Allgemeine Berichte | 07.03.2017

Schlaraffia Confluentia enthüllt Denkmalhinweis-Schild

Eine beeindruckende Historie

Der Enthüllung der Denkmal-Hinweistafel durch Margit Theis-Scholz (4. v. li.) wohnten (v. li.) David Langner, Marion Mühlbauer, Detlef Schöning, Bert Flöck, Wolfram Heidelmayer und Gustel Ferrari bei. BSB

Koblenz-Ehrenbreitstein. Nun hat sie endlich ihre wohl verdiente Krone, die ehemalige Pallottiner-Kapelle in der Charlottenstraße/Ecke Obertal in Koblenz-Ehrenbreitstein. Nach rund vier Jahren eifrigster und zunächst erfolgloser Bemühungen des Nutzers, des Vereins „Schlaraffia Confluentia“ (S.C.), ist es letztlich Dr. Margit Theis-Scholz, der Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, zu verdanken, dass die historische Kapelle jetzt mit einer städtischen Denkmal-Hinweistafel deutlich sichtbar als Denkmal gekennzeichnet ist. Die Anbringung des Schildes durchzusetzen, gelang ihr im Einvernehmen mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Koblenz sowie dem Auftrag gebenden Eigentümer, der Koblenzer Wohnungsbau GmbH, einer Eigengesellschaft der Stadt. Die Vereinsstätte nun so geschmückt zu sehen, freut besonders Detlef Schöning, den ersten Vorsitzenden des „S.C.“. Schlaraffia Confluentia ist der Koblenzer „Ableger“ des 1859 in Prag gegründeten Männer-Bundes, der in der Kapelle seit 1991 seine wöchentlichen, nur für Mitglieder offenen und der Pflege der Kunst und des Humors gewidmeten Zusammenkünfte abhält. Für Schöning und seine „Schlaraffen“ zählt das Gebäude klar zu den Koblenzer Schätzen. Wolfram Heidelmayer, Erster Vorsitzender des Fördervereins zum Erhalt der ehemaligen Pallottiner Kapelle, machte im Rahmen der Enthüllungszeremonie den historischen Wert des Gebäudes deutlich.

Als Privathäuser geplant

Der aus drei Häusern bestehende Kapellenkomplex wurde von 1768 bis 1770 nach Plänen des Barockbaumeisters Johannes Seitz als Privathäuser erbaut. Das Anwesen gelangte später in den Besitz der Familie des Justiz-, Regierungs- und Obergerichtsrates Franz Reinhard. Dieser großbürgerliche Wohnsitz soll ein Zentrum des rheinischen Katholizismus im Kulturkampf gegen die evangelischen Preußen, gegen Kaiser und Reich gewesen sein. 1883 errichtete Familie Reinhard im Bereich des Gebäude-Ensembles eine Kapelle, in der regelmäßig Gottesdienste stattfanden. Zehn Jahre später, nach dem Tode Franz Reinhards, überließ die Familie das Anwesen zur Nutzung dem Pallottinerorden, der hier eine gymnasiale Klosterschule eröffnete und außer dem Missionare ausbildete. 1903 ließen die Pallottiner zwischen der Urkapelle und dem barocken Vorderhaus eine neugotische Kapellenerweiterung einfügen. Zwei Jahre darauf übereigneten die Töchter Reinhards das gesamte Anwesen dem Bistum Trier.

Kurz vor dem Abriss

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es für die Pallottiner keine Nutzungsmöglichkeit mehr. DerGebäudekomplex diente zeitweise als Unterkunft für Flüchtlinge und zerfiel mehr und mehr zur Ruine. 1980 verkaufte das Bistum die Gebäude schließlich an die Stadt Koblenz. Die entschloss sich, den erwogenen Abriss zu verwerfen und statt dessen eine denkmalgerechte Sanierung des Ensembles mit Steuermitteln und Fördergeldern durchzuführen. Die Barockbauten wurden nun als Mietwohnungen hergerichtet und der Kapellen-Komplex ging mitsamt einem langfristigen Nutzungs- und Betreuungsvertrag im Jahr 1990 an „S.C.“. Nach der begleitenden Planung der nutzungsspezifischen Detailausstattung durch den Architekten Detlef Schöning, den heutigen ersten Vorsitzenden des S.C., der auch die Ausführung der aufwendigen Innenraumgestaltung beaufsichtigte, konnte der Verein schließlich am 9. November 1991 die feierliche Einweihung des baulichen Kleinods als Kulturstätte begehen. Die für die Arbeiten vom S.C. aufgebrachten Kosten beliefen sich auf 125.000 DM. Im Jahr 2015 wurde der mit der Koblenzer Wohnbau geschlossene Vertrag bis zum 31. Dezember 2030 verlängert. Den mit dem Vertrag verbundenen Auftrag, in dem Denkmal „Kultur zu erleben, Kultur zu veranstalten und Feste zu feiern“, es öffentlich zugänglich zu machen, erfüllen die „Schlaraffen“ seit dem Jahr 2004, nachdem sie den Förderverein zum Erhalt der ehemaligen Pallottiner-Kapelle (fepke) gründeten. Mit bis zu acht Benefizveranstaltungen pro Jahr und mit Unterstützung durch weitere Förderer ist auf diese Weise eine finanzielle Basis geschaffen worden, mit der die erforderlichen Innenrenovierungsmaßnahmen realisiert werden können. Teppichböden, Dämmung, Beleuchtung und vieles mehr wurden mit einer jährlichen Aufwendung von ein- bis zweitausend Euro instandgesetzt beziehungsweise komplett erneuert. Im vorigen Jahr erfolgte mit rund 20.000 Euro aus Mitteln des Fördervereins eine Grundrenovierung im Innenbereich des Gebäudes, die Verputz-, Anstrich-, Schreiner-, Sanitär- und eine Vielzahl weiterer Arbeiten umfasste. Nachdem die ehemalige Pallottiner-Kapelle nun auf eine so reiche Geschichte zurückblicken kann und schon derart viele Jahre von Schlaraffia Confluentia gehegt und gepflegt wird, hat sie ihr „Denkmal-Krönchen“ wahrlich verdient, insbesondere da sie schon seit dem Jahr 2004 als Kulturdenkmal anerkannt ist. In Anwesenheit etlicher Stadtratsmitglieder, interessierter Bürger und des Baudezernenten Bert Flöck, der sich genau wie die Kulturdezernentin sehr dankbar dafür zeigte, dass die Schlaraffen sich derart verantwortungsvoll mit viel Herzblut um den Erhalt des Denkmals kümmern, oblag es schließlich Theis-Scholz, die neben dem Eingang angebrachte Denkmal-Hinweistafel zu enthüllen. Nach der Gelegenheit zu einem kleinen Umtrunk startete in der Kapelle dann auch schon das nächste Benefizkonzert. Weil alte Bauten eigentlich eine ständige Baustelle sind, will der Förderverein zum Erhalt der ehemaligen Pallottiner-Kapelle auch weiterhin rührig sein und sich darum bemühen, durch das Angebot von Theateraufführungen, Lesungen und Konzerten jeglicher Art die „Renovierungskasse“ stets gut gefüllt zu halten.

BSB

Eine beeindruckende Historie
Eine beeindruckende Historie

Der Enthüllung der Denkmal-Hinweistafel durch Margit Theis-Scholz (4. v. li.) wohnten (v. li.) David Langner, Marion Mühlbauer, Detlef Schöning, Bert Flöck, Wolfram Heidelmayer und Gustel Ferrari bei. Fotos: BSB

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