäufigste Grund für Verschuldung darstellt. Arme können sich keine Brillen, oder sogenannte IGEL Leistungen - die notwendigen medizinischen Untersuchungen die nicht mehr von Krankenkassen übernommen werden- leisten. Dadurch werden Krankheiten übersehen und/ oder nicht behandelt. Kranke Menschen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund leiden zudem besonders unter der Stigmatisierung und der verweigerten Teilhabe am sozialen Leben. So sind bereits 31,3 Prozent der Kinder aus Sozial benachteiligten Verhältnissen psychisch auffällig. Besonders hart trifft es Alleinerziehende Mütter und Väter, die, wenn sie auf staatliche Hilfen angewiesen sind ihre Kinder und sich selbst unmöglich gesund ernähren können, geschweige denn mal eine Kugel Eis im Sommer kaufen können. „Wenn sie Alleinerziehende kennen, fragen sie doch einfach mal, ob sie Hilfe brauchen, ob sie unterstützen können“, forderte er das gebannte Publikum auf. Kommen Menschen, durch Krankheit, Trennung, Arbeitsplatzverlust in die Armut, werden sie häufig zusätzlich ausgegrenzt, beschämt, diskriminiert und beschädigt. Trabert weiß wovon er spricht, behandelt er doch seit Jahrzehnten unentgeltlich und ehrenamtlich, gemeinsam mit seinem Team von Ärzt:innen, Krankenschwestern und Sozialarbeitern, des Vereins „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“ Menschen die durch das Netz gefallen sind. Gerade sitzt er bereits auf gepackten Koffern, um mit seinem mobilen Krankenhaus wieder in die Ukraine zu fahren. Er berichtet nicht nur von den neuesten Studien, sondern auch von den vielen Menschen, die er auf fünf Kontinenten, in Kriegs- und Krisengebieten der Welt, behandelt hat. „Ich durfte so viele ausgegrenzte Menschen kennenlernen mit ihren individuellen Lebensgeschichten, Schicksalsschlägen ihrer Kreativität und Kraft. Viele schenkten mir ihr Vertrauen und es entstand Beziehung auf einer sehr authentischen Ebene. Ich habe in all diesen Jahren von diesen mir so vertraut gewordenen Frauen und Männern sehr viel gelernt“ so Trabert“ Doch eines möchte er klarstellen: „Wir machen keine Charity Arbeit! Wir helfen Menschen in Not, die nicht in der Lage sind ihre Menschenrechte selbst einzufordern“, so Gerhard Trabert. Nach seinem eindrücklichen Vortrag nahm er sich, auch hier in Montabaur die Zeit, die viele Fragen seiner berührten Zuhörer:innen zu beantworten.
Der nächste Vortrag des Fördervereins FAKT e.V. findet am 3. Juli zum Thema „Empathie gibt´s nicht im APP Store – Eine Hommage und Ermutigung für neue Werte in unserer Zeit“ statt. Nähere Infos unter atelierkunstundtherapie.de.
