Allgemeine Berichte | 04.04.2026, 18:23 Uhr

Traditionelles Klappern in Erpel

Erpel: Traditionelles Klappern an Kartagen bewahrt Brauchtum

Mit erhobenen Holzklappern durch die Herrlichkeit: In Erpel wird der alte Osterbrauch von Generation zu Generation weitergegeben.
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Erpel. Wenn es in Erpel an den Kartagen still wird und keine Kirchenglocken mehr zu hören sind, hat das einen besonderen Grund: In der katholischen Tradition schweigen die Glocken vom Gloria am Gründonnerstag bis zur Osternacht – als Zeichen der Trauer über Leiden und Tod Jesu Christi. Im Volksmund heißt es dann oft, die Glocken seien nach Rom geflogen. Eine Vorstellung, die Kinder begeistert und ihnen gleichzeitig den Brauch näherbringt. Bis zur Rückkehr übernehmen vielerorts Klappern die Aufgabe der Kirchenglocken – so auch in der Herrlichkeit Erpel.

An Karfreitag (03.04.2026) und Karsamstag (04.04.2026) war es wieder so weit: Der Junggesellenverein Erpel 1737 e.V. lud zum traditionellen Klappern ein. Viermal am Tag, beginnend um 06:45 Uhr, zogen die Klapperkinder, begleitet von Eltern und Junggesellen, durch den historischen Ortskern.

Dabei wird in Erpel nicht einfach nur geklappert – die Kinder sagen auch die Uhrzeit an. In einem festen Rhythmus rufen sie beispielsweise „Nüng Uhre“, also neun Uhr. Anschließend folgt für einige Sekunden das laute Klappern. Dieser Wechsel aus Ruf und Klang macht den besonderen Charakter des Erpeler Klapperns aus. Das Klappergeräusch stammt von handgefertigten Holzklappern, die in Erpel zum Teil schon seit vielen Jahren im Einsatz sind. Die Mitglieder des Junggesellenvereins reparieren oder ergänzen diese bei Bedarf.

Eine Besonderheit gibt es bei der Runde um 14:30 Uhr: Hier rufen die Kinder „Zum zweiten Zeichen“. Dieser historische Hinweis stammt aus einer Zeit, in der die Menschen auf die Kirchenglocken angewiesen waren, um die Uhrzeit zu erfahren. Die Klapperkinder kündigen an, dass es noch eine halbe Stunde bis zur Messe ist. Auch wenn es in Erpel keine eigene Messe um 15:00 Uhr mehr gibt, wird dieser Teil der Tradition bis heute weitergeführt.

Gemeinsam zogen Kinder und Erwachsene durch die Straßen der Herrlichkeit und gaben mit ihren Klappern den Takt der Kartage vor – ein Brauch, der in Erpel fest zum Dorfleben gehört. Damit wirklich alle mitmachen konnten, stellte der Verein Klappern bereit. Für die jüngsten „Klapperkinder“ gab es zusätzlich leichte Handklatschen aus Kunststoff.

Nach der jeweils ersten Runde am Morgen waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem gemeinsamen Frühstück in der Gaststätte „Om Maat“ eingeladen – ein fester Bestandteil, der das Klappern auch abseits der Runden zu einem besonderen Erlebnis macht.

Am Samstag vor der letzten Klapperrunde zog der Junggesellenverein gemeinsam mit den Klapperkindern durch den Ortskern, um bei den Anwohnerinnen und Anwohnern Süßigkeiten und Ostereier zu sammeln. Daran zeigte sich einmal mehr, wie positiv der Brauch im Dorf angenommen wird. Viele hatten extra kleine Überraschungen für die Kinder besorgt – und das, obwohl sie an den Feiertagen bereits frühmorgens von den Klappern geweckt wurden. Am Ende durfte sich jedes Kind über einen gut gefüllten Beutel und sogar über ein kleines Taschengeld freuen.

„Gerade für einen Junggesellenverein mit so vielen gewachsenen Traditionen ist es uns wichtig, diese zu bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben“, erklärt die 1. Vorsitzende Annika Efferoth. „Gleichzeitig müssen wir das Brauchtum auch an die heutige Zeit anpassen, damit es für Kinder und Familien attraktiv bleibt.“

Dass dies gelingt, zeigte sich auch in diesem Jahr wieder: Mit viel Freude nahmen die Kinder an den Klapperrunden teil. Besonders schön: Der sechsjährige Samuel war gemeinsam mit seinem Bruder bei jeder Klapperrunde dabei – und das freiwillig trotz Ferien und früher Uhrzeiten. Mit sichtbarem Stolz nutzte er dabei eine ganz besondere Klapper: die seines Urgroßvaters. Ein Stück gelebter Geschichte, das nun bereits in vierter Generation beim Erpeler Klappern im Einsatz ist.

Auch wenn das Klappern seinen Ursprung in der katholischen Tradition hat, ist in Erpel jeder willkommen, der mitmachen möchte. Der Brauch bleibt nicht nur Tradition, sondern gelebte Dorfkultur.

Klapperkinder ziehen an Karfreitag und Karsamstag durch den historischen Ortskern von Erpel und übernehmen die Aufgabe der schweigenden Kirchenglocken.

Klapperkinder ziehen an Karfreitag und Karsamstag durch den historischen Ortskern von Erpel und übernehmen die Aufgabe der schweigenden Kirchenglocken. Foto: Daniela Simon

Gemeinsames Frühstück nach der ersten Runde: In der Gaststätte „Om Maat“ wird das Klappern auch abseits der Straßen zum Gemeinschaftserlebnis.

Gemeinsames Frühstück nach der ersten Runde: In der Gaststätte „Om Maat“ wird das Klappern auch abseits der Straßen zum Gemeinschaftserlebnis. Foto: Daniela Simon

Gut gefüllter Bollerwagen: Beim traditionellen Rundgang durch den Ort sammelten die Klapperkinder Süßigkeiten und Ostereier bei den Anwohnerinnen und Anwohnern.

Gut gefüllter Bollerwagen: Beim traditionellen Rundgang durch den Ort sammelten die Klapperkinder Süßigkeiten und Ostereier bei den Anwohnerinnen und Anwohnern. Foto: Daniela Simon

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Mit erhobenen Holzklappern durch die Herrlichkeit: In Erpel wird der alte Osterbrauch von Generation zu Generation weitergegeben. Foto: Daniela Simon

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