Oldtimer-Freunde Swisttal-Odendorf hatten eingeladen
Erfahrungsaustausch und Gespräch stehen im Vordergrund
150 historische Fahrzeuge nahmen diesmal Teil – Traktoren und Wohnwagen waren in der Überzahl
Odendorf. Jedes Jahr ein kleines bisschen mehr, das ist weiterhin die Devise bei den Oldtimer-Freunden Swisttal-Odendorf (OFSO). Die Trecker-Enthusiasten um ihren Vorsitzenden Hans-Günter Cramer sind mittlerweile auf 40 Personen angewachsen – am Wochenende kam nämlich während des 9. Oldtimer-Treffens im Gewerbegebiet Odendorf ein weibliches Mitglied dazu. Das jüngste Mitglied ist allerdings noch im Kleinkindalter, „aber wir sind ohnehin eine große Familie“, bemerkt Cramer mit einem Augenzwinkern.
Dieses Jahr musste das Oldtimer-Treffen wieder einmal auf eine neue Wiese umziehen, weil das bisher genutzte Grundstück nicht mehr zur Verfügung stand. Diesmal nahmen etwa 150 historische Fahrzeuge teil, überwiegend Traktoren der Baujahre 1939 bis 1986 von 6 bis 125 PS. Aber auch einige Automobile, Motorräder und etwa ein Dutzend Militärfahrzeuge meist amerikanischer Provenienz sorgten für ein abwechslungsreiches Bild auf dem Festplatz. Die etwa 70 von Traktoren gezogenen Bau-Wohnwagen gehören ohnehin zum festen Inventar, und zahlreiche Besitzer übernachten fast eine ganze Woche auf dem Festgelände. Viele nutzen die Gelegenheit für einen Kurzurlaub in Odendorf, waren sie doch bis aus der Gegend von Leverkusen und sogar aus Luxemburg angereist. Doch natürlich waren auch wieder die historischen Fahrzeuge der befreundeten Oldtimer-Vereine aus der Region in großer Zahl zu sehen.
Wasserdeutz von 1939 war das älteste Fahrzeug
Ehrensache, dass sämtliche teilnehmenden Fahrzeuge auf eigener Achse angereist waren und auch während des verlängerten Wochenendes so manche Runde durch das Dorf drehten, beispielsweise bei der gemeinsamen Ausfahrt von zwei Dutzend historischen Treckern am Sonntagmorgen, die von einigen Teilnehmern indes bis in die Mittagsstunden hinein ausgedehnt wurde. Ältestes Fahrzeug war diesmal „Wasserdeutz“ aus dem Baujahr 1939 mit 50 PS in einem ungewöhnlichen Beigeton, der daher rührt, dass der Trecker einst als Schausteller-Fahrzeug unterwegs war. Das Besondere an diesem Gefährt ist sein in einem Stahlrohr verbautes Zahnradgetriebe.
Stärkster Traktor war der Case IH 1255XL mit 145 PS aus dem Jahr 1985, der dem stellvertretenden Vorsitzenden Sascha Macherey gehört. Mit seiner XL-Kabine bietet der schon einigen Komfort, und wer genau hinschaut, bemerkt, dass Macherey zwei Kindersitze eingebaut hat. Tochter Lilli (2) und Neffe Luis (7) fahren nämlich so oft es geht im Trecker mit. „Sie werden praktisch schon mit der Muttermilch traktor-infiziert“, so Macherey, sind doch die beiden Mütter die Töchter von OFSO-Chef Hans-Günter Cramer. „Und Traktorfahren mit Kindern dabei macht doppelt so viel Spaß.“
Geschichten von damals am Lagerfeuer
Ein Programm gab es nicht wirklich bei dem dreitägigen Treffen, denn der Erfahrungsaustausch und das Gespräch miteinander sind das wichtigste an der urigen Veranstaltung. Hier werden ungelöste Fragen beantwortet und schwierige Probleme gelöst, seltene Ersatzteile organisiert und abends am Lagerfeuer „Geschichten von damals“ aufgewärmt. „Die Rennfahrer haben ihre Benzingespräche – wir haben unsere Dieselgespräche“, schmunzelte Cramer. Auch auf einen Schönheitswettbewerb verzichtet man gerne, „denn Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters“, so der Vorsitzende. Wie etwa der eher unscheinbare Güldner Toledo, Baujahr 1962, in verwaschenem grün, der der Familie Hemmersbach aus Hausweiler gehört. Mutter Anja und die beiden Kinder Tobias und Larissa kuscheln sich hier Rücken an Rücken aneinander, wenn sie gemeinsam den Heimweg antreten. Im kommenden Jahr wird man sich allerdings erneut nach einem anderen Standort umsehen müssen, denn auch die „neue“ Wiese steht dann nicht mehr zur Verfügung. Man habe schon eine ebenfalls geeignete Wiese im Auge, so Macherey. JOST
Foto: Volker Jost
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