144. Stiftungsfest des Kameradschaftsvereins Ludendorf
Erinnerung an die Opfer der Kriege
Mahnung zum Umgang mit Flüchtlingen
Swisttal-Ludendorf. Das „Kaiserwetter“ mit einem strahlend blauen Himmel passte zu dem Stiftungsfest, das mit der Zahl „144“ eine lange Tradition offenbart. Stolz und selbstbewusst zogen so auch die Mitglieder des Kameradschaftsvereins 1871 Ludendorf, begleitet von dem Tambourcorps Loreley aus Odendorf und dem Musikverein Gielsdorf, durch den Ort, bevor sie sich mit vielen Bürgern, Vertretern der Politik und Mitgliedern des Reservistenverbandes zur Gedenkstunde am Ehrenmal neben der Pfarrkirche St. Petrus und Paulus versammelten.
Und spätestens hier wurde es still, denn schon in seiner Begrüßung wies der Vorsitzende des Kameradschaftsvereins, Stefan Arth, darauf hin, dass auch heutzutage eine Gedenkstunde, auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, keine leere Zeremonie sei, sondern gerade im Hinblick auf die jüngste Gewalt in Deutschland gegen Flüchtlings- und Asylheime aktueller denn je sind. „Nach Ende des Krieges gab es auch in Deutschland Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, dies sollten wir nicht vergessen. Es ist eine Schande, wenn wir die heutigen Probleme vor Ort nicht lösen können“, so Arth. Und er appellierte an die Teilnehmer der Gedenkstunde, „stehen Sie für die freiheitliche demokratische Grundordnung unseres Staates ein.“
Festrede gegen den Fremdenhass
Eine bemerkenswerte Festrede hielt Prof. Dr. Hermann Schlagheck. Von den Gedanken seiner Enkelkinder, warum es überhaupt Kriege gibt, über die jahrhundertelange „Erbfeindschaft“ zwischen Frankreich und Deutschland zog er den Bogen zur heutigen politischen Realität mit den Kriegen im Nahen Osten über Teile Afrikas bis hin zur Ukraine, dem unerklärten Krieg vor unserer Haustür. „Zu lernen, wie man Kriege verhindert, fällt uns Menschen offensichtlich schwer“, so Schlagheck, „niemand ist in Sicht, der erfolgreich dagegen etwas unternimmt.“ Wenigstens mitten in Europa habe es seit 70 Jahren keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr gegeben. „Es ist allerdings nicht so, dass wir Menschen uns gebessert hätten, in Mitteleuropa haben wir deshalb so lange Frieden, weil sich Kriege hier nicht mehr so einfach ‚vom Zaun brechen‘ lassen, dafür sind die Nationen in Europa inzwischen zu sehr wirtschaftlich und politisch vernetzt.“
Der einst überzeugende Appell „Nie wieder Krieg“ gelte heute offenbar nicht mehr. Junge Leute, auch aus Deutschland, ließen sich dazu verleiten, etwa nach Syrien in den dortigen Krieg zu ziehen. Währenddessen flüchten von dort immer mehr Menschen, auch nach Deutschland, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. „Wir stehen deshalb in Europa und Deutschland vor einer neuen großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“, so Schlagheck, „und obwohl erst 1989 bei uns Menschen über Zäune kletterten, um einem Unrechtsstaat zu entkommen, werden heute Flüchtlinge angepöbelt, brennen Flüchtlingsheime und Polizisten werden angegriffen, die die Flüchtlinge schützen sollen.“ Der Festredner mahnte, man müsse sich wieder stärker auf die Werte besinnen, die in unserem Land, in Europa wichtig sind.
Mit einer Kranzniederlegung wurde der Toten der Kriege und der Opfer von Gewalttaten gedacht.
