Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz wurde zertifiziert
Einziges Referenzzentrum für Hernienchirurgie südlich von Hannover
Koblenz. Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz (BwZKrHs) ist als erstes und bisher einziges deutsches Referenzzentrum für Hernienchirurgie (Hernie = Bruch der Bauchwand) südlich von Hannover durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert worden. Sie erhielt damit als fünfte Klinik in Deutschland die höchste Hernienzertifizierungsform.
Der Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), Prof. Dr. Heinz-Johannes Buhr, überreichte jüngst im BwZKrHs in einer akademischen Feierstunde das Zertifikat an den Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Oberstarzt Prof. Dr. Robert Schwab.
In seiner Festrede verwies Prof. Dr. Uwe Klinge, Leiter der Chirurgischen Forschung des Universitätsklinikums RWTH Aachen und Maastricht, darauf, dass nur durch Zertifizierung der hohe Anspruch an Quantität und Qualität für die Behandlung der Patienten gewährleistet werden könne. Zahlreiche Gäste von benachbarten chirurgischen Kliniken, niedergelassene Allgemeinmediziner und Chirurgen sowie namhafte Vertreter des Sanitätsdienstes wohnten der feierlichen Zertifikatsübergabe bei, die musikalisch durch das Heeresmusikkorps Koblenz begleitet wurde.
Die Fachgesellschaft DGAV sieht ihre Aufgabe in der systematischen Förderung von Forschung, Aus-, Weiter- und Fortbildung und fördert die Qualitätssicherung auf dem Gebiet der Allgemein- und Viszeralchirurgie.
Transparente Qualität
Durch die Verleihung von Zertifikaten an chirurgische Kliniken wird die Qualität in den Kliniken transparent gemacht. Auf der Basis von wissenschaftlichen Vorgaben und klinischer Erfahrung werden strenge Qualitätsindikatoren und -standards aufgestellt und eine Ergebnisqualität durch verpflichtende Datenerfassung und Nachuntersuchungen kurz- und langfristig ermittelt. Der Patient kann davon ausgehen, dass in zertifizierten Kliniken Chirurgie auf höchstem Niveau betrieben wird und dass die Therapie einerseits nachprüfbar ist und andererseits nach vorgeschriebenen und leitlinienorientierten Kriterien vorgenommen wird.
Die DGAV zertifiziert nach Kompetenz- und Referenzzentren. Hier wird unterschieden nach personeller und sachlicher Ausstattung, klinischer Erfahrung, Weiterbildungsbefugnissen und wissenschaftlicher Tätigkeit. In Deutschland gibt es über 50 Kompetenzzentren in der Hernienchirurgie. Sie sind als niedrigste Kompetenzstufe zertifiziert. Referenzzentren hingegen zeichnen sich durch höhere Weiterbildungsbefugnisse, intensive wissenschaftliche Tätigkeiten (eigene Fortbildungsveranstaltungen, Vorträge auf Hernienkongressen, Publikationen in namhaften medizinischen Zeitschriften) und höhere Eingriffszahlen sowie Schwierigkeitsgrade der Operationen aus. Dabei werden alle laparoskopischen und endoskopischen sowie offene Techniken der Hernienchirurgie vorgehalten.
Nachdem der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz bereits 2013 das „DHG-Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ durch die Deutsche Herniengesellschaft verliehen wurde, ist sie nun neben vier weiteren deutschen Kliniken in Berlin, Hannover und Hamburg das fünfte deutsche Referenzzentrum für Hernienchirurgie und damit das einzige deutsche Referenzzentrum südlich von Hannover.
Der Direktor der Klinik, Prof. Dr. Schwab, ist seit Jahrzehnten eng mit der operativen Therapie von komplexen Hernien vertraut – nicht zuletzt durch seine langjährige chirurgische und wissenschaftliche Tätigkeit an der Universitätsklinik RWTH Aachen und Maastricht. Ein besonderer wissenschaftlicher Schwerpunkt von Prof. Dr. Schwab ist seit langem die Erforschung der Biomechanik in der Hernienchirurgie. Seiner Fachkunde und dem aus Aachen erworbenen Know-how ist es zu verdanken, dass nicht nur derart hohe Eingriffszahlen und sehr komplexe Hernien versorgt werden können, sondern auch die Ergebnisse deutlich über den Vorgaben der Deutschen Herniengesellschaft und der Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie liegen.
„Vorbehaltlos empfohlen“
Sind die strengen geforderten Voraussetzungen für den Antrag zur Zertifizierung erfüllt, wird im Rahmen eines Audits durch einen erfahrenen und von der DGAV gewählten Chirurgen vor Ort geprüft, ob die Angaben zur Qualität der Abteilung zutreffen. Bei dem Audit im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz konnte in dem abschließenden Gutachten der Zertifizierung „das Zentrum für Hernienchirurgie in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des BwZKrhs Koblenz als Referenz-Zentrum vorbehaltlos empfohlen werden“.
Pressemitteilung des
Sanitätsdienstes der Bundeswehr
Feierliche Zertifikatübergabe mit Prof. Dr. Buhr (l.), Oberstarzt Prof. Dr. Schwab (2. v. l), Prof. Dr. Klinge (4. v. l), Generalarzt Dr. Brandenstein (r.) und den benannten Chirurgen des Zentrums Oberfeldarzt Dr. Güsgen (3. v. l), Oberstarzt Dr. Schreyer und Flottillenarzt Dr. Weitzel (3. u. 2. v. r.). Foto: privat
