Der Eifelverein Remagen auf Wanderschaft
„Eine Ente kippte das Programm“
Remagen. Es gibt sicher nur wenige Gemeinden in Deutschland, in denen die Steinmetzkunst noch heute so hoch in Blüte steht wie in dem kleinen Ort Weibern im oberen Brohltal. Insbesondere der dort reichlich und in bester Qualität vorhandene vulkanische Tuffstein bot seit jeher beste Voraussetzungen für dieses schöne Gewerbe, von dem früher der größte Teil der örtlichen Bevölkerung lebte. Den kunstvollen Steinmetzarbeiten an und in Gebäuden und ungezählten Wegekreuzen in der ganzen Landschaft galt das besondere Augenmerk der Remagener Eifelfreunde auf ihrem Rundweg von Weibern über Wabern nach Kempenich und zurück. Schon in Weibern fielen zwei kleine Brücken über den örtlichen Bach auf.
Andernorts hätte man dafür schlichte Betonkonstruktionen gewählt. Hier sind es Brücken aus filigran bearbeiteten Tuffsteinen. Im Ortsteil Wabern steht sogar seit 2012 eine 5 Meter hohe, sehenswerte „Bürgersäule“ zum bleibenden Schmuck und Ausdruck der Zusammengehörigkeit aller Bürger. 36 Tuffstein-Felder der Säule wurden von den ortsansässigen Familien eigenhändig bearbeitet. Sie nehmen Bezug zur Region. Mal sind es Blätter, Blüten oder Früchte, mal ein Traktor und sogar eine Dampflok der 1976 abgebauten Schmalspurbahn ist dabei.
Die alten Kapellen von Wabern und Morswiesen waren entgegenkommenderweise für die Wandergruppe geöffnet und wurden ebenso bewundert wie die an den Außenwänden befindlichen Basaltkreuze. Die erstmals 1330 erwähnte, heute vierschiffige Hallenkirche in Kempenich überraschte durch ihre Größe und das kunstvolle Kreuzrippengewölbe. Mit den Früchten der Region war die Kirche zum Erntedankfest vor dem Altar prächtig geschmückt.
Zurück in Weibern kamen die Wanderer in der Ortsmitte an der auffallenden, gute 7 Meter hohen und erst kürzlich renovierten Mariensäule vorbei. Unübersehbar trägt sie die Aufschrift „Du bist gebenedeit unter den Weibern“. Der Bibelspruch (Lukas 1,28) ist im Ave Maria enthalten.
Hier aber wurde er bestimmt augenzwinkernd auch gewählt aus Freude, so den eigenen Ortsnamen an der Säule anbringen zu können. Am 1. Mai 1885 sollte die Säule festlich eingeweiht werden. Es ging nicht. Eine Entenmutter hatte am Sockel der Säule inzwischen ihr Nest gebaut und brütete. So wurde die Einweihung kurzerhand verschoben bis die Küken geschlüpft waren und die Ente mit ihnen davonwatscheln konnte.
