Allgemeine Berichte | 02.07.2025

Ein wildes Paradies

Die Exkursionsgruppe der Naturschutzinitiative e.V. (NI) im Nationalen Naturerbe Stegskopf.  Foto: privat

Region. Das Interesse an Exkursionen im Nationalen Naturerbe Stegskopf bleibt ungebrochen: Weite Blicke, unverbaute Aussichten, Hotspot der Biologischen Vielfalt, wilde und alte Wälder, Moore, unzerschnittene Landschaften und weitgehende Störungsarmut ziehen seit über 10 Jahren zahlreiche Naturbegeisterte in ihren Bann. So war es nicht verwunderlich, dass Harry Neumann, Vorsitzender der NI, 45 Teilnehmer in diesem ökologischen Juwel begrüßen konnte. Es war die 10. Exkursion der Naturschutzinitiative e.V. (NI) in dieses einzigartige Gebiet mit insgesamt über 500 Teilnehmern.

Die rund 1.900 Hektar große DBU-Naturerbefläche Stegskopf ist seit Januar 2014 Teil des Nationalen Naturerbes und steht seit Ende 2023 im Eigentum der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der DBU Naturerbe GmbH. In diesem Jahr feiert das Nationale Naturerbe sein 20-jähriges Bestehen. Es umfasst ehemalige Militärgebiete, Flächen am Grünen Band an der ehemals innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volkseigentum sowie Sanierungsflächen des ostdeutschen Braunkohletagebaus – alles Flächen aus dem Bundesvermögen. Auf Initiative von Naturschutzorganisationen verzichtet der Bund seit 2005 auf die kommerzielle Privatisierung der naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen auf insgesamt rund 164.000 Hektar und widmet sie dauerhaft dem Naturschutz. Dieses Geschenk des Bundes an die nachkommenden Generationen ist ein bedeutender Meilenstein im deutschen Naturschutz.

In diesen Gebieten, die ausschließlich für Naturschutzzwecke genutzt werden dürfen, sollen Wildnis und Naturparadiese für nachfolgende Generationen bewahrt werden. Die kaum gestörten Bereiche der Naturerbeflächen bieten mit ihren Wäldern, Offenland und Feuchtgebieten naturnahe Lebensräume für zahlreiche Arten mit großem Raum- und Ruheanspruch, beispielsweise Wolf, Rotwild und Wildkatze.

Derscher Geschwemm - Wiedervernässung

Mit ihren Naturschutzflächen setzt sich die DBU auch für die Wiederbelebung von Moorflächen wie dem Derscher Geschwemm ein. Es handelt sich bei den angelegten Dämmen, die im Rahmen der Exkursion besichtigt werden konnten, um erste Retentionsmaßnahmen im Übergangsmoor Derscher Geschwemm. Es geht hier um den Verschluss der vom Reichsarbeitsdienst in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts gezogenen Entwässerungsgräben zur „Urbarmachung“ des Moores.

Die neu angelegten Dämme sollen ein abermaliges Trockenfallen des Moorkörpers wie in den vorangegangenen Trockenjahren verhindern und den dort vorkommenden Arten einen stabilen Lebensraum bieten. Begleitend hierzu läuft derzeit eine von der DBU beauftragte umfassende Planung von Wiedervernässungsmaßnahmen durch ein Planungsbüro, konnte Bundesförster Christof Hast berichten. Ca. 700 Hektar des Platzes seien mittels Drainagen intensiv vom Militär entwässert worden. Es sei eine Herkulesaufgabe, das Ganze wieder naturverträglich zurückzuführen. Die Renaturierung des Haiderbaches und der Verschluss von Entwässerungsgräben im Moor stellten hier lediglich die ersten Bausteine dar, erläuterte Christof Hast.

Wolfsmonitoring - Bedeutung des Herdenschutzes

Stefan Hetger, Großkarnivorenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, erläuterte das Monitoringkonzept des Landes. Mit Unterstützung von anschaulichen Plakaten der NI erhielten die Teilnehmer zahlreiche Informationen über die Biologie, Lebensweise und das Verhalten des Wolfes sowie wertvolle Informationen über wirksame Schutzmaßnahmen für Weidetiere. Zudem erfuhren die Teilnehmer, dass Weidetiere nur ein Prozent der Nahrung des Wolfes ausmachen.

„Herdenschutz wirkt“, war eine seiner Hauptbotschaften. Dies konnte auch NI-Projektleiterin für Großkarnivoren und Wildkatze, Gabriele Neumann bestätigen, die alle Rissereignisse in Rheinland-Pfalz von 2016 bis 2024 zusammengestellt hatte mit dem Ergebnis, dass nur bei einer sehr geringen Anzahl von Übergriffen überhaupt ein Grundschutz vorhanden war. Auch Konstantin Müller, Biologe, Tierarzt und stv. NI-Vorsitzender betonte, dass die natürliche Populationsentwicklung nicht zum Tragen komme, wenn Individuen entnommen werden oder verunfallten. Eine Population gleiche den Verlust von Exemplaren durch erhöhte Reproduktion aus. Bei einer Sättigung des Tierbestandes würde die Reproduktion auf natürliche Weise vermindert, so der Experte.

Europäische Wildkatze – Leitart im Nationalen Naturerbe

Die reich strukturierten, mit altem Wald bedeckten und störungsarmen Naturerbeflächen bieten der Europäischen Wildkatze einen hervorragend geeigneten Lebensraum. Zahlreiche Beobachtungen, auch von Reproduktion auf dem Gelände, sprechen für sich. Gabriele Neumann erläuterte den Teilnehmern die Ansprüche der Wildkatze an ihre Umgebung und ihre Lebensweise in den wilden Wäldern. Mit ihrer Besiedlung des Gebietes zeigt sie als Leitart die hohe Wertigkeit des Geländes in Bezug auf die Biodiversität an.

Mit lang anhaltendem Beifall bedankten sich die begeisterten Teilnehmer für diese vielseitige, erlebnisreiche und fachfachlich exzellente Exkursion in das wilde Paradies des Nationalen Naturerbes Stegskopf.

Die Exkursionsgruppe der Naturschutzinitiative e.V. (NI) im Nationalen Naturerbe Stegskopf. Foto: privat Foto: HARRY NEUMANN

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