Meisterhafte Klänge auf historischem Cembalo
Erlesenes Konzert mit Barockmusik
Bad Breisig. Überaus festlich, so ganz in die vorweihnachtliche Stimmung passend, klingt Musik, die vom speziellen Klang des Cembalos kommt. Es ist jenes faszinierende, heute nur noch selten zu hörende Tasteninstrument, das eine besondere Anschlag – Kunst vom Instrumentalisten verlangt. Immerhin müssen die an leicht bewegbare Klaviertasten gewöhnten zarten Finger die Tasten auf dem Manual des Cembalos stets gründlich anschlagen, um jene Hebel zu betätigen, die das Anzupfen der Saiten durch Federkiele auslösen. Das nämlich macht den Unterschied des Cembalo zum Klavier aus: Die Saiten dieses Vorgänger - Instruments zum Hammerklavier werden „angezupft“, nicht „angeschlagen“. Lidiya Plastum, die begnadete Tasten - Zauberin, übt und beherrscht die dafür nötige Anschlag – Technik. Sie spielt nicht nur meisterhaft auf dem Cembalo, sie erklärt auch dem interessierten Publikum beim Konzert im Hotel „Rhein-Residenz“ die Besonderheiten der Interpretation auf dem Instrument. Sie erweist sich dabei als charmante Expertin auf dem und rund um das eigens herbei geschaffte Cembalo. Bei der Vorstellung einiger barocker Kompositionen musiziert sie auch zusammen mit dem virtuosen Geiger Nikolay Leschenko. Beide sind ein eingespieltes Duo, das bereits viele Freunde in Bad Breisig hat. Zu hören war ausschließlich Musik aus der Zeit des Barock, also von etwa 1550 bis 1750., einer Zeit, in der das Cembalo hoch im Kurs stand und erst spät von dem neu erfundenen Hammerklavier abgelöst wurde. Das Programm begann mit drei verschiedenen Tänzen aus der Partita BWV 1006 von Johann Sebastian Bach. Danach: Der als „Lehrer deutscher Organisten“ gerühmte Niederländer Jan Pieterszoom Sweelinck; er bereicherte das Konzert mit der Komposition „Unter den Linden grüne“. Diese, wie auch die drei der Natur abgelauschten Stücke des französischen Rokoko-Komponisten Jean - Philippe Rameau: „Le Rappel des Oiseaux – Le Follette – Les Cyclopes“ stellen höchste Ansprüche an das Können der Interpreten. Das gilt nicht minder für den Italiener Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, der mit „La Bernabea“ im Programm vertreten ist. Wie in allen Zwischen - Moderationen erklärt Lidiya Plastum charmant auch den vom englischen Hoforganisten William Byrd ausgesuchten Beitrag „Passamezzo Gaillard“, eine Hommage an den damals weit verbreiteten Tanz „Gaillard“, dessen Rhythmus die Interpretin selbst in der britischen Nationalhymne „God save the Queen“ nachweist – und demonstriert. Von Domenico Scarlatti, dem Sohn des berühmten Alessandro, sind vor allem seine Werke für Tasteninstrumente überliefert. Zu diesen gehört auch die Folge von drei kurzen, aber für die Cembalistin höchst anspruchsvollen Sonaten, mit denen sie das Programm der von dem Bad Breisiger Verein „Forum Kultur“ geförderten Veranstaltung bereicherte. Der Ausklang blieb Altmeister Johann Sebastian Bach vorbehalten: Seine Sonate c-Moll für Cembalo und Geige, BWV 1017, gilt als Geburtsstunde des gleichberechtigten Cembalos, bisher nur Begleitinstrument mit Basso continuo. Erstmals setzt Bach hier auf das Miteinander von Violine und Cembalo auf gleichem Niveau. Lidiya Plastum und Nikolay Leschenko demonstrierten das in eindrucksvoller Weise - ein Werk, das alles Können der Interpreten erfordert. Der Beifall für das wahrhaft großartige, eineinhalbstündige Barock - Konzert wollte nicht enden. Ein Trost: Schon am Neujahrstag, um 17 Uhr nachmittags, ist Lidiya Plastum an gleicher Stelle zu hören, dann wieder am Klavier – mit einem Neujahrskonzert populärer, ausgewählter Kompositionen. Alle Veranstaltungen sind unter dem Titel „Kultur im Hotel“ organisiert vom Verein „Forum Kultur“ in Zusammenarbeit mit der musikbegeisterten Hotelchefin Birgit Letschert. Der Eintritt ist jeweils kostenlos, doch Spenden zur zusätzlichen Unterstützung des /der Künstler sind willkommen. FA
