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Der Bunte Kreis Rheinland e.V. setzt sich für besondere Frühchen wie Florian Rothoeft ein

„Eine kleine Handvoll Mensch“

„Eine kleine Handvoll Mensch“

Eine glückliche Familie: Daniel und Romanie Rothoeft mit dem kleinen Florian. Foto: privat

14.12.2018 - 13:47

Am 5. Mai sollte sie steigen, die Traumhochzeit von Daniel Rothoeft und seiner Verlobten Romanie. Jetzt wird es der 4. Mai. Allerdings ein ganzes Jahr später und mit einem besonderen Ehrengast. Wäre alles glatt gelaufen, hätte Florian Rothoeft nicht nur die Hochzeit seiner Eltern, sondern auch die Flitterwochen gemütlich schaukelnd im Bauch seiner Mutter miterlebt. Und erst einmal sah es auch ganz danach aus.

„Florian ist unser absolutes Wunschkind“, sagen Romanie und Daniel. Die beiden begeisterten Segler verlieben sich auf einem Törn vor Schottland und sind überglücklich, als Romanie ohne Probleme schwanger wird. „Die ersten Monate waren komplett unauffällig. Nur die üblichen Beschwerden, wie Morgenübelkeit“, erinnert sich Daniel. „Ansonsten ging es mir echt super“, sagt Romanie. Und so freuen sich die beiden auf ihre Hochzeit, die im siebten Monat stattfinden soll.

Doch es soll anders kommen. Bei einer Städtereise nach Berlin Ende März bekommt Romanie plötzlich Probleme. „Ich hatte starke Rückenschmerzen und flog zurück nach Köln, um meinen Frauenarzt aufzusuchen“, erzählt sie. Ein Ultraschall bestätigt: Florian ist für die errechnete Schwangerschaftswoche zu klein. Es besteht der Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung. Der Arzt ist besorgt, will Romanie jedoch noch nicht in die Klinik einweisen.

„Ich habe ihn dann relativ arglos gefragt, ob ich wieder zurück nach Berlin fliegen kann“, sagt Romanie. Doch die klare Antwort lautet: „Nein!“ Am nächsten Abend geht es der werdenden Mutter schlechter, zu den Schmerzen kommen Übelkeit und Erbrechen. Daniel fährt sie in die Klinik und tatsächlich leidet Romanie an einer schweren Form der Schwangerschaftsvergiftung mit HELLP-Syndrom. Dabei sind die Blutgerinnung und die Funktion der Leber gestört, was für Mutter und Kind zur Gefahr werden kann.


Ein Kampf von Tag zu Tag


Es ist die 24. Woche. Eine Zeit, in der man an alles andere denkt, nur nicht daran, dass das Kind jetzt kommt. „Ich habe mich im Krankenhaus von Tag zu Tag gekämpft, um die Geburt noch möglichst lange hinauszuzögern“, sagt Romanie. Zwei Wochen liegt sie bereits und ihre Werte entwickeln sich so gut, dass die Ärzte optimistisch sind. „Am Abend des 10. April bin ich mit dem Gedanken nach Hause gefahren, dass wir die 30. Woche schaffen können. Ab da ist das Risiko, ein Kind zu verlieren, sehr viel geringer“, sagt Daniel.

Am Tag darauf dann das böse Erwachen. Romanies Werte sind im Keller. Florian muss sofort geholt werden. Romanies erster Gedanke: „Wir können doch den Kleinen jetzt nicht holen, wegen ein paar Rückenschmerzen und schon gar nicht ohne Daniel.“ Nach einigen Versuchen erreicht sie ihren Mann auf der Arbeit. „Ich bin in einem Affentempo durch die Stadt geheizt“, erinnert der sich. Gerade rechtzeitig kommt er in der Klinik an und kurz darauf ist Florian schon da. Ein winziges Baby - 650 Gramm und 32 Zentimeter lang. Er wird versorgt und auf den Bauch seiner Mutter gelegt. Eine kleine Handvoll Mensch, mit einer Haut wie Pergament. Zum Schutz ist er in eine Folie eingewickelt. Trotz allem kommen Mutter und Kind etwas zur Ruhe und schlafen ein. „Nach einer Stunde ging es dann mit der ganzen Karawane auf die Intensivstation im zweiten Stock. Romanie und Florian wurden im Bett geschoben, die ganzen Versorgungsmaschinen und Monitore auf Rädern drumherum“, erinnert sich Daniel.

Eineinhalb Monate soll Florian nun im Inkubator verbringen, ein Bettchen mit einem Glasüberbau, in dem Wärme und Luftfeuchtigkeit geregelt werden können. Romanie muss wegen der Schwangerschaftsvergiftung noch überwacht werden, darf aber am nächsten Tag zu ihm. Eine Schwester ermutigt Romanie: „Sie können ihn ruhig anfassen.“ Doch das fällt der jungen Mutter alles andere als leicht. Sie öffnet den Inkubator, streckt ihre Hände nach ihrem Sohn aus, traut sich aber nicht, ihn zu berühren. Größer als die Sehnsucht, ist die Angst, ihn zu verletzen. Ihn zu verlieren.


Hoffnung, die Mut macht


„Die Hoffnung hat uns von Tag zu Tag getragen“, sagt Daniel. „Abends bin ich mit dem Gefühl nach Hause gefahren, einen weiteren Tag geschafft zu haben. Nur um dann nach einer unruhigen Nacht aufzustehen, mit dem bangen Gedanken: was passiert heute.“ Die beiden erleben, wie es anderen Eltern mit Frühgeborenen auf der Station geht und welche Komplikationen es geben kann. Irgendwann ist es auch bei Florian so weit. Eine Luftblase hat sich zwischen Rippe und Lunge bildet und hindert ihn am Atmen. Er muss sofort operiert werden. „Eine schreckliche Situation.“ Aber Florian schafft es.

Die Ärzte und Schwestern kümmern sich fachlich und menschlich hervorragend um Florian und sind auch für seine Eltern immer da. Seine Eltern geben einander Halt und versuchen, sich einzubringen. „Romanie wohnte mit auf der Station und hat quasi eine kleine Pflege-Ausbildung absolviert“, erzählt Daniel. Schnell verliert sie ihre Scheu, stellt Fragen und lässt sich vieles zeigen, um sich selbst um Florian kümmern zu können. „Alleine eine Windel zu wechseln, ist bei so einem zarten kleinen Kind eine große Herausforderung“, sagt sie. Aber die Eltern tauschen auch den Pulsoxymeter, der Florians Werte am Fuß misst oder hängen die Spritze der Magensonde ab. „Es war einfach gut, etwas tun zu können.“

Eines Tages öffnet Florian die Augen. Seine Mutter sitzt gerade bei ihm, am Inkubator „und plötzlich hat er mich angeschaut“, erzählt sie bewegt. „Ein ganz besonderer Moment.“ Ebenso wie die Stunden des Känguruings: Bauch an Bauch und Haut an Haut liegen Eltern und Kind etliche Stunden am Tag beieinander. Der intensive Körperkontakt hat positive Auswirkungen auf Frühgeborene. Die Kinder sind später weniger anfällig und verhaltensauffällig. Außerdem entwickeln Eltern durch die Känguru-Methode ein sehr gutes Gespür für ihr Baby.

Ebenso wichtig, aber ein großes Problem, ist das Stillen. Von Anfang an hat Romanie abgepumpt, so dass Florian über die Magensonde Muttermilch bekam. Schwierig wird es, als er selbst trinken soll. „Das hat er gar nicht eingesehen. Warum sollte er etwas dafür tun, wenn er es sonst gratis kriegte.“ Im Nachhinein kann Daniel darüber schmunzeln, aber zur damaligen Zeit machen die Eltern viele Sorgen. „Seine Ration wurde gekürzt, um ihn zum Trinken zu bewegen. Aber eigentlich sollte er ja zunehmen.“ Mehrere Wochen dauert es, bis Florian endlich an der Brust trinkt.

Mitte Mai knackt er die 1 Kilo-Grenze und darf kurz darauf ins Wärmebettchen umziehen. Ein großer Schritt. „Das Bett ist offen und wir konnten nun jederzeit problemlos an Florian heran“, erinnert sich Romanie. Noch zwei Monate bleiben sie im Krankenhaus. Daniel hat seine Stellung aufgegeben, um ganz für seine Familie dazu sein. Am 23. Juli ist es endlich soweit: Florian darf das Krankenhaus verlassen.

„Ich werde nie vergessen, wie wir auf dem Parkplatz standen und uns nicht trauten, nach Hause zu fahren“, erzählt Daniel. „So winzig und zusammengefaltet hing Flo in der viel zu großen Babyschale.“ Die Ärzte beruhigen die Eltern, das sähe immer so aus. „Ich bin dann wirklich im Schneckentempo gefahren und es war für lange Zeit das letzte Mal, dass wir das Auto benutzt haben.“


Enge Zusammenarbeit


Zu Hause lebt sich die Familie gut ein, auch dank des Bunten Kreis Rheinland, der Romanie und Daniel eine der Kinderkrankenschwestern zur Nachsorge vermittelt. „Das war ein Traum, weil sie Florian von Anfang an kannte und einen medizinischen Blick auf den Kleinen hatte.“ Gemeinsam kontrollieren sie in den ersten Wochen sein Gewicht und die motorische Entwicklung. „Einmal hat sie auch fachlich zwischen uns und dem Kinderarzt vermittelt, mit dessen Einschätzung ich mich nicht wohlfühlte“, erzählt Romanie dankbar.

Heute ist Florian quietschfidel, neugierig und entspannt. „Ein echtes Anfängerbaby“, lacht Romanie erleichtert. „Er ist zart und klein, aber er entwickelt sich genauso, wie andere Kinder in seinem Alter“, sagen seine Eltern froh und gehen dabei von seinem errechneten Geburtstermin, dem 15. Juli, aus. Gut tue auch der Kontakt zu anderen Frühchen-Eltern. „Wir waren mehrere auf der Station und die Kinder wurden etwa gleichzeitig entlassen.“

Nun sind sie stets in Kontakt und einmal im Monat sieht sich die Gruppe beim Frühchentreffen des Bunten Kreis. Für Familien mit zu früh geborenen Kindern ist der direkte Austausch mit anderen Betroffenen sehr wichtig. Daher bietet der Bunte Kreis diese Gruppen an verschiedenen Standorten an. „Der Verein hat uns menschlich und fachlich extrem gut begleitet. Es gab immer Ansprechpartner auf Augenhöhe und es war und ist ein tolles Miteinander“, freuen sich Romanie und Daniel.

Von Janina Mogendorf

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Kommentare
Uwe Klasen:
Dazu passend ein Bericht in der "Jüdischen Rundschau": Wieder auf gepackten Koffern - Wegen des zunehmenden Antisemitismus fürchten junge Juden um ihre Zukunft in Deutschland. [Link v. d. Redaktion entfernt]
juergen mueller:
Ob Konrad-Adenauer-Ufer oder Kornpfortstraße - alles ist - und noch mehr - sanierungsbedürftig.Sich immer wieder als Kümmerer darzustellen und auf seinen Spaziergängen Probleme, die wir zuhauf in Koblenz haben, aufzuzählen, sollte man mit offenen Karten spielen, was heisst, wer soll das bezahlen. Es hapert überall, dazu brauchen wir keine Spaziergänger, die anscheinend nichts anderes u tun haben, Defizite aufzudecken, die lange bekannt sind u.nur darauf bedacht sind,sich immer wieder selbst in den Fokus zu setzen, was keine löst.Wer Forderungen stellt u. selbst im Stadtrat sitzt (oder dahin will, gell Herr Blank) sollte sich bei seinen Forderungen erst einmal Gedanken darüber machen, wie das bezahlt werden soll. Diese immerwährende Selbstdarstellung ist scheinheilig und täuscht über den wahren Hintergrund hinweg.
juergen mueller:
Das ist ja in der Politik nichts neues u. gehört einfach zu der Mentalität eines jeden Politikers, Dinge für sich in Anspruch zu nehmen, auch wenn sie nicht auf dem eigenen Mist gewachsen sind u.sich wohldurchdacht in den Vordergrund zu stellen. Das gehört neben Reden ohne wirklichen Inhalt einfach zum Handwerkszeug. Jeder Politiker sollte ein Präsent mit auf seinen Weg bekommen - ein LABER-Glas.Wenn ihm keiner zuhört: Deckel öffnen,reinlabern,Deckel schließen.Wenn keiner mit ihm spricht: Deckel öffnen,sein altes Gelaber anhören.Und das Ding mit den hygienischen Argumenten ist wirklich zweitrangig u.vorgeschoben.Da gibt es Beispiele,bei denen das Wort "Schwein" schon eine Beleidigung dieser Tiergattung darstellt.Und was die Grundwerte betrifft,so dürften gerade diejenigen,die sich damit gerne idendifizieren,erst einmal in Klausur gehen um zu verinnerlichen,was sie selbst damit verbindet.Denn Detailkenntnisse gehören ja nicht unbedingt zu einem Muss eines jeden Politikers.
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