Ältester Oberdreeser Bürger verstorben
„Er war immer ein Teil des Dorfes“
Ein Nachruf auf Josef Assenmacher (16. Juni 1913 bis 25. Januar 2016)
Oberdrees. Am vorvergangenen Montag ist Josef Assenmacher, der bis dahin älteste Bürger von Oberdrees, nach einem außergewöhnlich langen und zufriedenen Leben im hohen Alter von 102 Jahren und sieben Monaten verstorben.
Josef Assenmacher hat die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise und die Weltfinanzkrise miterlebt; eigentlich müsste man sagen „überlebt“. Bereits 1939 wurde er in die Reichswehrmacht eingezogen, war beim Polen- und Frankreich-Feldzug dabei. Anschließend musste er zur Ostfront in den Russland-Feldzug. Zum Kriegsende geriet er in russische Gefangenschaft und kehrte erst Ende 1948 nach Oberdrees zurück. Fast zehn sinnlose Jahre musste er in diesem schrecklichen Krieg und Arbeitslagern in Sibirien und Aserbaidschan - unter Elend, Hunger und Tod - fernab der Heimat leiden.
Josef Assenmacher war Zeit seines Lebens ein bescheidener Mensch. Er liebte es, täglich an der frischen Luft in seinem Garten und seiner Plantage zu arbeiten. Das Frühjahr kaum abwartend, begann er seinen Acker vorzubereiten, zu säen, Pflanzen zu ziehen und zu pflegen, um mit der Ernte auch zur Selbstversorgung seiner Familie mit eigenen Erzeugnissen beizutragen.
Neben seiner geliebten Gartenarbeit war er auch ein leidenschaftliches Mitglied im „Kirchenchor“, dem katholischen Pfarr-Cäcilien-Chor St. Ägidius Oberdrees. Bis 1995 nahm er als aktiver Sänger auch an zahlreichen Kirchen- und Dorffesten teil. Als sehr gläubiger Mensch empfand er die Teilnahme an Wallfahrten - beispielsweise nach Kevelaer, Langenfeld oder zu Fuß von Oberdrees nach Köln-Rodenkirchen anlässlich der Maternuswallfahrt - als selbstverständlich.
Er hatte stets für alle kleinen Probleme im Dorf ein offenes Ohr; auch für die Politik in der jungen Demokratie, nachdem er so viel Elend während der Hitler-Diktatur erleben musste. Jahrzehntelang hat er mit Gefährten die große Krippe in der katholischen Kirche Oberdrees aufgebaut und betreut. Für die Weihnachtsbasare des Ortsausschusses hat er Krippen gebaut und oftmals über 100 Adventskränze aus Tannengrün gebunden, die für Zwecke der Kirchensanierung oder des Ortsausschusses verkauft wurden.
Anlässlich der Feier zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2013 wurde Josef Assenmacher nach Essen, Kaffee und Kuchen und vielen schönen Gesprächen über die vergangenen Jahrzehnte in einer offenen Kutsche vom Rheinbacher Waldhotel durch die Felder in sein geliebtes Oberdrees gefahren – für ihn ein wirklich wunderschönes Erlebnis.
Die Oberdreeser Bürger werden das Andenken an Herrn Assenmacher stets in Ehren halten und sich gerne an einen friedvollen und besonnenen Menschen erinnern, der immer ein Teil des Dorfes war.Kurt Brozio, Ortsvorsteher
