VHS Meckenheim Rheinbach Swistal mit Wachtberg
Eine Reise in die Vergangenheit
Besuch des Kanzlerbungalows in Bonn
Rheinbach. Eine Reise in die Vergangenheit stand im März bei der Volkshochschule Meckenheim Rheinbach Swisttal mit Wachtberg an. Beim Besuch des am Rhein in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Bundeskanzleramt gelegenen Kanzlerbungalows in Bonn konnten sich die Teilnehmenden in die Bonner Republik zurückversetzt fühlen. Nun besichtigten sie selbst den Bungalow, der bis 1999 lediglich von Regierungsmitgliedern und Staatsgästen betreten werden konnte.
Das Gebäude gilt als bedeutendes Beispiel der 1960er-Jahre-Architektur. Der von Ludwig Erhard in Auftrag gegebene und vom Architekten Sep Ruf entworfene Bungalow sollte die weltoffene und moderne Gesinnung der noch jungen Bundesrepublik Deutschland symbolisieren. Gleichwohl konnte der Museumsführer, Herr Lövenich, berichten, dass sich nicht alle Kanzler mit dem Gebäude anfreunden konnten.
Beengter Privatbereich
Während der zu Repräsentationszwecken genutzte Teil des Gebäudes durch die bodentiefen, großen Glaswände mit Blick zum Rhein noch eine Weitläufigkeit und Offenheit spüren lassen und die Besucher beeindruckte, erschraken die VHS-Teilnehmenden beim Betreten des Privatbereiches der Kanzler ob seiner Beengtheit.
Sie konnten nachvollziehen, warum Bundeskanzler Kohl diesen Bereich des Gebäudes als „absurd“ bezeichnete und Bundeskanzler Brandt erst gar nicht den privaten Bereich des Bungalows bezog – Brandt ließ sich dafür ärztlich bescheinigen, dass das Bonner Rheinklima ihm schade. Bundeskanzler Adenauer soll geäußert haben, der Architekt verdiene zehn Jahre.
Und dennoch symbolisieren der Stil des Gebäudes, die Außenanlagen und die von den jeweiligen Bundeskanzlern durchgeführten Umgestaltungen und Umbauten die komplexe Welt zur Zeit der Bonner Republik wie kein anderes Gebäude. Die gewünschte Transparenz und Offenheit nach dem Zweiten Weltkrieg und das Wiederaufatmen der Bundesrepublik spiegeln sich in der durchscheinenden Optik des repräsentativen Teils wieder.
Panzerglasscheiben aus der RAF-Zeit
Die Enge des privaten Bereichs verdeutlicht jedoch die auferlegten Schranken in der Gesellschaft, die während der RAF-Zeit aufgebauten Panzerglasscheiben im Garten vergegenwärtigten zudem die stets bestehenden Bedrohungen. Gleichwohl verließen in einer lauen Sommernacht 1989 die beiden Staatsherren Kohl und Gorbatschow den durch die Panzerglasscheiben geschützten Bereich des Gartens des Kanzlerbungalows, um sich auf einer Grundstücksmauer zur Rheinpromenade niederzulassen und sich über die Geschichte Deutschlands zu unterhalten. Die VHS-Teilnehmer erfuhren, dass Kohl hierbei mit Blick auf den Rhein seinem Gesprächspartner aus dem Kreml gesagt haben soll: „Die Deutsche Einheit wird so sicher kommen, wie der Rhein zum Meer fließt.“ Wie man heute weiß, wurde die Prophezeiung wahr, und die weiteren Ereignisse des Jahres 1989 können als Beginn des Endes der „Bonner Republik“ bezeichnet werden.
Beim Verlassen des geschichtsträchtigen Ortes durch die Einfahrt zum ehemaligen Bundeskanzleramt bedankte sich ein Teilnehmer beim VHS-Direktor für die Organisation dieses Ausflugs in die Bonner Geschichte; zugleich bemerkte er mit dem Blick auf das WorldConferenceCenterBonn (WCCB), den von der UN nun genutzten Langen Eugen und den Post Tower, dass Bonn sich entgegen aller früheren Erwartungen doch sehr positiv weiterentwickelt hätte und von seiner Geschichte hätte emanzipieren können, ohne die Wurzeln zu vergessen.
Fahrt nach Bonn im Juni
Vom 23. bis 26. Juni wird die VHS die Berliner Republik besuchen. Auf dem Programm stehen das Bundeskanzleramt, das neue Berlin zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz, das alte Charlottenburg, die Museumsinsel und das berühmte Museum für Naturkunde. Anmeldungen sind in der VHS-Geschäftsstelle noch möglich. Kontakt: Adrian Grüter, Schweigelstraße 21, 53359 Rheinbach, Tel. (0 22 26) 92 19 20, Email adrian.grueter@vhs-rheinbach.de. Pressemitteilung
VHS Meckenheim Rheinbach Swistal mit Wachtberg
