Allgemeine Berichte | 14.11.2017

Architektur- und Landschaftsfotografie ohne digitale Bearbeitung ausgezeichnet

Ein würdiger Preisträger

Fotograf Boris Becker erhielt den AKM-Kunstpreis

Dem ausgezeichneten Fotografen Boris Becker (3. v. l.) gratulierten (v. l.) Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz, Minister Konrad Wolf, Matthias von der Bank, Oberbürgermeister Hofmann-Göttig und Elisabeth Hansen. BSB

Koblenz. Ein neuer Name – dieselbe Intention. Aus dem Hanns-Sprung-Preis wurde der AKM-Kunstpreis. Er gilt als Auszeichnung von Künstlern für Künstler und wird seit 1974 an verdiente Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein (AKM) verliehen. Die Gemeinschaft entschloss sich zu der Geste der Umbenennung, um sich von der politischen Vergangenheit des bedeutenden Koblenzer Malers Hanns Sprung (1884-1948) zu distanzieren. 1929 war er der NSDAP beigetreten. Die durch den neuen, unbelasteten Namen „AKM-Kunstpreis“ gewandelte Auszeichnung ging jetzt an den namhaften Kölner Fotografen Boris Becker. Zur Verleihungszeremonie im Foyer des Forum Confluentes hatten eingeladen die AKM, das Mittelrhein-Museum Koblenz sowie die Stadt Koblenz. „Johnny left the Band“, eine Musikgruppierung der Musikschule der Stadt Koblenz trug mit sanften Popsongs und kräftigen Stimmen ihren Teil dazu bei, der Veranstaltung den gebotenen festlichen Rahmen zu bereiten. Der Begrüßung durch Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, selbst begeisterter Hobbyfotograf mit einem Faible für Landschaftsfotografie, folgte die Eröffnungsansprache durch die Erste Vorsitzende der AKM, Elisabeth Hansen, mit Danksagungen für die vielen Unterstützer der Arbeitsgemeinschaft. Zudem stellte sie die der Umbenennung geschuldete neu geschaffene Plastik des Kunstpreises vor. Den Entwurf dafür schuf das der Veranstaltung beiwohnende Ehrenmitglied der AKM, der neunzigjährige Koblenzer Künstler Heijo Hangen, der im Jahr 2013 selber noch mit dem Hanns-Sprung-Preis geehrt wurde und einen eigenen Raum im Mittelrhein-Museum eingeräumt bekam. Mit dem 1961 geborenen Boris Becker, lobte Hansen, sei ein würdiger Preisträger gefunden worden, der aufgrund seiner herausragenden künstlerischen Leistung ausgezeichnet werde.

Beckers Arbeiten beeindrucken

Beeindruckt von Beckers Architektur- und Landschafts-Fotografien zeigte sich auch Prof. Dr. Konrad Wolf, Kulturminister des Landes Rheinland-Pfalz, das mit dem Ankauf des Werkes „Kontrollraum“ die Arbeit des Fotokünstlers würdigte. Laudator Dr. Matthias von der Bank, Direktor des Mittelrhein-Museums, freute sich, ab diesem Tag eine Kabinettausstellung mit sieben großformatigen Arbeiten des Preisträgers im Hangen-Raum des Museums präsentieren zu können. Seine Lobrede galt gleichermaßen dem Künstler wie der hohen Kunst der Fotografie. Die Komposition eines Bildes sei für einen guten Fotografen ein künstlerischer und Mühe kostender Akt. Und Becker ist ein guter. Bei zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland erfährt er große Aufmerksamkeit. Im Jahr 2012 hatte er im AKM-Künstlerhaus Metternich seine erste und einzige Einzelausstellung in Koblenz. Er ist ein Fotograf, den die Auslotung der Grenzen der Möglichkeiten der Fotografie reizt. Für den richtigen Moment des Auslösens wägt er nicht nur die Perspektive des Motivs und die Belichtung gründlich ab, sondern räumt des Effektes wegen drumherum gerne einmal ordentlich, aber nie vollkommen auf. Seine Fotografien verlieren einen rein abbildenden Anspruch, wie er selber es formuliert.

Zwischen Realität und Abstraktion

Es entstehen Bilder zwischen Realität und Abstraktion, in denen Flächen, Farben und Formen die tragenden Elemente sind. Die Funktion der abgelichteten, aus ihrer Umgebung herausgelösten Objekte erscheine, so von der Bank, oft rätselhaft oder sei schon lange verloren gegangen. Die elementare Wucht der Fotografien verleihe den Objekten etwas, das über das Sachliche hinausgehe. Seine Werke seien mehrschichtig und detailreich, sie erzählten nichts, deuteten nur an und lösten oftmals Irritationen beim Betrachter aus. Boris Beckers Stil wurde, wie der einer ganzen Generation von Fotografen, unter anderem geprägt von dem renommierten Fotografen, Prof. Bernd Becher, bei dem Becker sechs Jahre lang an der Kunstakademie Düsseldorf Fotografie studierte. Von der Bank glaubte, auch Einflüsse des experimentellen Filmemachers Wolfgang Ramsbott in seinen Fotografien auszumachen. Bei ihm studierte Boris Becker zwei Jahre lang an der Hochschule der Künste in Berlin. Während der gemeinsam mit den Gästen unternommenen Ausstellungsbesichtigung bedankte sich Boris Becker für die Auszeichnung mit dem AKM-Kunstpreis. Er freue sich über die mit dem Preis verbundene Wertschätzung von „Leuten, die wissen, was Kunst ist“. Mit seinen, ohne digitale Bearbeitung auskommenden Arbeiten wolle er Landschaft und Architektur sowie ihrer beider Verzahnung zeigen. Ihn fasziniere bei Motiven, die er findet oder die ihn finden, die Wandlung des Realen in die Surrealität.

Sonderausstellung

Seine Fotografien zeigt die Sonderausstellung „Boris Becker. Architektur- und Landschaftsfotografie“ noch bis zum 28. Januar 2018. Am 19. November 2017 und am 28. Januar 2018 wird jeweils um 15 Uhr eine Künstlerführung mit Erläuterungen des Fotografen Boris Becker angeboten. BSB

Minister Wolf nahm das frisch erworbene Becker-Kunstwerk „Kontrollraum“ schon einmal genau in Augenschein.

Minister Wolf nahm das frisch erworbene Becker-Kunstwerk „Kontrollraum“ schon einmal genau in Augenschein.

„Johnny left the Band“ lieferte eine gelungene musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

„Johnny left the Band“ lieferte eine gelungene musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

Auch Hanns-Sprung-Preisträger Heijo Hangen durfte sich über einen neuen AKM-Kunstpreis freuen.

Auch Hanns-Sprung-Preisträger Heijo Hangen durfte sich über einen neuen AKM-Kunstpreis freuen.

Dem ausgezeichneten Fotografen Boris Becker (3. v. l.) gratulierten (v. l.) Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz, Minister Konrad Wolf, Matthias von der Bank, Oberbürgermeister Hofmann-Göttig und Elisabeth Hansen.Fotos: BSB

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