Märchenfest auf Schloss Bürresheim
„Einfach eine unbeschreibliche, ja fast magische Atmosphäre“
Rund 1.300 Besucher ließen sich vom märchenhaften Ambiente verzaubern und machten regen Gebrauch von den zahlreichen Mitmach-Angeboten
St. Johann. „Tischlein deck dich“ hieß es am Sonntag auf Schloss Bürresheim. Auch in diesem Jahr fand das zauberhafte Märchenfest wieder rund um das Barock-Schloss im Nitztal statt; eine schönere Kulisse hierfür ist kaum vorstellbar. Zahlreiche neue Mitmach-Aktionen begeisterten die kleinen Besucher, die in allerhand märchenhafter Verkleidung durch die Schlossanlagen flitzen, beim Ritter-Turnier ihre Kräfte maßen, gemeinsam mit der Hofköchin Brot buken und Kräuterkäse herstellten und zwischendurch immer mal wieder an einer Picknick-Station Halt machten oder sich um einen der geheimnisvollen Geschichtenerzählern versammelten, um ganz fasziniert den uralten Märchen zu lauschen. Letzteres taten allerdings auch die Erwachsenen mit Hingabe. Highlight für Groß und Klein war auch in diesem Jahr die Freilicht-Aufführung des Motto-Stücks durch das „Hofensemble“ Carola Moritz und Michael Policnik, dieses Mal in Begleitung ihres Kollegen Ives Pancera, der in „Tischlein deck dich“ die Ziege spielte.
„Wie man sieht: Wir haben wieder den Nagel auf den Kopf getroffen“, freute sich Hausherrin Dr. Angela Kaiser-Lahme von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz am Nachmittag, während sie das bunte Treiben in den Schlossanlagen beobachtete. „Schauen Sie sich um – Sie sehen hier nur entspannte Gesichter, es ist einfach eine unbeschreibliche, ja fast magische Atmosphäre und ich stelle jedes Jahr wieder aufs Neue fest: Einen besseren Ort für ein solches Fest gibt es einfach nicht.“
Auch in diesem Jahr hatten die Organisatorin wieder einige neue Akzente gesetzt: „Wir haben zum Beispiel das große Ritter-Turnier, zudem haben wir eigens wunderschöne Kostüme anfertigen lassen, damit die Mädchen und Jungen auch wirklich mal in diese Rollen schlüpfen können“, erklärt Dr. Kaiser-Lahme ihre Intention, „wie ist das denn mal in barocker Kleidung, mit der Perücke und dem ganzen Drum und Dran. Die Fotos, die hier entstehen, werden doch zu einmaligen Erinnerungen. Ich habe hier heute so viele hübsche Kinder gesehen – es ist unbeschreiblich.“
Kulinarischer Genuss stand im Mittelpunkt
In diesem Jahr stand der kulinarische Genuss im Mittelpunkt des Festes: Nicht nur im Schlossgarten lernten die Kinder, was in früheren Zeiten auf den Tisch der Herrschaften gehörte, auch im inneren des Schlosses war eine Tafel originalgetreu gedeckt. „Das Buffet im Schlossgarten ist zum Einen etwas für die Augen, aber ganz nebenbei haben die Kinder heute nachgespielt, wie es bei Hofe zuging, wenn der Tisch gedeckt wurde“, so Angela Kaiser-Lahme, „und das ging nicht so wie Zuhause – alles mal schnell auf den Tisch stellen und fertig. Nein, es war eine ganz strenge Etikette nach bestimmten Regeln: Man aß nicht einfach etwas, sondern man dinierte. Es war ganz klar, wer am Tisch sitzen durfte, wie der Tisch einzudecken war und wer was essen durfte. Das haben die Kinder heute spielerisch mit einer ganz großen Begeisterung mitgemacht – und das war nur einer von vielen wunderschönen Momenten.“
Für die Direktorin ist es keine Frage, dass das Fest Zukunft hat: „Ich glaube, das Märchenfest ist wirklich genau das, was hierher passt. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich hier bin und gerade, wenn ich die kleinen Kinder sehe: Das ist so ein Funkeln in den Augen, so eine Freude und eine Intensität, mit der die dabei sind – was Schöneres kann man sich eigentlich ja gar nicht vorstellen.“ Aufgrund der angespannten Haushaltslage könne sie aktuell allerdings noch nicht sagen, ob das Fest weiterhin jedes Jahr stattfinden kann. Bei der Veranstaltung gehe es auch nicht um Profit: „Mir ist es ganz wichtig, dass wir Formate schaffen, die allen Menschen den Zugang ermöglichen, unabhängig von Alter, Bildung, Einkommen oder sozialem Status. Daher haben wir sehr günstige Eintrittspreise, die bei Weitem nicht unsere Kosten decken“, stellt Dr. Kaiser-Lahme klar, „mir ist alleine wichtig, dass die Menschen von Kind an eine Beziehung dazu finden und mit dem Besuch dieses schönen Schlosses ein gutes Gefühl und viele gute Erinnerungen verknüpft sind. Ich wünsche mir, dass sie später auch wiederkommen, wenn sie älter sind, und das Schloss dann mit anderen Augen sehen und dass sie sich als zukünftige Steuerzahler gerne am Erhalt des Schlosses beteiligen, weil sie diesen besonderen Wert einfach erkennen.“
Allen den Zugang zum Kulturgut ermöglichen
Kürzlich habe sie erst eine Familie kennengelernt, deren Geschichte über 300 Jahre mit dem Ort Bell verbunden ist. „Das heißt, die Vorfahren waren Untertanen der Grafen von Breidbach-Bürresheim und Sie können noch die direkte Verbindung zwischen den Leben ihrer Vorfahren und dieser Anlage herstellen“, gibt die derzeitige Schlossherrin zu bedenken. „Wenn viele Menschen hier nur ein bisschen recherchieren würden, würden sie dasselbe erkennen und ich glaube, das ist alles auch heute noch mit der Seele verwurzelt: Es ist eine Form unbewusster Erinnerung, aber auch belegter Familiengeschichten – die Verbindung ist einfach da.“
Für sie sei Schloss Bürresheim einer der schönsten Orte überhaupt, sagt Dr. Angela Kaiser-Lahme, „weil es einfach noch absolut authentisch ist. Rund um Schloss Bürresheim sehen Sie nur Natur und Wälder. Ich fände es schrecklich, wenn hier auf einmal Windräder stehen würden.“ Sie selbst sei beruflich sehr viel unterwegs und komme selten wirklich zur Ruhe, berichtet sie, „ich sitze normalerweise wenig herum, aber hier komme ich runter, das hier hat einfach seine eigene Zeit – es ist schlicht und ergreifend ein magischer Ort.“
Die Kids hatten keine Angst, gegen echte Ritter des Koblenzer Ordens „Tempora Historica“ anzutreten.
Nicht nur die Kids waren ganz begeistert von den zahlreichen kreativen Mitmach-Aktionen.
Auch ein Feuerspucker durfte nicht fehlen.
