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Das Willy-Brandt-Forum lud zu seiner zweiten Matinee mit Norbert Alich ein

Es erklangen bekannte Schlager von der NS- bis zur Wirtschaftswunder-Zeit

In „Chiantiwein und weiße Schiffe“nahm der Kabarettist Norbert Alich sein begeistertes Publikum auf eine Zeitreise durch die Schlagerwelt mit

31.05.2017 - 09:45

Unkel. „Ich freue mich, Sie wie schon vor drei Wochen wieder zu einer Matinee der ganz besonderen Art hier im Sitzungssaal des Verbandsgemeinde Unkel begrüßen zu können. Dieses Mal präsentiert Ihnen der bekannte Pink-Punk-Pantheon-Kabarettist und ausgebildete Opernsänger Norbert Alich keinen kabarettistischen Zug durch das Rheinliedergut. Er lädt sie heute vielmehr unter dem Titel ‚Chiantiwein und weiße Schiffe‘ zu einer Reise durch die Schlagerwelt des vorigen Jahrhunderts ein“, begrüßte der Vorsitzende der Willy-Brandt-Bürgerstiftung, Christoph Charlier, am Sonntagvormittag die Besucher der jüngsten Veranstaltung des Willy-Brandt-Forums.


Musikgeschmack wird in der Jugend ausgebildet


„Als die Bonner Republik laufen lernte, war die Popmusik der Nazizeit nicht aus den Köpfen der Deutschen verschwunden. Ganz im Gegenteil, die Massenmedien schickten sie weiter in die Wohnstuben, sodass sie meine Kindheit bestimmten“, so der 1955 in Weißenthurm geborene Kabarettist. Und nicht nur das: „Musikgeschmack wird in der Jugend ausgebildet, wir müssen die Lieder nur aus dem Unterbewusstsein abrufen, schon sind sie wieder da“, war Norbert Alich überzeugt. Sicherheitshalber hatte er aber doch einen langen Spickzettel für die Mitsing-Lieder vorbereitet.

Zu diesen zählte nicht das „zweiten Lied“ von Marlene Dietrich „Ich bin die fesche Lola“ aus dem Film „Der blaue Engel“, mit dem der 62-jährige die Matinée begann. Allerdings wurde die Schauspielerin alles andere als „der Liebling der Saison“ bei ihren Nachkriegs-Auftritten in Deutschland gefeiert. Von der nationalsozialistischen Presse wegen ihrer Zusammenarbeit mit den „Kino-Juden von Hollywood“ angefeindet, wurde sie nach dem Krieg als „Vaterlandsverräterin“ bezeichnet. „So wurden alle die Emigranten damals beschimpft, obwohl sie ermordet worden wären, wenn sie Deutschland nicht rechtzeitig verlassen hätten“, erinnerte Norbert Alich.

Das war Friedrich Hollaender, dem Komponisten des „Blauen Engels“ 1933 gelungen. Wegen seiner jüdischen Abstammung war er als „entarteter Künstler“ zunächst nach Paris, 1934 dann nach Hollywood geflohen. Dieser Aderlass jüdischer Künstler, die das deutsche Kulturleben extrem geprägt hatten, sei ein enormer Verlust gewesen, klagte der Kabarettist und stimmte das melancholische Chanson „Wenn ich mir was wünschen dürfte, käm ich in Verlegenheit, eine schlimme oder gute Zeit“ an, mit dem sich Marlene Dietrich in die USA verabschiedet hatte. Und schon war man beim ersten Mitsinglied angekommen „Ich brauche keine Millionen“ und damit bei Marika Röck und Johannes Heesters. „Komponiert hat das Lied, in dem sich das Lebensgefühl einer vernachlässigten Generation widerspiegelte.


Popmusik ist populär


„Popmusik ist populär, denn erfunden wird, was die Leute hören wollen, wie die etwa Gemeinschaftsproduktion von Bruno Balz und Michael Jary ‚Davon geht die Welt nicht unter‘ für den Film ‚Die große Liebe‘ mit Zarah Leander. Der homosexuelle Texter war 1941 erneut von der Gestapo verhaftet worden und nach tagelanger Folter erst durch die Intervention von Michael Jary nicht ins Konzentrationslager gekommen war, weil dieser vorgab, die von Propagandaminister Joseph Goebbels für den Film geforderten Lieder als ‚Beitrag zur Kriegsanstrengung‘ ohne die Hilfe seines Partners nicht zustande bringen zu können“, berichtete Norbert Alich.

Erfahrungen mit der Gestapo hatte auch der Superheld des deutschen Films, Hans Albers, gemacht. Nach der Machtübernahme habe man ihn zur Trennung von seiner Frau, der Schauspielerin Hansi Burg gedrängt. „Hans Albers gab nach und ließ sich scheiden, lebte jedoch - anders als Heinz Rühmann, der sich 1938 von seiner als Jüdin diskriminierte Frau Maria Bernheim scheiden und diese einen Schweden heiraten ließ, um selber Hertha Feiler zu heiraten - weiter mit ihr zusammen in Garatshausen an Starnberger See, bis es für sie in Deutschland zu gefährlich wurde. Er sorgte dafür, dass sie 1939 über die Schweiz nach England emigrieren konnte, und lebte nach ihrer Rückkehr 1946 an den Starnberger See bis zu seinem Tod 1960 mit ihr zusammen“, berichtete Kabarettist von dem Volksidol, dem „blonden Hans“, dem Fritz Kortner in Ferenc Molnárs Stück „Liliom“ die Rolle des „Schiffschaukelschupsers“ habe überlassen müssen.

„Es war schon eine eigenartige Zeit Anfang der 50er. Im Bundestag saßen schlanke Volksvertreter, ehemals abgemagert im KZ, neben Parteigenossen und Ritterkreuzträgern, die wieder von ihrer tollen Jugendzeit schwärmten, als Peggy March 1965 ‚Mit 17 hat man noch Träume‘ sang“, erinnerte Norbert Alich. Weiter ging es zu Fred Bertelmann, „der ganz tief, aber doch unheimlich weich mit lockerem Unterkiefer“ singen konnte. Da wollte der gelernte Opern-Bariton nicht nachstehen und schmetterten den „lachenden Vagabunden“, ein Lied, das in die Stimmung des deutschen Wirtschaftswunders passte und, im Juli 1957 in Köln eingespielt, ein Nummer-eins-Hit wurde und als Single bis zum 1. Mai 1958 eine Million Mal verkauft wurde.

Noch früher hatte Gerhard Wendland Erfolg. 1951 war sein Schlager „Das machen nur die Beine von Dolores“ in allen Radiostationen zu hören - und am Sonntag auch im Sitzungssaal. „Auch er geriet wie der neun Jahre jüngere Fred Bertelmann in amerikanisch Kriegsgefangenschaft und nutzte 1948 seine dabei geknüpften Kontakte für Engagements als Sänger in amerikanischen Offiziersclubs als Sänger.

Dann schwenkte er zurück in die Nazizeit, in welcher die Karriere des homosexuellen Gustav Gründgens steil nach oben gegangen war. „Nachdem seine Ehe mit Erika Mann 1929 nach drei Jahren geschieden worden war, heiratete er 1936 die lesbische Schauspielerin Marianne Hoppe, wobei die Art dieser Beziehung allgemein bekannt war“, war sich der Kabarettist sicher, ohne den damaligen Spottvers zu bemühen: „Hoppe, Hoppe, Gründgens, die kriegen keine Kindgens, und das hat seine Gründgens!“ Dafür trug er Gustav Gründgens rebellisches Lied „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ aus dem Jahr 1938 vor, nachdem er zuvor als gelernter Bariton das Wolgalied aus dem „Zarewitsch“ geschmettert hatte.


Ja, ja der Chiantiwein


„Nicht den russischen Thronfolger hat man im Nachkriegsdeutschland am Wolgastrand stehen gesehen, sondern vielmehr einen deutschen Soldaten“, war sich Norbert Alich sicher, bevor er im zweiten Teil der Matinée seine Zuhörer mit „Ja, ja der Chiantiwein“ in die Toskana entführte, um sie dann mit der deutschen Fassung des Cole Porter-Hits „“I love Paris“ von Catarina Valente wie schon ganz Paris von der Liebe träumen zu lassen, bevor sie mit Freddy Quinn ihrem Fernweh frönen konnten und sogar „ein weißes Schiff nach Hongkong“ bestiegen. DL

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