Flüchtlingskinder bastelten Spielhäuser mit Architekturstudierenden der Hochschule Koblenz
Einen eigenen Rückzugsraum gestalten
Koblenz. Vom Camp an den Campus – 14 Kinder im Alter von zwei bis 13 Jahren aus der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bubenheim verbrachten einen ebenso spannenden wie kreativen Tag an der Hochschule Koblenz: In einem Workshop mit dem Titel „beHAUSt sein“ bauten die Kinder gemeinsam mit Architekturstudierenden aus Kartons ein eigenes kleines Spielhaus zusammen, das sie außen und innen nach ihrer Vorstellung gestalteten.
Organisiert hatte diese besondere Veranstaltung der Fachbereich Bauwesen, Fachrichtung Architektur der Hochschule Koblenz unter der Leitung von Eva-Maria Çift und Peter Thomé.
Ohne Scheu stürmten die Kinder die Farben, Tapetenbücher und Stoffreste, nahmen Pinsel und Kleister in die Hand, um ihr eigenes Haus zu kreieren. Auffällige Fassadengestaltungen, manche in Backsteinoptik, manche wie ein wilder Urwald bemalt oder mit Streifen beklebt, Fenster mit Gardinen, riesige rosafarbene Herzen am Giebel, aufgehängte Wäsche, Markisen, Schornsteine bis hin zur Innengestaltung mit selbst gebauten Möbeln aus Karton – die Phantasie der Kinder aus Afghanistan und Syrien war grenzenlos. Großen Spaß hatten auch die etwa ein Dutzend Architekturstudentinnen und Architekturstudenten, die ihren jeweiligen Schützling unterstützten. Zwei Studenten beherrschten persisch und arabisch, ein Jugendlicher aus der Erstaufnahmeeinrichtung war zusätzlich zum Dolmetschen mitgekommen.
Zudem konnten die Flüchtlingskinder auch schon ein paar Wörter deutsch, da sie regelmäßig am Deutschunterricht teilnehmen. Aber auch mit Händen und Füßen funktionierte die Verständigung hervorragend.
In der Mittagspause durften die kleinen Architektinnen und Architekten auf Einladung des Studierendenwerks Koblenz wie die großen Studierenden in der Mensa essen. „Ziel der Aktion ist es, den Kindern die seit Längerem auf der Flucht aus den Krisengebieten der Welt sind, die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Rückzugsraum zu gestalten“, so Thomé, „die zusammenfaltbaren Kinderhäuser können, wenn Sie nicht bespielt werden, unter dem Bett oder auf den Schränken der doch sehr beengten Unterkünfte verstaut werden.“
„Für die Kinder ist das eine willkommene Abwechslung vom Alltag im Camp“, betonte Susanne Hübner, die als Erzieherin in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bubenheim arbeitet und ihre Schützlinge gemeinsam mit ihrer Kollegin, Sozialtherapeutin Ulrike Goeth-Löhr, an die Hochschule begleitete. „Obwohl unser Spielraum noch nicht fertig ist, gibt es in der Einrichtung ein Betreuungsprogramm für die derzeit über 40 Kinder, wir spielen, malen und basteln mit ihnen, zweimal in der Woche kommt das Spielmobil – aber so ein Workshop ist natürlich etwas Besonderes“, weiß Goeth-Löhr. Eva-Maria Çift, die die Idee zu diesem Projekt gehabt und Kontakt mit der DRK-Einrichtung aufgenommen hatte, und ihr Kollege Peter Thomé ließen sich von der Begeisterung der Kinder gerne anstecken: „Nachdem wir diese tolle Resonanz erlebt haben, würden wir gerne weitere Workshops anbieten, und zwar vor Ort in der Erstaufnahmeeinrichtung, wo wir mit den Kindern und Jugendlichen den Außenbereich kreativ gestalten könnten.“
Die Phantasie der Kinder aus Afghanistan und Syrien war grenzenlos. Foto: Christiane Gandner
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