Mendiger Kolping-Theatergruppe feierte eine grandiose Theaterpremiere
„Ernst sein ist Alles“ - Der entstaubte Charme einer viktorianischen Gesellschaft
Die Naturtalente der Mendiger Kolping-Theatergruppe „Bratpfanne“ brillierten mit Witz, Intelligenz und einem kräftigen Schuss Ironie
Mendig. Nichts gegen den herzhaften und mitunter durchaus unterhaltsamen Klamauk, der von mehr oder weniger talentierten Nachwuchsdarstellern in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Provinztheatern geboten wird! Wenngleich die Mimen des von der Mendiger Kolpingfamilie nach einigen Jahren Pause wieder ins Leben gerufenen Theaters „Die Bratpfanne“ mit der Premiere ihres neuen Stückes im Pfarrheim St. Cyriakus relativ leichte Kost servierten, so stand doch manch staunendem Besucher bereits nach den ersten Minuten der Mund offen und er hatte Mühe, diesen während des nachfolgenden, schauspielerisch höchst anspruchsvollen Feuerwerks, wieder zu schließen.
Die Rede ist hier zum einen von dem Theaterstück „Ernst sein ist alles“, frei übersetzt nach „The Importance of Being Earnest“ von Oscar Wilde und zum anderen von acht bemerkenswerten Darstellern der Mendiger Kolpingfamilie, denen es auf eine unnachahmliche Art und Weise gelungen ist, die im viktorianischen England spielende Handlung nicht nur zu entstauben, sondern die zwar geistreich, aber dennoch endlos langen und verschachtelten Dialoge mit erfrischend neuem Leben zu erfüllen.
Die triviale Komödie erzählt die Geschichte von Algernon Moncrieff und Jack Worthing aus der Zeit um 1895 in London.
Worthing residiert auf dem Land und fährt immer wieder zum Vergnügen nach London. Dabei täuscht er vor, sich um seinen verantwortungslosen Bruder Ernst kümmern zu müssen. Moncrieff wiederum ist ein Londoner Aristokrat, der hin und wieder vor der Londoner Gesellschaft flüchtet, indem er vorgibt, er besuche seinen kranken Freund Bunbury auf dem Land, der jedoch ebenfalls eine Erfindung ist.
Die beiden ungleichen, zunächst vermeintlichen Brüder freundeten sich in London an, wo Worthing Moncrieffs Cousine Gwendolin Fairfax kennenlernt und sich in sie verliebt. Eine Eheschließung scheint aber unmöglich, da Gwendolins Mutter Lady Bracknell gegen diese Verbindung ist. Auch liegt Gwendolin sehr viel an dem Namen Ernst, denn sie kann angeblich nur einen Mann mit diesem Namen lieben. Das Dilemma beginnt jedoch, als Worthing von seinem Mündel Cecily Cardew erzählt und damit Moncrieffs Interesse weckt.
Während Nicolas Junglas in der Rolle des arrogant-zynischen Adligen Algernon Moncrieff geradezu brillierte, schien auch dem schauspielerisch höchst ambitionierten Andreas Geilen die Rolle von John Worthing auf den Leib geschrieben. Die zwar völlig ungleichen, aber dennoch hinreißenden Darstellerinnen Theresa Ellerich (Cecily Cardew) und Denise Rauch (Gwendolin Fairfax) überzeugten das restlos faszinierte Publikum ebenso wie Viktoria Diensberg als furchteinflößende und snobistisch angehauchte Lady Bracknell. Bereichert wurde das beeindruckende Enssemble von Kathrin Schmitt (Cecily’s Gouvernante Laetitia Prism), Sandra Plitzko (Pastor Dr. Chasuble) und Vanessa Müller (Bedienstete). Absoluten Respekt verdient das Ensemble u.a. auch für die Tatsache, dass es nicht unter der Leitung eines einzigen Regisseurs arbeitete, sondern jeder sein eigener Regisseur war.
Weitere Aufführungstermine
Mehr darf an dieser Stelle leider nicht verraten werden, da den zwei Aufführungen am vergangenen Freitag und Samstag weitere am Samstag, dem 12. März um 20 Uhr, Sonntag, dem 13. März um 19 Uhr, Freitag, dem 18. März um 20 Uhr und am Sonntag, dem 20. März um 19 Uhr folgen werden. Und wer sich wirklich einmal einen äußerst unterhaltsamen und dennoch anspruchsvollen Theaterabend gönnen möchte, der sollte sich auf dem schnellsten Weg bei Tabakwaren Blum in Mendig, Tel. (0 26 52) 44 62 um Karten bemühen.
Als Ernst (Andreas Geilen) ihr einen Heiratsantrag macht, ahnt Gwendolin Fairfax (Denise Rauch) noch nicht, dass sein wirklicher Name John ist.
Auch die Liebe von Cecily Cardew (Theresa Ellerich) und Algernon Moncrieff (Nicolas Junglas) muss noch einige Missverständnisse überstehen.

Bestleistung!
Ein anspruchvolles Stück auf eigene, sehr humorvolle Art präsentiert.
Es wäre unangemessen, die hervorragende Leistung von Nicolas Junglas in den Vordergrund stellen zu wollen, denn es war eine Gesamtleistung aller Akteure auf sehr hohem Niveau.
Danke für die kurzweilige Unterhaltung.
Weiter so. Wir freuen uns bereits auf die nächste Spielzeit