Allgemeine Berichte | 08.02.2017

Hans-Georg „Schorsch“ Preiß übergibt das Wehrführeramt an Stefan Walter

Eine Ära geht zu Ende

Hans-Georg Preiß wurde im Rahmen seiner Verabschiedung in die Alterswehr auch zum Ehrenwehrführer ernannt. Fotos: DL

Leubsdorf. Nicht wie üblich Grün, sondern Blau herrschte vor im Schützenhaus von Leubsdorf am Freitagabend, denn nicht die Sebastianer, die Freiwillige Feuerwehr des Ortes hatte zu einer großen Feier eingeladen, die vom Musikzug der Leubsdorfer Feuerwehr mit Märschen gerahmt wurde. Immerhin ging mit der Verabschiedung ihres Wehrführer Hans-Georg „Schorsch“ Preiß eine Ära zu Ende. Entsprechend konnte dieser nicht nur den Chef der Linzer Wehr, Verbandsbürgermeister Hans Günter Fischer, Wehrleiter Thomas Nelles mit seinem Stellvertreter Christoph Teuner und Ortsbürgermeister Achim Pohlen unter den rund 130 Gästen begrüßen. Ins Schützenhaus gekommen waren auch neben den Leubsdorfer Kameraden um Ehrenwehrführer Erich Menden, Delegationen der benachbarten Löschzüge, etliche Feuerwehrfreunde aus dem Moselort Neumagen-Dhron sowie Freunde der Familie Preiß.

„Einen Wehrführerwechsel feiert man schließlich nicht alle Tage, denn dieses Amt, für das man ja erst einmal geeignet sein muss, übernimmt man ja nicht aus einer Laune heraus“, begründete Hans-Georg Preiß das Fest. Man müsse zudem ständig Lehrgänge absolvieren, um auf dem neusten Stand zu sein und sicher schnelle Entscheidungen treffen zu können. „Mit 13 Jahren bin ich in den Musikzug eingetreten und habe mich in dieser Gemeinschaft angesichts des dort herrschenden harmonischen Miteinanders immer sehr wohl gefühlt“, berichtete der scheidende Wehrführer, der damit auf 50 Jahre Feuerwehr-Zugehörigkeit zurückblicken kann.

„Ich habe das Amt als Wehrführer gerne ausgeführt und diesen Schritt nie bereut. Es waren schöne Jahre“, betonte Hans-Georg Preiß. Dabei gestand er ein, dass es nicht immer leicht gewesen sei mit ihm. Aber wenn er einmal laut geworden sei, dann immer zum Wohle der Feuerwehr, die seine „Familie“ gewesen sei. „Die ganze Mannschaft ist mit ans Herz gewachsen, den ohne Euer Engagement hätten wir den Schutz der Bevölkerung nicht gewährleisten können“, dankte er den Kameraden, die ihn nie im Stich gelassen hätten. Aber auch auf die Frauen sei Verlass gewesen, ergänzte er, um dann seiner Familie, den Kindern Stefanie und Andreas, vor allem aber seiner Frau Marlene, der „Mutter der Kompanie“, die stets parat gestanden habe, wenn sie von ihm gerufen worden sei. „Die Feuerwehr war ein Großteil unseres Lebens. Ich habe alles getan, um heute eine schlagfertige und kameradschaftliche Truppe an meinen ehemalige Stellvertreter Stefan Walter zu übergeben. Nur Einigkeit macht stark und nur mit dieser kann man eine Mannschaft führen“, gab Hans-Georg Preiß seinem Nachfolger mit seinem Motto mit auf den Weg.

„Es ist soweit! Der Führerwechsel rückt immer näher. Damit geht eine Ära zu Ende, die vor zwölf Jahren und 364 Tagen begonnen hat“, rechnete Thomas Nelles hoch, um sich dann den Anfängen der Feuerwehraktivitäten „vom Schorsch“ zu widmen. Der startete am 15. Februar 1967 als Klarinettist im Musikzug, dem er 20 Jahre die Treue hielt. Mit 16 Jahren, am 24. Februar, 1970 trat er dann in den aktiven Dienst beim Löschzug ein. „Am 22. März 1985 wurde Brandmeister Hans-Georg Preiß dann stellvertretender Wehrführer, am 25. August 2001 ernannten ihn dann VG-Chef Klaus Hannuschke und Wehrleiter Hans-Dieter Reufels zum Wehrführer“, so Thomas Nelles. Mit Horst Knospe, Dieter Reufels, Horst Piovesan und ihm habe der Wehrführer, der 2006 die Führungsstaffel mitbegründet hatte, mit vier Linzer Wehrleitern zusammengearbeitet. In seine Ägide fielen etwa der Erweiterungsbau des Feuerwehrgerätehauses und die Übertragung der Wasserrettung. „Daneben hat dir die Kameradschaftspflege besonders am Herzen gelegen. Alle Generationen müssen zusammenhalten, war dein Grundsatz, den du vorgelebt hast“, hob Thomas Nelles hervor, um sich dann kurz der Zukunft des Leubsdorfer Löschzugs ohne Hans-Georg Preiß zu widmen. Da habe dieser intensiv vorgesorgt. Über seinen Nachfolger Stefan Walter müsse man nichts sagen, sei dieser doch längst kreisweit in Feuerwehrkreisen bekannt. Der stellvertretende Wehrführer Markus Schmitt sei ein Senkrechtstarter. Immerhin sei der gebürtige Dattenberger erst 2011 verpflichtet worden, verriet er Wehrleiter.

„Mit größtem Respekt würdigen wir heute ein Leben mit und für die Feuerwehr. Fast auf den Tag genau 50 Jahre ist Hans-Georg Preiß mit jeder Faser Feuerwehrkamerad gewesen“, so Hans Günter Fischer. Neben seiner fachlichen Kompetenz sei der Leubsdorfer vor allem ein Paradebeispiel für menschliche Qualitäten. Als Beispiel diente dem Chef der Wehr dafür die Besetzung der Wehrleiterstelle im Herbst 2010. „Bei der Nachfolge von Horst Piovesan hat Schorsch Preiß unheimliche Souveränität bewiesen und auf eine Kampfkandidatur gegen Thomas Nelles verzichtet, eine bärenstarke Geste, die belegt, dass er ein Kamerad ist, der an das Ganze denkt“, lobte der VG-Chef den scheidenden Wehrführer. Mit seiner Entlassung aus dem Ehrenbeamtenverhältnis gehe eine ungemein erfolgreiche Ära eines von Kameradschaft geprägten Löschzugs zu Ende, in dem sich jeder auf den anderen verlassen konnte, eben weil das Klima gestimmt habe.

„Du hinterlässt ein bestens bestelltes Haus“, lobte Hans Günter Fischer unmittelbar vor der Entlassung Hans-Georg Preiß. Zusammen mit Thomas Nelles überreichte er diesem die Dankesurkunde in Anerkennung seiner herausragenden Leistungen, während er das Abschieds-„Kuvert“ Marlene Preiß anvertraute.

Mit langanhaltenden, stehenden Ovationen zollten die Gäste dem Ex-Wehrführer ihren Respekt und Dank, bevor der Chef der Wehr dessen Nachfolger vorstellte. Im März 2012 war Oberbrandmeister Stefan Walter zum stellvertretenden Wehrführer des Löschzugs ernannt worden, dem er erst seit zehn Jahre angehört. „Eine beachtliche Karriere. Auf Grund deiner menschlichen und fachlichen Stärke ist der Löschzug bei dir in guten Händen“, war sich Hans Günter Fischer sicher, bevor er auf Stefan Walter auf Vorschlag der Kameraden auf zehn Jahre zum Wehrführer ernannte. Beachtliches habe auch Markus Schmitt erreicht. Immerhin haben ihm seine Kameraden beachtliches Vertrauen entgegengebracht, indem sie den Oberfeuerwehrmann als stellvertretenden Wehrführer vorgeschlagen haben. „Du wirst die Ausbildung zum Wehrführer noch nachholen, angesichts deiner Blitzkarriere eine leichte Hürde“, so der VG-Chef nachdem der neue Amtsträger den Eid auf die Verfassung geleistet hatte.

Damit aber war der offizielle Teil des Abends noch nicht beendet. Um dem Abschied von Hans-Georg Preiß etwas von der Wehmut zu nehmen, ernannte Thomas Nelles diesen zum Ehrenwehrführer. Außerdem überreicht ihm Hans Günter Fischer als Ehrengabe den Wappenteller der Linzer Wehr, da der Leubsdorfer diese stets weiterentwickelt und ihre technische Ausstattung innovativ gefördert habe. „Ich habe Stefan mit 60 Jahren gesagt, dass ich noch drei Jahre weitermache. Wir haben eine schöne Zeit zusammen gehabt. Jetzt kann ich Euch beiden nur noch alles Gute wünschen“, so der neue Ehrenwehrführer.

Damit wollte sich Ortsbürgermeister Achim Pohlen hinsichtlich des „Feuerwehr-Pensionärs“ nicht begnügen. Nach jahrelangem Studium des Feuerwehr-Fuhrparks überreichte er Hans-Georg Preiß einen GTW, einen kleinen Gutschein-Transportwagen für den Besuch eines von dem Ehepaar bevorzugten Hotel. „Du hast mit ‚dinge Junge‘ auch für die Anliegen des Ortes immer verlässlich, bereitwillig und kompetent zur Verfügung gestanden, während die Gespräche mit dir stets zielführend von Kompromissbereitschaft geprägt waren“, erinnerte der Orts-Chef. Aus den Augen, aus dem Sinn werde der Ehrenwehrführer auf keinen Fall sein, denn: „Kameradschaft, Freud und Ehr gibt's auch in der Alterswehr“, schickte ihn Achim Pohlen in die Feuerwehrzeit als inaktiver.

DL

Eine Ära geht zu Ende

Hans-Georg Preiß wurde im Rahmen seiner Verabschiedung in die Alterswehr auch zum Ehrenwehrführer ernannt. Fotos: DL

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