Allgemeine Berichte | 04.07.2022

Jahreshauptversammlung des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr

Erst kam Corona, dann die Flut

Der Vorstand des Hospiz-Vereins. Foto: privat

Kreis Ahrweiler. Erst kam Corona, dann die Flut: Als vor einem Jahr die Mitgliederversammlung des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr in der Landskroner Festhalle stattfand, ahnte keiner, dass nur wenige Stunden später Wassermassen über das Ahrtal hereinbrechen würden – mit unvorstellbaren Folgen, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Arbeit des Hospizvereins. Als sich die Mitglieder nun am gleichen Ort erneut zu ihrer Versammlung trafen, schien die Sonne – und der Blick ist trotz der schlimmen Ereignisse im vergangenen Jahr positiv in die Zukunft gerichtet. Im 30. Jubiläumsjahr liegt die Mitgliederzahl stabil bei 1.360, der Verein steht – auch dank zahlreicher Spenden – finanziell auf sicheren Füßen, ein neues Büro im Bethel-Hotel Zum Weinberg konnte bezogen werden und nicht nur die Aufgaben, sondern auch die Zahl der Mitarbeitenden ist gewachsen.

244 Patienten konnten 2021 auf ihrem letzten Lebensweg begleitet werden, 190 verstarben. Die Zahl ist, wie die neue Koordinatorin Luzia Goll berichtete, im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen. Fünf hauptamtliche Hospizfachschwestern standen den Menschen und ihren Angehörigen in der letzten Lebensphase zur Seite. Zudem schenkten 71 ehrenamtliche Begleiter und Begleiterinnen schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Familien 3.237 Stunden ihrer Zeit und legten dabei 28.691 Kilometer zurück. Im stationären Hospiz im Ahrtal werden rund 100 Gäste jährlich betreut. Die Auslastung lag 2021 bei 95 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 21 Tage, das durchschnittliche Alter 76 Jahre.

„Ich möchte allen Kolleginnen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen sehr herzlich für Ihre großartige Unterstützung danken, umzuswitchen und die Arbeit unter anderen Bedingungen mit neuen Herausforderungen zu leisten“, sagte Vorsitzende Ulrike Dobrowolny, die noch einmal die Situation für den Verein nach der Flutkatastrophe Revue passieren ließ. Das alte Hospizbüro war völlig zerstört, die wichtigen Daten auf dem Computer konnten jedoch gerettet werden. Als Vorsitzende trieb Dobrowolny vor allem die Frage um: „Wie arbeiten wir weiter, wenn das Tal so viele Tote zu verkraften hat und so viele Menschen, die einen Angehörigen verloren haben und jemanden haben schreien hören oder schreckliche Erzählungen ertragen müssen.“ Dies war dann auch der Anlass, ganz neue Stellen für den Bereich „Trauer-/ Traumakoordination“ auszuschreiben – zugunsten aller Bürger, insbesondere aber der von der Flut betroffenen. Unterstützt wurde die Idee durch eine Zusage des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes in Berlin und der Deutschen Hospizstiftung mit einem Honorarzuschuss von 130.000 Euro für zwei halbe Projektstellen für zwei Jahre. Viele Spenden ermöglichten, mittlerweile insgesamt sechs zusätzliche Stellen für die Trauer-/ Traumaarbeit im Kreis zu schaffen. Dies ist auch ein Grund, weshalb der neue Bürotrakt des Hospiz-Vereins im „Bethel-Hotel Zum Weinberg“, der im Januar bezogen werden konnte, schon wieder aus allen Nähten platzt. „Vermutlich müssen wir schon bald neue Räume anmieten“, so Schriftführerin Monika Lessenich.

Bei der Arbeit im Bereich Trauer- und Traumbewältigung habe man entdeckt, dass vor allen Dingen Senioren bei den Flutereignissen vergessen werden, erklärte Dobrowolny. Daher bietet der Verein Supervision und Fortbildung in den Altenpflegeeinrichtungen an, Trauergruppen und Einzelgespräche, außerdem Ausflugsfahrten für flutbetroffene Senioren. „Wir helfen Menschen, ins Leben zurückzufinden.“ Was die Trauerarbeit angeht, sei es in der Pandemiezeit sehr schwer gewesen, mit Betroffenen in Kontakt zu kommen. „Oft genutzt wurden aber die Möglichkeiten zu Einzelgesprächen“, wie Beisitzerin Berta Bauer mitteilte. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 150 Stunden Trauerarbeit geleistet, 24 Trauernde wurden begleitet, vier Trauertreffs konnten trotz Pandemie durchgeführt werden. Erstmals hat der Verein im Mai auch einen „Letzte Hilfe-Kurs“ angeboten, bei dem sozusagen das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung vermittelt wird. Hierfür hatte Beisitzerin Liesel Albrecht im Vorfeld eine entsprechende Kursleiterschulung absolviert. „Das Sterben soll durch diese Kurse wieder Teil des Lebens werden“, erläuterte sie. Im August startet ein weiterer Kurs in Adenau, für den Herbst sind Kurse in Remagen und Niederzissen geplant.

Wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtler im Verein ist, unterstrich die stellvertretende Vorsitzende Hildegard Schneider: „Ehrenamtliches Engagement ist eine unverzichtbare Säule der Hospizarbeit.“ Ebenso seien Ehrenamtler wesentliche Multiplikatoren für die Hospizidee. Auch während der coronabedingten Kontaktbeschränkungen seien die Ehrenamtler sehr kreativ gewesen und an der Seite der Menschen geblieben. „Sie haben Großes geleistet.“ Das gilt auch für die Zeit nach der Flut, als die Freiwilligen tatkräftig im Versorgungs- und Waschzelt mithalfen und als eine Art Streetworker die Menschen vor Ort besuchten. Schneider würde sich wünschen, dass der Anteil der Männer noch zunimmt: Unter den zurzeit 71 ehrenamtlichen Mitarbeitern sind nur elf Männer. Elf Frauen nehmen aktuell an einem Vorbereitungskurs teil. Sechs Personen stehen bereits auf der Interessentenliste für das kommende Jahr.

Über die Hospiz im Ahrtal gGmbH ist der Verein auch an der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (kurz SAPV) beteiligt, die Anfang April ihre Arbeit aufgenommen hat. Dabei handelt es sich um ein medizinisch und pflegerisches Angebot für Menschen am Lebensende. Für die Teilnahme ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Durch die Neugründung der SAPV, die sich direkt neben den Räumlichkeiten des Hospizvereins im Bethel-Hotel befindet, sei eine engmaschige Vernetzung, auch mit Palliativ-Medizinern, zum Wohle der Patienten möglich, betonte Koordinatorin Goll.

Viele Herausforderungen waren und sind es, die der Verein in den zurückliegenden Jahren erfolgreich gemeistert hat und weiter meistern wird. Dies hat auch den Deutschen Hospiz- und Palliativverband beeindruckt: Zum 30- jährigen Jubiläum des Dachverbandes wird Dobrowolny in Berlin einen Vortrag zur „Best Praxis“ halten. Das Thema lautet: „Neue Wege der Hospizbewegung auf neue Herausforderungen“.

Pressemitteilung desKoblenz

Hospiz-Vereins Rhein-Ahr

Der Vorstand des Hospiz-Vereins. Foto: privat

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