725 Jahre St. Sebastianus Schützenbruderschaft Sinzig
Einer der ältesten Vereine der Region feierte Geburtstag
Sinzig. Schützenvereine gehören in Deutschland zu den ältesten Vereinen überhaupt und entstanden im Mittelalter als städtische Wehr- und Notgemeinschaften. Da es damals keine stehenden Heere gab, schlossen sich Bürger in Schützengilden zusammen, um ihre Stadt gegen äußere Gefahren zu verteidigen und die Stadtmauern zu bewachen. Dafür trainierten sie das Schießen mit der Armbrust oder dem Bogen. Als im 15. Jahrhundert Handfeuerwaffen entwickelt wurden und stehende Heere gebildet wurden, verloren die Schützenbruderschaften ihre militärische Bedeutung und konzentrierten sich nun auf Brauchtumspflege, Geselligkeit und Gemeinschaft sowie auf den Schutz des Glaubens und der Kirche.
Im Jahr 1301 schlossen sich die Bürger von Krechelheim, einer nicht mehr existierenden Gemeinde bei Sinzig, zusammen, um unter dem Schutz des Heiligen Sebastianus die Abwendung von der schwarzen Pest zu erflehen. Diese religiöse Gemeinschaft wandelte sich gegen 1440 in eine Schützenbruderschaft um mit dem Ziel, die Bürger zu schützen. Bis heute hat die Bruderschaft an ihrem Leitsatz „Glaube, Sitte, Heimat“ festgehalten. Mit ihrem Königsschiessen an Fronleichnam, ihrem Schützenfest im August und anderen Veranstaltungen sind die St.Sebastianus-Schützen mit ihren ca. 80 Mitgliedern, darunter auch viele Frauen, ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Sinzig.
Jubikäumsfeierlichkeiten
Der wahrscheinlich älteste Schützenverein des Bezirkes Rhein-Ahr feierte am dritten Julisonntag seinen 725. Geburtstag, und Mitglieder der Stadtgesellschaft Sinzig sowie Abordnungen vieler befreundeter Schützenvereine waren erschienen, um dieses stolze Jubiläum mitzufeiern. Nach einem Festgottesdienst in der Sinziger Stadtkirche St.Peter zog die Festgesellschaft zum benachbarten Pfarrheim in der Zehnthofstrasse, wo die offizielle Feier begann. Brudermeister Michael Beyer begrüßte die Festgäste und freute sich über den großen Zuspruch. Die Ehrengäste, darunter der Stadtbürgermeister Andreas Geron, der Kreisbeigeordnete Horst Gies, der Ortsvorsteher Reiner Friedsam und der Diozesanbrudermeister Hubert Mohr betonten in ihren Ansprachen die integrative Kraft der Schützenbruderschaft und deren gesellschaftliche und historische Bedeutung für Sinzig.
In einem kurzen Gespräch relativierte Brudermeister Michael Beyer das Vereinsmotto „Glaube, Sitte, Heimat“. Der Verein ist weiterhin stark der Kirche und der Heimatstadt Sinzig verbunden, sieht sich allerdings nicht mehr als „Sittenwächter“ der Stadt. So ist dem Verein zu wünschen, dass er weiterhin das gesellschaftliche und soziale Leben der Stadt bereichert, und wieder vermehrt junge Männer und Frauen den Weg zu den Sebastianusschützen finden. AKS
Weitere Themen
Der wahrscheinlich älteste Schützenverein des Bezirkes Rhein-Ahr feierte am dritten Julisonntag seinen 725. Geburtstag. Foto: AKS