Förderverein Kultur im A.K.T e. V.
„Empathie und die Werte für die neue Zeit“
Montabaur. Das Thema Empathie lockte rund 150 Besucher in die Stadthalle nach Montabaur. Im Rahmen der Vortragsreihe „Pioniere des sozial-ökologischen Wandels – Ermutigung für eine gesündere Zukunft“, des Fördervereins FAKT e.V. sprach Heike Schönborn von der Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, der Empathie. Bereits mit den ersten Sätzen gelang es der Referentin, ihre Zuhörer zu berühren. „Was bildest du dir eigentlich ein, zu glauben, du hättest den Menschen etwas zu geben“. „Du glaubst wohl, auch was ganz Besonderes zu sein?“ Mit diesen Sätzen gab die erfahrene Therapeutin einen inneren Dialog wieder, den sie in der Vorbereitung zu diesem Vortrag erlebte und die auch vielen Besuchern vertraut zu sein schienen. Es waren empathielose Sätze aus der Kindheit, die, wenn sie nicht bearbeitet werden, noch bis ins Alter das Selbstbild des Menschen prägen. Wie genau sich die Empathie in einem Menschen entwickeln kann, welche Bedingungen es braucht und warum sie so entscheidend für ein gesundes, glückliches und harmonisches, gesellschaftliches Leben ist, darum ging an diesem Abend.
„Wir erlernen die Empathiefähigkeit durch Empathie, die uns als Säugling und in den ersten Lebensjahren entgegengebracht wird, so Schönborn. „Um zu einem wahrhaft mitfühlenden Wesen zu werden, brauchen wir die Erfahrung der bedingungslosen Liebe. Wir brauchen Menschen, die uns lieben, wie wir sind. Die uns berühren und uns in hilflosen Situationen schützen. Menschen bei denen wir spüren, dass sie unseren Schmerz ernst nehmen, mitfühlen und versuchen ihn zu lindern. Menschen die unseren Hunger fühlen und uns mit allem lebensnotwendigen versorgen.“ Anhand von Beispielen aus ihrer 30-jährigen Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen und mithilfe neuester Studien und Forschungsergebnisse, spannte sie den weiten Bogen von der Genetik, über die Folgen einer lieblosen Kindheit, bis hin zu den heilsamen Möglichkeiten, das Versäumte in sich nach zu nähren. Durch eine bedingte Liebe, also wenn ein Kind für etwas „geliebt“ wird, was es noch gar nicht ist, oder eine kalte Kindheit, kommt es zu einem Bruch in der Beziehung zu sich selbst und in Folge dessen zu einer Entfremdung in jeder Beziehung, die ein Mensch später eingeht. Eigene Bedürfnisse, Stärken, Wünsche und Träume werden vergessen. Und irgendwann hat das einst vitale Kind vergessen, wer es, von seiner wahren Natur aus, wirklich ist, erläuterte Heike Schönborn. Im Fundament des Lebens entsteht sozusagen ein Hohlraum, der als innere Leere und Gefühl der Einsamkeit wahrgenommen werde, so die Therapeutin. Es koste den Mensch meist viel Mut, sich wieder oder erstmalig vertrauensvoll zu öffnen, Komplimente anzunehmen, sich lieben zu lassen. Oft versuchten Menschen, die innere Leere mit Konsum, Alkohol oder Extremsport auszufüllen, was jedoch vergeblich sei. Die Studie von Frobes „The lonliness Epidemic“ belegen ein epidemisches Ausmaß der Zunahme von Einsamkeit und beschreiben die Folgen, die sich in Symptomen und Zuständen wie Depression, Burnout, Stress und Zeitvertreib, gleichzeitig innerer Leere, Sinnlosigkeit, Süchte und Gewaltbereitschaft ausdrücken. „Doch es gibt Hoffnung“, so Heike Schönborn. Jeder Mensch könne viel für sein Glück und seine Gesundheit tun. Neben Bewegung und Ernährung, belegen wissenschaftliche Untersuchungen, die zentrale Bedeutung von Beziehungen. Sich selbst eine gute Mutter, ein guter Vater, eine gute Freundin zu sein, ist ein Schlüssel zum verbundenen Leben in der Gemeinschaft. Nach dem inspirierenden Vortrag gab es Raum für viele Begegnungen und Gespräche am Büchertisch der Buchhandlung Erlesenes.
Pressemitteilung des
Fördervereins Kultur im AKT e. V
