Allgemeine Berichte | 28.05.2025

Ehrenamtliche schenken Familien in Andernach Zeit

Einmal kräftig durchatmen

Von links: Lisa Scharrenbach, Anja Zeitz, Stefanie Lange und Monika Heinisch. Foto: Julia Föder/Bistum Trier

Andernach. Die erste Zeit mit Baby und Kleinkind ist sehr spannend und bringt viel Neues mit sich. Häufig kommen Eltern aber auch in Situationen, in denen sie sich Unterstützung wünschen oder einfach mal in Ruhe kräftig durchatmen möchten. Wenn Freunde oder Familie allerdings nicht vor Ort sind, sind helfende Hände durch Ehrenamtliche eine gute Alternative. Das Projekt „Zeitschenker*innen“ der Katholischen Familienbildungsstätte e. V. in Andernach, dem städtischen Haus der Familie und der Frühen Hilfen der Stadt Andernach bietet Familien genau diese Hilfe.

Monika Heinisch besucht wöchentlich eine fünfköpfige Familie im Andernacher Stadtgebiet. „Ich kümmere mich um den vierjährigen Sohn“, erzählt die 74-Jährige. Oft gehe sie mit dem Jungen raus, spazieren, auf den Spielplatz. „Das wünscht er sich immer“, sagt die Ehrenamtliche mit einem Lachen. Seit gut einem Jahr kommt sie regelmäßig in die Familie und entlastet die Mutter, die sich in der Zeit dann in Ruhe um die fast zweijährigen Zwillinge kümmern kann, während der Vater im Schichtbetrieb arbeitet.

2023 ist das Projekt „Zeitschenker*innen“ gestartet. „Wir haben in den letzten Jahren sehr oft bei unserer Arbeit mit und für Familien gesehen, dass Eltern nach der Geburt eines Kindes eines besonders brauchen: Zeit! Zeit für sich selbst, für das Geschwisterkind, für die Partnerschaft oder für eine kleine Auszeit vom Alltag“, erläutern die Koordinatorinnen vom Start der Idee. „Wir haben sechs Ehrenamtliche im Einsatz“, berichtet Stefanie Lange, Geschäftsführende Leitung der Katholischen Familienbildungsstätte. „Der Pool könnte natürlich noch größer sein“, sagt sie. Die Frauen und Männer, die Eltern eine kleine Auszeit zum Durchatmen schenken wollen, können ihre Einsätze nach ihren eigenen zeitlichen Ressourcen planen. Um eine gewisse Kontinuität zu schaffen, seien aber Besuche ein oder zwei Mal die Woche empfehlenswert. „Doch wie viele Stunden die jeweiligen Besuche dauern, ist den Ehrenamtlichen selbst überlassen“, betont Lange. Heinisch plant etwa immer vier Stunden ein.

„Genau das Richtige“

Bis es zum ersten Besuch in der Familie kommt, gibt es ein Auswahlgespräch. „Wir haben auch Fragebögen für die Familien und die Menschen, die sich engagieren möchten“, erklärt Anja Zeitz von der Frühen Hilfe Andernach. Da gehe es um die verschiedenen Vorstellungen und ein paar Basisdaten, wie Haustiere. „Wenn eine Ehrenamtliche zum Beispiel Angst vor Hunden hat, können wir diese natürlich nicht in einen Haushalt mit Hunden vermitteln“, nennt Zeitz ein Beispiel. „Im Anschluss gibt es ein Kennenlerntreffen in der Familienbildungsstätte bei dem alle Beteiligten und auch wir dabei sind“, so Lisa Scharrenbach vom Haus der Familie. Hier könne man schauen, ob die Chemie stimmt. Wobei beide Parteien stets die Freiheit hätten, das Projekt zu beenden, betonen die Projektkoordinatorinnen. Für Heinisch kommt das jedenfalls nicht in Frage, sie fühlt sich sehr wohl in ihrem Ehrenamt und in „ihrer“ Familie. „Das ist genau das Richtige für mich.“ Die Rentnerin hat 45 Jahre in einer Kinderkrippe gearbeitet. „Die Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht“, dass sie nun froh ist, sich ehrenamtlich in dem Bereich einbringen zu können. „Doch es geht keinesfalls darum, dass ich da reinkomme und gleich mal sage, was alles geändert werden muss“, betont Heinisch. Dem stimmt Scharrenbach zu: „Es geht auch darum, zu akzeptieren, dass Menschen anders leben als ich.“ Genau so könne Vertrauen entstehen, wie es auch zwischen Heinisch und der Familie besteht. Wenn sie nach Rat oder Empfehlungen gefragt werde, gebe sie gerne ihre Einschätzung. „Ich kann eine Perspektive von außen auf die Dinge geben und das mit einer professionellen Distanz“, so die Rentnerin, die ihr Ehrenamt als sehr bereichernd und sinnstiftend empfindet. „Hinter der Idee zu diesem Angebot steckt auch, dass es für beide Seiten ein Gewinn sein soll“, so Scharrenbach. „Erfahrungen aus ähnlichen Projekten zeigen, dass diese Besuche eine Bereicherung für beide Seiten sind: Die ältere Generation bringt einen tollen Erfahrungsschatz mit, steht den Familien mit Rat und Tat zur Seite und wird in der Regel schnell zur vertrauensvollen Bezugsperson für die Kinder. Den Senior*innen macht der Kontakt mit den Familien und Kindern viel Freude und gibt ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden,“ fasst Lange zusammen.

Für alle offen

Wer mit dem Gedanken spiele, ebenfalls ein Zeitschenker bzw. eine Zeitschenkerin zu werden, könne sich gerne bei den drei zuständigen Stellen melden. Neben Offenheit, Zuverlässigkeit und Empathie seien „Geduld und Spaß am Umgang mit Kindern und Menschen generell wichtig, denn neben einem Kontakt zu den Kindern, sollte man auch eine Verbindung zu den Eltern aufbauen“, findet Heinisch. Und mit welchen Aufgaben werden die Ehrenamtlichen konfrontiert? Die Ehrenamtlichen seien kein Ersatz für eine Reinigungskraft oder Haushälterin. Es gehe ums Spazierengehen, Spielen oder auch Zuhören und da sein, so Scharrenbach.

Doch auch, wer sich etwas Entlastung wünscht, kann sich bei Lange, Scharrenbach oder Zeitz melden. „Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot und wir sind für alle ansprechbar: von der Alleinerziehenden bis zur Familie mit Vater, Mutter, zwei Kindern, eigenem Haus und Garten. Familie ist für alle anstrengend und Überforderungssituationen kennen die meisten“, ermuntert Lange, sie und ihre Kolleginnen zu kontaktieren.

Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Postcodelotterie.

Alle Informationen zum Projekt gibt es bei den drei Kooperationspartnern: Stefanie Lange, Kath. Familienbildungsstätte Andernach e.V., Tel.: 02632-250351, Lisa Scharrenbach, Haus der Familie Andernach, Tel.: 02632-922350 oder Anja Zeitz, Frühe Hilfen Andernach, zwischen 9 und 11 Uhr Tel.: 017663853952. (jf)

Von links: Lisa Scharrenbach, Anja Zeitz, Stefanie Lange und Monika Heinisch. Foto: Julia Föder/Bistum Trier

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