St. Lambertus-Kirmes in Lantershofen
Erstmals vier Jubilare geehrt
Traditionelle Paraden und Fahnenschwenken sorgten für Begeisterung
Lantershofen. Nachdem in Lantershofen mit Robin Grießel ein neuer Schützenkönig gekrönt werden konnte, feierte das „Birnendorf“ eine Woche später nach althergebrachter Art und Weise seine St. Lambertus-Kirmes.
Vier Tage lang stand der Ort ganz im Zeichen dieses von vielen Traditionen geprägten Festes. Schon samstags bevölkerten etliche Bürger den Winzerverein, um in gemütlicher Runde mit der Schützenmajestät das ein oder andere Getränk zu sich zu nehmen.
So richtig los ging es mit der Kirmes aber am Sonntag. Nach Festhochamt und Festandacht in der St. Lambertus-Kirche stand die erste von insgesamt zwei Paraden des Kirmeswochenendes auf dem Programm. Seit jeher finden diese Paraden im Dorfzentrum vor der ehemaligen Gaststätte „Zur Post“ statt. Ein buntes Stelldichein aus Junggesellen-Schützen, aktuellem König und ehemaligen Königen sowie Mitgliedern der Bürgergesellschaft versammelt sich dort und gibt, gewandet in Uniform oder Anzug samt Zylinder, ein wohl einmaliges Bild ab.
Zu den Marschklängen des „Colonia Blasorchesters“ paradieren die Junggesellen-Schützen und deren Tambourcorps im Stechschritt vor der regierenden Majestät und den jeweiligen Jubilar-Königen. Ein Spektakel, das sich traditionell kaum ein Lantershofener entgehen lässt – dicht gedrängt und in Zweierreihen umsäumen die Zuschauer die Bürgersteige. Da bildeten auch die diesjährigen Paraden keine Ausnahme, die vom neuen Hauptmann Johannes Schütz in souveräner Manier kommandiert wurden.
Klassisches Fahnenschwenken war einer der Höhepunkte
Ein weiterer Höhepunkt ist das klassische Fahnenschwenken des Schwenkfähnrichs. Unter dem tosenden Applaus des Publikums bewies Schwenkfähnrich Matthias Schopp sowohl im Rahmen der Paraden als auch beim Festkommers Ausdauer und ganz viel Geschick. Beim Hochwerfen der Fahne oder dem Überspringen selbiger stockte manchem Zuschauer der Atem. Einhelliges Fazit: Das war Fahnenschwenken in höchster Vollendung.
Mit dem Kirmesball samt musikalischer Begleitung durch die Band „Roadrunner“ nahm der Kirmessonntag seinen Ausklang und ging quasi nahtlos in den Kirmesmontag über.
Legendär: Der Festkommers
Dieser begann mit dem morgendlichen Wecken und einem Festgottesdienst, bevor im Winzerverein der legendäre Festkommers abgehalten wurde. Hauptmann Johannes Schütz begrüßte die Majestäten und Ehrengäste und blickte auf seinen ersten Festkommers zurück, den er als 12-jähriger Tambourcorps-Trommler erleben durfte. Dann ging er auf die Symbolik der Tragfahne mit dem heiligen St. Lambertus als Schutzheiligem von Lantershofen ein und unterstrich deren Wiedererkennungswert im Vergleich zu einer Flagge. Aus eben jenem Grund entschieden sich die Junggesellen dafür, die in die Jahre gekommenen historischen Fahnen der Gesellschaft nicht neu fertigen, sondern restaurieren zu lassen.
Traditionen weiterführen
Als erster Festredner der Geistlichkeit ergriff anschließend Dechant Jörg Meyrer das Wort und betonte seine Hochachtung vor der Gemeinschaft und dem Miteinander der Lantershofener, das gerade in der heutigen Zeit oftmals schmerzlicher Veränderungen besonders wichtig sei. Als Beispiel für eben jene schmerzlichen Veränderungen nannte er den Weggang der Ursulinen vom Ahrweiler Calvarienberg. „Da tut es gut zu sehen, dass in Lantershofen die Traditionen weitergehen“, so Meyrer.
Danach feierte der neue Regens des Studienhauses St. Lambert, Dr. Volker Mahlburg, seine Festkommers-Premiere. Mahlburg, der zuvor auch den Festgottesdienst mitgestaltet hatte, übermittelte Grüße von Bischof Stephan Ackermann, der einst selbst als Regens dem Priesterseminar vorstand und an diesem Tag nur allzu gerne mit den Lantershofenern gefeiert hätte. In seiner Begrüßungsansprache betonte Mahlburg auch, dass das Zelebrieren der Lantershofener Traditionen keineswegs nur den „Ureinwohnern“ vorbehalten sei, sondern das sich auch „Zugezogene“ in dieser Gemeinschaft gut aufgehoben fühlten.
Für den terminlich verhinderten Landrat Dr. Jürgen Pföhler überbrachte der Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch nicht nur Grüße, sondern hatte auch einen Zuschuss von 782 Euro für die Restaurierung der Schwenkfahne im Gepäck.
Dank für Hochwasser-Einsatz der Junggesellen
Der Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem nutzte die Gelegenheit, um den Lantershofener Junggesellen-Schützen für ihre spontane und tatkräftige Hilfe bei der Beseitigung der jüngsten Hochwasserschäden auf der Grafschaft zu danken, und überreichte Hauptmann Johannes Schütz ein imposantes Gruppenbild, das im Rahmen des letztjährigen Festkommers entstanden war.
Eisenjubilar Josef Franken war vor 65 Jahren Schützenkönig
Als die obligatorischen Ehrungen anstanden, kam es zu einem historischen Novum: Erstmals konnten mit Eisen, Diamant, Gold und Silber vier Königs-Jubilare geehrt werden. Eisenjubilar ist Josef Franken, der vor 65 Jahren den Vogel von der Stange schoss. Er erhielt vom Vorsitzenden der Bürgervereinigung, Erich Althammer, eine künstlerische Darstellung seines Königsschildes. Josef Frankens Sohn Thomas Franken ist der diesjährige Silberjubilar und wurde mit dem Silberjubilars-Orden geehrt. Immerhin 60 Jahre sind vergangen, seit Heinz Dünker die Königswürde errang, Otto Krämer war vor einem halben Jahrhundert Schützenkönig. Sie erhielten den Diamant- beziehungsweise Goldjubilars-Orden. Last but not least wurde der amtierende König und ehemalige Hauptmann Robin Grießel sowohl mit dem Hauptmannsorden, als auch mit dem Königsorden ausgezeichnet. Nun galt es die erneute Parade samt Festumzug und den abendlichen Königsball zu zelebrieren.
Den Schlusspunkt der Kirmes setzte dienstags der „Trinkzug“ durch den Ort, mit dem die Bevölkerung den Junggesellen für die Ausrichtung der Kirmes dankte.
