Wolfgang Schlich aus Bell kann einfach nicht wegschauen
Erlebnisse in einem bewegenden Gedicht verarbeitet
In Zeiten des Bürgerkrieges berichtete „BLICK aktuell“ sehr oft über das Engagement von Wolfgang Schlich aus Bell, der 1993 die „Kroatienhilfe Bell“ ins Leben gerufen hat. Jahrelang führte er mit einigen Mitstreitern Hilfstransporte nach Mostar in Bosnien-Herzegowina durch. Heute führt sein damaliger Mitstreiter Peter Wölwer mit seiner Ehefrau Erika diese wichtigen Transporte fort.
Doch für den 81-jährigen Wolfgang Schlich kein Grund, bei aktuellen Krisensituationen einfach wegzuschauen. Im November 2015 führte ihn sein Weg in eine Flüchtlingsnotunterkunft nach Hermeskeil. Dort war Not am Mann und Hilfsgüter wurden benötigt.
„Nach diesem Besuch dort, konnte ich Nächte lang nicht schlafen. Die Bilder haben mich nicht mehr losgelassen, so groß war das Elend“, schildert Schlich der Redaktion von „BLICK aktuell“. Als Kriegskind weiß er, was es bedeutet, in Angst, Not und Armut groß zu werden und zu leben. Das Erlebte in Hermeskeil hat ihn dazu bewogen, seine Eindrücke in einem bewegenden Gedicht zu verarbeiten, dass „BLICK aktuell“ Ihnen, lieber Leserinnen und Leser nicht vorenthalten möchte.
Meine Erlebnisse in der Flüchtlingsnotunterkunft
Neue Flüchtlinge kamen an, erschöpft und verloren,
eine Mutter mit ihrem Kind, auf der Flucht geboren.
Angst in den Augen bei Groß und Klein,
wer kann da noch fremdenfeindlich sein?
Ihre Heimat verloren, ihre Häuser verbrannt,
auch wir tragen Schuld als Waffenlieferant.
Im Familienzelt oh Graus,
Bett an Bett, wie hält man so was aus?
Ein kleines Mädchen mit strahlenden Augen reichte mir die Hand,
was es mir sagen wollte, ich schnell verstand:
Danke für deinen Besuch alter Mann,
danke deinem Land, wenn ich bleiben kann.
Deshalb mein Aufruf an jung und alt,
Vernunft und Toleranz und keine Gewalt.
Wehret den Anfängen, das ist mein Bestreben,
in einem Nazi-Deutschland möchte ich nicht noch einmal leben.
Den Fremden möchte ich sagen mit deutlichem Ton,
die Gesetze befolgen, nur so gelingt Integration.
Recht und Gerechtigkeit,
im Jahr der Barmherzigkeit.
Wolfgang Schlich aus Bell,
Jahrgang 1935
