Toller Auftritt im Dorfsaal von Ollheim
Ein magischer Abend mit Hans Süper
Die Kölner Karnevalslegende sang und erzählte vor ausverkauftem Haus Geschichten aus der guten alten Zeit
Ollheim. Im Stehen dargebrachte Ovationen, bevor überhaupt das erste Wort gesprochen oder der erste Ton gespielt wurde - das gibt es wohl nur bei Hans Süper. So war es auch bei seinem Auftritt im restlos ausverkauften Dorfhaus von Ollheim, als schon bei seinem Einzug in den Saal tosender Applaus aufbrandete und er verschmitzt feststellte: „Ich bin nicht Michael Jackson, ich bin nur Hans Süper.“ Und natürlich hatte die kölsche Karnevalslegende gleich den passenden Kalauer in petto: „Ich habe schon mal 30 Minuten stehende Ovationen bekommen - bis ich gemerkt habe: Die hatten gar keine Stühle da.“ Schon bevor es losging, flossen so bei den ersten Zuschauern die Freudentränen, und viele hielten sich unentwegt die Bäuche vor Lachen.
Trotz seiner 82 Jahre besitzt Süper noch eine ungebrochene Strahlkraft, wie Dirk „Lü“ Lüssem und Björn Zimmer von der Veranstaltungsagentur „Swist Event“ feststellen durften. Sie hatten den mittlerweile nur noch selten auf der Bühne zu sehenden Meister der Unterhaltung zu einem Auftritt in Ollheim überredet und 200 Plakate für die Vorankündigung gedruckt. Doch aufgehängt wurden nur vier, denn kaum hatte die Meldung die Runde gemacht: „Hans Süper kommt nach Ollheim“, da war die Veranstaltung schon komplett ausverkauft. Sogar auf der Bühne saß das Publikum noch in vier Reihen hautnah neben dem Star des Abends. „Die Idee kam von Hans Süper selbst, denn er möchte so nah wie möglich bei seinem Publikum sein“, berichtete „der Lü“ auf seine unnachahmliche Art bei der Begrüßung. „Das ist ein Wahnsinn.“
Wahnsinnig gut drauf war auch der Protagonist des Abends, für den die Besucher auch von weit her angereist waren. Das „Swist-Event-Duo“ versprach seinem Publikum einen „magischen Abend“ und hatte damit beileibe nicht zu viel versprochen. Der rüstige Rentner Hans Süper versprühte eine Energie auf der Bühne, die eines Jungstars würdig gewesen wäre und scherzte nonchalant mit dem Publikum: „Ich bin ja so froh, dass ihr da seid - sonst wäre ich allein hier.“ Und wenn er dann zu seiner „Flitsch“ griff, war schnell zu merken, dass hinter seiner dahingeworfenen Leichtigkeit des Spiels eine herausragende Musikalität steckt, die das Publikum von der ersten Minute an in den Bann zog.
Und natürlich dauerten die anekdotischen Vorgeplänkel zu den einzelnen Liedern mindestens dreimal so lang wie das Lied selbst, wenn er in seinem Maathallekraatkölsch vom Hölzchen aufs Stöckchen und vom Stöckchen aufs Steinchen kam.
Seine Eigenkompositionen wie „Es wird fürchterlich“ drehten sich um Geschichten aus längst vergangenen Tagen, „da hatten wir alle nichts, und manche hatten gar nichts. Aber immerhin hatten wir jede Menge Parkplätze - nur kein Auto dafür.“ Sein mit bluesigen Tönen unterlegtes Fazit: „Dat wör en Zick, schöner wie hück.“ Er vergaß aber auch nicht seinen langjährigen Partner auf der Bühne mit dem „Colonia Duett“, Hans Zimmermann, der trotz Abwesenheit eine tragende Rolle spielte. So karikierte Süper dessen langsame Art zu sprechen, die nur noch von seiner Schwester übertroffen worden sei: „Bis die mal Nein gesagt hat, war sie schon im dritten Monat.“
Der Abend war reich an Anekdoten und schwarzem Humor, wie etwa bei der Geschichte von dem Erstkommunion-Kind, dessen Eltern kein Geld für einen schwarzen Anzug hatten. Doch dem Jungen konnte geholfen werden mit dem schwarzen Anzug vom Opa: „Doh hann se demm Jong en Schöpp jejovve…“ Das Publikum raste, obwohl der Satz noch gar nicht zu Ende war, und kriegte sich auch nicht wieder ein, als Süper gekonnt vollendete: „Aber er hatte den verkehrten ausgegraben, denn der hatte einen weißen Anzug an.“ Bei Süpers zu Hause ging es ohnehin hoch her, da flogen mitunter die Töpfe und hingen die Bilderrahmen um den Hals, ganz nach dem Motto: „Trautes Heim, Glück allein, so ging alles aus dem Leim.“
Inspiriert von seinen Aufenthalten auf Mallorca ließ Süper immer wieder Samba- oder Flamenco-Klänge in seine Stücke einfließen und verband dabei meisterhaft das kölsche „Klingelingeling“ mit dem südländischen „Ole“. Doch auch die nachdenklichen Töne beherrscht er, wie er mit seinem gefühlvollen Evergreen „Ich bin ene kölsche Jung“ eindrucksvoll unter Beweis stellte. Diese Hymne auf die Domstadt und seine Bewohner lässt sich getrost auf eines der letzten Karnevalsoriginale selbst münzen, wenn es heißt: „Ich ben e’ne Kölsche Jung, wat willste maache? Ich ben e’ne Kölsche Jung un dun jään laache. Ich ben och söns nit schlääch, nä ich ben brav, ming Lieblingswöötsche heiss Kölle Alaaf.“
Wie ein großer Chor sang das Publikum das Lied gern mit und beschloss den Abend, wie er begonnen hatte, nämlich mit im Stehen dargebrachten Ovationen für einen der ganz großen Unterhaltungskünstler aus Köln.
Doch auch die nächste, oder besser gesagt die überübernächste Generation präsentierte sich an diesem Abend auf der Bühne in Ollheim. Nadine Fiegen, bis vor Kurzem noch eine der zwei „Domhätzjer“, hatte einen ihrer ersten Soloauftritte und präsentierte sich als hervorragende Stimmungskanone und perfekte Einheizerin für Hans Süper, der nach den Worten von Dirk Lüssem „jett de Hand drövver hält“. Die Sängerin schaffte eindrucksvoll den Spagat zwischen kölschen Liedern mit Herz und krachenden Partybeats. Mit einer peppigen Version des Evergreens „What a wonderful world“ verabschiedete sie sich von Ollheim Publikum, das angetan war von ihrem Charme. JOST
Mit der Flitsch zog Hans Süper das Publikum in Ollheim in seinen Bann. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
