Allgemeine Berichte | 10.10.2018

Auf den Spuren des Glases und der Sudetendeutschen in Rheinbach

„Eine abwechslungs- reiche Reise in die Geschichte“

Silviana Stubig-Buchstab, vorne, erzählt den Teilnehmern vor der Kirche Interessantes zur Integration der Sudetendeutschen. Rechts außen: Stadtführer Wilfried Skupnik.Stadtarchiv Rheinbach

Rheinbach. Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals lud der Eifel- und Heimatverein Rheinbach gemeinsam mit dem Stadtarchiv Rheinbach zu einem Stadtspaziergang zum Thema „Glas und Sudetendeutsche in Rheinbach“ ein. Rund 80 Interessierte, verteilt auf zwei Führungen, bekamen zunächst im Innenhof des Himmeroder Hofes eine kurze Einführung in das Thema Glas durch die neue Stadtführerin Birgit Preywisch-Schrick. Anschließend stellte sie auch Repliken von römischen Glasfunden aus Flerzheim vor. Die Frage, wie die Sudetendeutschen in ihrer alten Heimat Steinschönau und Haida lebten, beleuchtete dann Dr. Wilfried Skupnik in der Sudetendeutschen Stube im Glasmuseum. Hier hat die Ortsgruppe Rheinbach der Sudetendeutschen Landschaft, die sich 2008 auflöste, viele Gegenstände und Fotodokumente zusammengetragen, die den Interessierten ein anschauliches Bild von der Heimat der Sudetendeutschen, die von der Glasindustrie geprägt war, bieten. Ein zeitgenössisches Plakat, auf dem der an die deutsche Bevölkerung gerichtete Befehl zur Ausreise am 20. Juni 1945 abgedruckt ist, markiert den Beginn der Vertreibung. Die Betroffenen mussten von heute auf morgen ihre Häuser verlassen und durften nur das Allernötigste mitnehmen. Fanden die Ausgewiesenen zunächst verstreut in West- und Ostdeutschland Aufnahme, kam es dann schnell zu Kontakten nach Rheinbach. Die Stadt war bereit, mit Unterstützung der Landesregierung eine Anzahl von Glasveredlern mit ihren Werkstätten anzusiedeln.

Die Spuren des Glases

Einen eindrucksvollen Blick in eine noch existierende Glaswerkstatt konnte man anschließend bei einem Kurzbesuch in der Cristallerie Schönberg werfen, die seit 1980 in Rheinbach ansässig ist. Die Geschwister Schönberg erläuterten anschaulich die verschiedenen Techniken der Glasbearbeitung. Auch bestand hier die Möglichkeit, eine Glaskugel zu blasen. Die Führung ging dann weiter zur Ecke Wilhelmsplatz/Grabenstraße. Im Hinterhof dieses Gebäudes begann die Firma Palme 1947 wieder mit der Produktion ihrer weltberühmten Glaslüster. An dieser Stelle wurde die schwierige Nachkriegssituation deutlich, in der sich die zunächst rund zehn angesiedelten Glasveredlerbetriebe, aber auch die anderen Geschäfte und Unternehmen in Rheinbach standen. Unterstützung erhielten die von den Rheinbachern liebevoll „Glasblöser“ genannten Neubürger durch eine Aufbaustelle für die Nordböhmische Glasindustrie, die im Gastraum der damaligen Bäckerei und Wirtschaft Mostert (heute Bäckerei Mauel) untergebracht war. Gewürdigt wurde bei dem Rundgang aber auch Fritz Berg, der vor kurzem verstorben ist. „Fritz Berg, aber auch die anderen Glasbetriebe profitierten davon, dass die Bundeshauptstadt Bonn nur ein paar Kilometer entfernt war. Ihre hochwertige Ware, zumeist Einzelstücke, waren als Gastgeschenke unter anderem bei der Bundeswehr und beim Auswärtigen Amt äußerst beliebt“, erläuterte Dietmar Pertz, der ebenfalls einen Teil der Führung gestaltete.

Die Spuren der Sudetendeutschen

Den Punkt „Sudetendeutsche und deren Integration in Rheinbach“ thematisierte Dr. Silviana Stubig-Buchstab vor dem Gebäude gegenüber der Pfarrkirche. Hier, im damaligen Café Rogall, wurden die Sudetendeutschen in der ersten Zeit durch einen Mittagstisch verpflegt. Gekocht wurde bei den Schwestern Unserer Lieben Frau am Stadtpark. Die gemeinsame Liebe zum Karneval, im Sudetenland hieß dieses Fest Fasching, erleichterte sicher die Annäherung zwischen Rheinbachern und Neubürgern. Dann folgte ein Blick in die Pfarrkirche St. Martin mit ihren 1967 von der Firma Palme gestifteten Glaslüstern. „Sie haben übrigens die Glasleuchter in der Westminster Abbey als Vorbild,“ erläuterte Stadtführerin Birgit Preywisch-Schrick den überraschten Tourteilnehmern.

Der Stadtspaziergang endete vor dem ehemaligen Rathaus der Stadt am Voigtstor, das nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Glasfachschule, ab 1978 als erstes Glasmuseum der Stadt diente. Heute befindet sich hier ein Döner-Imbiss, aber das Stadtwappen über der Toreinfahrt erinnert noch an die Bedeutung dieses Gebäudes für die Aufbaujahre in Rheinbach. Das war der Abschluss einer abwechslungsreichen Reise in die Geschichte des Glases und der Sudetendeutschen Glasveredler in Rheinbach.

„Eine abwechslungs- reiche Reise in die Geschichte“

„Eine abwechslungs- reiche Reise in die Geschichte“

„Eine abwechslungs- reiche Reise in die Geschichte“

Silviana Stubig-Buchstab, vorne, erzählt den Teilnehmern vor der Kirche Interessantes zur Integration der Sudetendeutschen. Rechts außen: Stadtführer Wilfried Skupnik.Fotos: Stadtarchiv Rheinbach

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