Allgemeine Berichte | 16.07.2019

Weltkriegsbombe im Remagener Gewerbegebiet gefunden

„Entschärfung ist niemals Routine“

Rund 400 Menschen mussten evakuiert werden – Nach knapp drei Stunden konnte Entwarnung gegeben werden

Bürgermeister Björn Ingendahl (2. v. l.) zeigte sich gegenüber Frank Bender (l.) und dessen Kollegen vom Kampfmittelräumdienst erleichtert über die Entschärfung der Bombe. Fotos: AB

Remagen. Es war schon eine gespenstische Stille am Sonntagmorgen innerhalb des 500-Meter-Radius um den Bombenfund im Konrad-Zuse-Ring im Remagener Gewerbegebiet. Sowohl in Teilen des Gewerbegebiets als auch in der angrenzenden Kripper Bebauung mussten rund 400 Menschen ihre Häuser und Wohnungen bis 9 Uhr verlassen haben. Rund 90 Kräfte von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Verwaltung waren im Einsatz. Die Anwohner im gefährdeten Bereich waren im Vorfeld informiert worden. Am Sonntagmorgen gab es dennoch weitere Durchsagen, und Einsatzkräften klingelten an allen Türen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr im Gefahrenbereich befand.

Gebiet wurde abgeriegelt

Zu sehen waren schließlich nur die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, die die Sperrung des Gebiets von allen Seiten übernahmen. Im Kripper Feuerwehrhaus war eine Anlaufstelle für evakuierte Menschen eingerichtet. Doch nur eine dreiköpfige Familie fand sich dort ein. Alle anderen waren offensichtlich privat untergekommen. Über Facebook hatten sich Bürger im Kripper Neubaugebiet zusammengeschlossen und die Evakuierten zum Grillen eingeladen. Dieser Einladung waren viele gerne gefolgt. Eine bettlägerige Person war per Krankenwagen vorübergehend in einer Seniorenresidenz untergebracht worden.

Im Remagener Feuerwehrhaus herrschte mehr Betrieb. Hier liefen alle Fäden zusammen. Zig Einsatzkräfte standen für alle Fälle bereit. Die Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Björn Ingendahl und Büroleiter Matthias Geusen sowie das Ordnungsamt mit Eva Etten und Robert Zimmermann hatten sich im Schulungsraum eingerichtet.

Bombe wog 250 Kilo

Um 11 Uhr, nachdem sichergestellt war, dass sich niemand mehr im Gefahrengebiet befand, teilte Frank Bender vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz mit, dass er und seine Kollegen Jürgen Wagner, Tobias Fochler, Sascha Hummrich und Claudio Prezio nun mit der Entschärfung beginnen würden. Bei der Bombe, die auf dem Grundstück der Firma Poli-Tape, wo ein weiterer Bau entstehen soll, gefunden worden war, handelte es sich um eine 250 Kilo schwere amerikanische Bombe, eine AM-M64 mit Kopf- und Heckzünder. Im Schulungsraum ging es anfangs teils recht locker zu, doch je mehr Zeit verging, um so stiller wurde es auch dort. Die Verwaltung hatte damit zu tun, die scheinbar defekte Telefonanlage wieder ans Laufen zu bringen. Kurzfristig waren die telefonischen Anlaufstellen im Rathaus auf das Handy von Büroleiter Matthias Geusen umgestellt worden. Inzwischen war 11.30 Uhr vorüber, und immer noch kam keine Entwarnung, die für einige nach etwa einer halben Stunde Einsatz des Kampfmittelräumdienstes erwartet worden war. Alle Augen waren auf das Handy von Eva Etten gerichtet, wo die Entwarnung der Kampfmittelräumer einlaufen sollte. Um punkt 11.52 Uhr kam diese von Frank Bender. Die Bombe sei entschärft und bereits auf die Ladefläche des Lkw verladen.

„Nicht der letzte Besuch“

Unmittelbar danach wurden alle Sperrungen aufgehoben, und die Menschen konnten wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurück. Die Verwaltungsspitze fuhr dann an den Einsatzort. Dort informierte Bender den erleichterten Bürgermeister, der seinerseits den Kampfmittelräumern und allen Einsatzkräften dankte. Bender machte ausdrücklich klar, dass eine Bombenentschärfung niemals Routine sei. Es gebe keine 08/15-Bomben, jede Entschärfung sei ein Einzelfall. „Wenn wir uns auf Routine verlassen, kann das lebensgefährlich sein“, betonte der Experte. „Wir wissen nicht, in welchem Zustand sich die Zünder befinden. Keiner kann in eine Bombe hineinschauen.“ Wie oft er schon in Remagen war, kann er nicht genau sagen. In den vergangenen rund 20 Jahren, seitdem die Fachhochschule gebaut und das Gewerbegebiet entstanden ist, sei schon einiges an Bomben sowie Munition und Handgranaten in diesem Gebiet entfernt worden. Ziemlich sicher ist sich Bender, dass nicht der Einsatz am Sonntag nicht der letzte des Kampfmittelräumdienstes in Remagen gewesen ist.

Gefunden worden war die Bombe, am Mittwoch vergangener Woche von Baggerfahrer Olaf Brohl, der mit Erdarbeiten für den Erweiterungsbau von Poli-Tape beschäftigt war. Mit der Schaufel kam er an das Leitwerk der Bombe. Bereits einige Wochen vorher hatte Brohl, der auch Feuerwehrmann ist, ein solches Leitwerk aus der Erde gezogen. Am Mittwoch befand sich allerdings am Leitwerk auch noch eine Bombe.

Dank des Einsatzes des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz, der laut ADD allein im Jahr 2016 rund 30 Tonnen Munition und 47 Blindgänger im Land geborgen hat, ging wieder einmal alles gut.

AB

Ingendahl bedankte sich persönlich bei jedem der Mitglied des Räumkommandos.

Ingendahl bedankte sich persönlich bei jedem der Mitglied des Räumkommandos.

Im Feuerwehrhaus in Kripp hatte man eine Anlaufstelle für die Evakuierten eingerichtet. Da nur eine Familie hier Zuflucht suchte, hatten die Wehrleute zur Mittagszeit einige Brötchen übrig.

Im Feuerwehrhaus in Kripp hatte man eine Anlaufstelle für die Evakuierten eingerichtet. Da nur eine Familie hier Zuflucht suchte, hatten die Wehrleute zur Mittagszeit einige Brötchen übrig.

Kritischer Blick bei Frank Bender: Der erfahrene Kampfmittelräumer weiß, dass eine Entschärfung niemals Routine ist.

Kritischer Blick bei Frank Bender: Der erfahrene Kampfmittelräumer weiß, dass eine Entschärfung niemals Routine ist.

Bürgermeister Björn Ingendahl (2. v. l.) zeigte sich gegenüber Frank Bender (l.) und dessen Kollegen vom Kampfmittelräumdienst erleichtert über die Entschärfung der Bombe. Fotos: AB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Gitta Meyer: Ehrlich,die ganze Idee Buga im Mittelrhein ist falsch. Die Gemeinden sind verschuldet. Schauen sie sich Lahnstein an. Hier ist nichts los. Die Brücke wird bestimmt toll,aber sonst.....
  • Oliver Burggraf: Sehr schöne Vorabinfo vor dem Festival. Freuen uns schon drauf

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3

  • Claus Wiest: Das Foto zeigt die Rheinfähre Linz-Remagen, aufgenommen von der Anfahrt auf der Linzer Seite mit Blick auf den Ort Kripp.
Dauerauftrag 2026
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Erzieher
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Nico Luo (rechts) und Julian Luo.  Foto: Fei Luo
33

Bendorf. Beim Landeswettbewerb Jugend musiziert in Mainz am 19./20. März haben die beiden Brüder Nico und Julian Luo aus Bendorf in der Wertung „Klavier solo“ große Erfolge erzielt. Die beiden hatten sich beim Regionalwettbewerb Ende Januar in Neuwied durch erste Preise für den Landeswettbewerb qualifiziert und ihr Programm in monatelanger Arbeit mit ihrem Lehrer, dem Pianisten Thomas Mombaur aus Ettringen, einstudiert und immer weiter verfeinert.

Weiterlesen

Mara Hermes ist überzeugt von der Bedeutung des Ehrenamts.  Foto: privat
29

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Blutspenden, Karnevalsumzüge oder auch Großveranstaltungen wie Rock am Ring wären ohne sie kaum denkbar: die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, helfen Menschen in Not und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. In der Reihe „HeimatHelden“ stellt BLICK aktuell Menschen vor, die diesem Engagement ein Gesicht geben.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
17

Blaulichtmeile Koblenz am 09.05.2026

Thementag Kriminalprävention und Karriere in Koblenz

Koblenz. Die Polizei Koblenz lädt gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt, der Berufsfeuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz am Samstag, den 09.Mai 2026, ab 10:00 Uhr zu einem abwechslungsreichen Thementag am Löhrrondell in Koblenz ein.

Weiterlesen

Symbolbild.
75

Flucht trotz ausgelöstem Airback: Polizei stoppt Autofahrer unter erheblichem Alkoholeinfluss

22.04.: Kontrollverlust auf der B260: Alkoholisierter Fahrer flieht nach Unfall

Nievern. Am Abend des 22. April 2026, etwa um 20:15 Uhr, ereignete sich auf der B260 in Fahrtrichtung Bad Ems ein Unfall. Ein Fahrzeug geriet auf Höhe des Überfliegers im Nievern-Bereich außer Kontrolle, begann zu schleudern und stieß schließlich an den Bordstein. Der Schaden an der Felge war beträchtlich, und die Airbags des Autos wurden ausgelöst. Trotz dieser Umstände entfernte sich der Fahrer zunächst unerlaubt von der Unfallstelle.

Weiterlesen

Image Anzeige
Imageanzeige Werbeplan 2026
Dauerauftrag 2026
Werksverkauf Anhausen
Praxis an neuem Standort
Ausverkauf
Maibaumstellen Heimersheim
Maifest Gönnersdorf
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003863
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Minijob
Biker Segnung
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
SB Wahlen