Jürgen Friedrich Donecker erlebte die Brückensprengung am 9. März 1945
Eindrucksvolles Gedenken
Neuwied-Engers. Am Samstagmorgen, 7.30 Uhr am 9. März läuteten die Kirchenglocken von Urmitz und Engers. Viele fragten sich, warum. Es war exakt der Zeitpunkt, an dem vor nunmehr 79 Jahren die Rheinbrücke Engers-Urmitz gesprengt wurde, obwohl sich noch Menschen, Tiere und Gerät auf der Brücke befanden, die in den Rhein stürzten.
Jahrelange Recherchen der Iniativgruppe , Zeit- und Augenzeugen, zwei Besuche beim amerikanischen General Albin F. Irzyk in Florida, der den Angriffsbefehl auf die Brücke hatte und eindrucksvoll das Geschehen vor Ort und die Sprengung vom Turm seines Panzers sah, belegen die Sprengung und die damit verbundenen Opfer. General Irzyk dokumentierte das grausige Geschehen, das aber immer mehr in Vergessenheit gerät, in seinen Büchern und Kriegserinnerungen.
Etwa 30 Personen waren zum Gedenken gekommen, für die Kirchen Mona Hamann und Pfarrer Peter Dörrenbecher, von politischer Seite Kreisbeigeordneter Wittlich und Bürgermeister Jung. Werner Johann Keßler, der mit Peter Hünermann das Gedenken organisierte, begrüßte besonders herzlich den 94-jährigen Jürgen Friedrich Donecker, der als Hitlerjunge die Sprengung erlebte und teils unter Tränen berichtete.
Werner Johann Keßler: „Ich habe Jahrzehnte Geschichtsunterricht erteilt und meinen Schülern immer wieder gesagt: Die Welt wird besser, die Menschen werden vernünftiger und irgendwann wird es keinen Hunger mehr und keine Kriege mehr geben. Ich habe auf die Aufklärung hingewiesen, auf den Philosophen Kant und unser Denken, welches uns aus Abhängigkeiten zum Frieden führt. Der Angriffskrieg auf die Ukraine, die Opfer in Israel und im Gazastreifen widerlegen diese Hoffnungen. Wir stellen uns gegen das Vergessen und erinnern, was hier vor Ort vor 79 Jahren geschehen ist, ganz im Sinne unseres früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 den Tag der Kapitulation als Tag der Befreiung nannte und sagte: ‚Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, wird anfällig für neue Ansteckungsgefahren“. Keßler weiter: „Wenn wir den wiedererstandenen braunen Sumpf und das völkische Denken in unserer Gegenwart bedenken, der sogar Einzug in unsere Parlamente gehalten hat, mache ich mir große Sorgen“.
